Nackte Tatsachen

Unverpackt: ULA in Landsberg und „Tante Resi“ mobil im ganzen Landkreis

Theresa Kummer und ULA
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Theresa Kummer (links) will mit ihrem Unverpackt-Mobil als „Tante Resi“ den Landkreis versorgen. Und die elf Mitglieder von ULA eröffnen im April einen Laden im Vorderen Anger.

Landkreis – Verpackung reduzieren? Nicht einfach. Reis ist im Plastiksäckchen, Kaffeebohnen tummeln sich in der Aromaschutz-Verpackung und mancherorts wurden gar einzelne Erdbeeren im weitläufigen Schaumstoffbett gesichtet. Das geht auch anders, wie Unverpackt-Läden schon in mehreren Städten und Dörfern zeigen. Auch im Landkreis Landsberg ist ‚unverpackt‘ angekommen. Zumindest fast: Elf Personen um die Landsbergerin Sara Klein-Schild wollen im Vorderen Anger einen Unverpackt-Laden eröffnen. Und Theresa Kummer aus Kaufering wird mit ihrem Unverpackt-Mobil durch die Gemeinden tingeln – alias „Tante Resi“. 

Die Idee zum Unverpackt-Laden hatte Theresa Kummer schon vor zwei Jahren. Da lebte sie noch mit ihrem Freund in Klagenfurt. „Ich hatte sogar schon einen Business­plan für einen Laden ausgearbeitet“, erzählt die 30-Jährige. Denn unverpackt einkaufen, das ist auch für sie selbst wichtig. Dann kam ihr das Leben dazwischen. Und so zog es Kummer Anfang 2020 wieder in die Heimat: nach Kaufering. Den Willen zum Unverpackt-Laden hat sie mitgenommen – und gleich eine Potenzialanalyse für so ein Unterfangen beim Profi in Auftrag gegeben, aufgeteilt auf Landsberg Ost, West und die Altstadt. „Am besten abgeschnitten hat Landsberg West, die Nähe zur B17, zur Autobahn. Am schlechtesten die Altstadt“, erzählt sie. „Das Thema Parkplätze.“ Würde Theresa einen Laden aufmachen, wäre der also im Westen. Aber die studierte Augenoptikerin blickt skeptisch auf die Zukunft des Einzelhandels – insbesondere in Landsbergs Altstadt. Und sie scheut die Fixkosten eines Ladens. Als sie dann von einem Unverpacktmobil in der Eifel gehört habe, war die Entscheidung gefallen: „Wenn der Kunde nicht zu mir kommt, komme ich eben zum Kunden.“ Ihr ‚Mobil‘ hat sie schon: „ein Bäckerwagen. Der ist jetzt aber noch beim Restaurieren.“

In ihrem mobilen Unverpackt-Laden wird sie ausschließlich Trockenlebensmittel anbieten: Linsen, Reis, Gewürze, Kaffee, Süßigkeiten und vieles mehr. Sie will die Wochenmärkte der Region anfahren. In Planung sind Kaufering und Schondorf, ebenso die Dießener Markthalle. Zudem habe sie schon zahlreiche Anfragen aus Gemeinden im ganzen Landkreis bekommen, die „Tante Resi“ gerne in ihren Straßen hätten. Auch für den Landsberger Wochenmarkt hat sie sich beworben, mit ausgefeiltem Exposé. Die Stadt habe sich aber erst spät rückgemeldet und auf eine Warteliste verwiesen. Zudem könnte sie dort nur Lebensmittel verkaufen. „Ich habe aber auch Zahnbürsten, festes Shampoo oder Putzlappen.“ Letztendlich hat sie sich gegen den Wochenmarkt entschieden – aber für den Bauernmarkt am Donnerstagnachmittag.

Wichtig ist Kummer auch Transparenz. Die will sie an ihrem weiteren Standort, einem Lager in der Landsberger Katharinenstraße, bieten. Dort können die Kunden alles einsehen. „Ich biete sozusagen sowohl bei den Waren als auch für mein Geschäft nackte Tatsachen.“

Start für ihr Mobil wird entgegen ihrer Planung erst im Sommer sein, genauer kann sie es noch nicht sagen. Denn neben Corona ist ihr auch noch ein Kreuzbandriss in die Quere gekommen, der alles ein wenig verzögert. Wer interessiert ist, kann sich aber auf ihrer Webseite www.tanteresi.de zum Newsletter anmelden. Der kommt – versprochen! – nur ein einziges Mal, mit Startdatum und Standortangaben: dann, wenn „Tante Resi“ den Motor anwirft.

ULA in der Altstadt

Die gleiche Idee in anderer Umsetzung haben die elf Mitglieder des Kollektivs ULA: ‚Unverpackt Landsberg‘, ein Laden, der im Vorderanger eröffnen wird. „Wir sind gerade noch in der Gründung“, berichten zwei Sara Klein-Schild und Lisa Bauer. Dabei holen sie sich Unterstützung vom Unverpackt-Verband: Informationen über Händler oder auch, wenn‘s ohne nicht geht, nachhaltige Verpackungsmaterialien.

Angefangen hat hier alles mit einer Anzeige von Sara Klein-Schild: „Wanted“, war da zu lesen. „Teilhaber für einen Unverpackt-Laden. Mitinvestieren und Mitarbeiten im Kollektiv.“ Ihr seien die Plastikflaschen im Supermarkt schon immer ein Greuel gewesen, erzählt die 59-Jährige. „Und auch die überquellenden gelben Tonnen vor unserem Haus in der Altstadt.“ Nicht nur ihr scheint das so zu gehen: Schon innerhalb kürzester Zeit hatten sich die elf Mitstreiter im Alter von 30 bis über 60 Jahren gemeldet. Die Webseite ist jetzt fast fertig. Und der Laden öffnet im April.

Das ULA-Konzept: Trockenlebensmittel, aber auch frisches Obst und Gemüse von einem Hof in Kaufering. „Wir stehen auch mit Sandau in Verbindung“, sagt Lisa Bauer. „Dann gibt es die Forellen ohne Plastikverpackung.“ Dazu kommt Naturkosmetik sowie nachhaltige Haushaltsartikel. „In Zukunft wird man bei uns im Laden auch Kaffee trinken können“, sagt Klein-Schild.

Geschäftlich werden sich mehrere Personen die Finanzierung teilen und je nach Eignung beispielsweise in der Buchhaltung oder im Laden mitarbeiten. ULA will die Kunden beraten, inklusive Rezepten, sollte jemand das eine oder andere Lebensmittel nicht kennen. „Einkaufen soll zum Erlebnis werden“, beschreibt Bauer. Der Ort Vorderanger ist fix; „Wir hoffen auf viele Kunden, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad kommen“, sagt Sara. Der neue Lechsteg sei da sicher ein guter ‚Zubringer‘. Mit dem Auto könne man auf der Waitzinger Wiese parken.

Theresa Kummer und ULA kennen die Vorurteile gegen das Unverpackte. Zum Beispiel, dass ja doch nur aus Plastikverpackungen umgefüllt werde. Aber natürlich kaufen beide selbst ihre Waren plastikfrei ein, bio, nachhaltig, vor allem regional, um auch Transportwege zu reduzieren. Vieles werde in 25-Kilo-Papiersäcken geliefert, sagt Kummer. Manches gehe nicht ohne Plastik, beispielsweise das Crunchy-Müsli – sonst bleibt es nicht crunchy. „Aber es ist besser, wenn ich da den 25-Kilo-Sack bestelle und daraus abfülle, als wenn jeder eine 500-Gramm-Packung kauft“, sagt Theresa. Auch kompliziert wird das unverpackte Einkaufen nicht sein: Zum Abfüllen werden ULA und „Tante Resi“ Gläser und Stoffbeutel zum Kaufen oder Leihen mit oder ohne Pfandsystem anbieten.

Selbst das Vorurteil, Unverpackt-Waren seien teurer, entkräften beide. Natürlich werden sie keine Discounter-Preise bieten können. Dafür hochwertige Lebensmittel. „Und unser Obst und Gemüse wird sicher günstig sein“, ist Sara Klein-Schild überzeugt. Theresa vergleicht ihre Preise mit denen in einem normalen Bioladen.

Die Macher der beiden Projekte wissen voneinander und wünschen sich gegenseitig nur das Beste – allgemein bestimme die Unverpackt-Szene nicht das Gegen-, sondern das Miteinander. Was beiden in ihrer Arbeit wichtig ist: das Verhältnis Einkäufer – Lebensmittel zu verändern. Zum Beispiel nur die Menge zu kaufen, die man auch verbraucht. Dass man die Lebensmittel ‚sieht‘, „kein Marken-Chi-Chi, keine Konzerne, kein ‚doppelt so viel drin wie vorher‘-Gerede“, sagt Theresa. Unabhängig selbst entscheiden, was man konsumiert Und so auch ein bisschen mehr Freiheit zu erlangen.

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