Wasser und Schlamm führen zu verheerenden Schäden

Landsberg: Unwetter mit Schockwirkung

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Wasser in der Küche des Wirthauses am Spitalplatz, Schutt auf einem Grundstück in der Pössinger Straße.

Landsberg - Am Samstagabend stürzen in wenigen Minuten 42 Liter Regen pro Quadratmeter auf die Lechstadt ein. In der Altstadt laufen Wohnungen und Lokale voll Wasser. An der Pössinger Straße wird aus Regen und Felderde ein nicht zu stoppendes Schlammgemisch. Schon bald wird klar: Diesmal hat es Landsberg heftig erwischt. Viele Betroffene stehen unter Schock.

Am Schlimmsten sieht es im Osten aus. In der Pössinger Straße, südlich der Bayerfeldstraße, sind Keller bis zur Decke vollgelaufen. Als die Feuerwehr eintrifft, weiß man bereits: Das eigentliche Problem ist die vom nahen Feld mitgerissene Erde - in den Kellern steht oben Wasser und unten Schlamm. Noch in der Nacht, während weiterer Regenfälle, beginnen die Bewohner mit dem Ausräumen. Sie haben keine Hoffnung, dass Nutzbares übrigbleibt (Foto rechts).

In der Altstadt ist es wenigstens sauberes Wasser, das in die Häuser fließt und sich in der Vorderen Mühlgasse sammelt. Die Gullydeckel werden hochgeschwemmt, die Kapazität der Kanäle ist ausgeschöpft. Im Wirtshaus am Spitalplatz strömt das Wasser wie ein Bach in die Restaurantküche (Foto links). Wirt Walter Harb bringt das einzige Elektrogerät, das auf dem Boden steht, in Sicherheit. Noch bevor die Feuerwehren aus Erpfting und Ellighofen eintreffen, haben die Gäste Stühle und Tische auf die Empore getragen. Die neuen, noch unbewohnten Wohnungen über dem Lokal hat es wohl schwerer getroffen. Noch Stunden fließt von dort Wasser durch die Decke.

Benny Stangl: Nicht damit gerechnet

Starkregenopfer Benny Stangl.

An etwas Ähnliches kann sich am Tag danach keiner der Betroffenen erinnern. "Wir hätten mit so etwas nie gerechnet", sagt Center-Gym-Betreiber Benny Stangl, der an der Pössinger Straße wohnt, dem KREISBOTEN. "Der Regen geht so gegen neun Uhr ganz normal los. Dann schauen wir aus dem Fenster und sehen, dass aus der Straße ein Flussbett geworden ist."

Die braune Brühe, die da in Richtung Bayerfeldstraße fließt, hat zu dieser Zeit eine beträchtliche Tiefe, wie sich an einer Verfärbung an der gegenüberliegenden Garagenwand ablesen lässt. "Dann strömt Wasser auf das Grundstück, fast bis zur Haustür, und fließt in den Keller". Die dortige Schlammhöhe liegt immer noch bei zehn Zentimeter. "Der Junior schaufelt gerade."

Monika Echter: Es ist nichts mehr brauchbar

Verschlammte Parkplätze an der Bayerfeldstraße.

Noch schlimmer getroffen hat es die Familie Echter. "Ich stand oben unter der Dusche. Plötzlich hörte mein Mann einen Knall. Zunächst dachte er, ich wäre gestürzt. Dann stellte er fest, dass Regenwasser in großer Menge auf unser Grundstück lief. Die beiden Kellerfenster waren geborsten. Und im Keller stand schon 1,50 Meter hoch das Wasser", berichtet Monika Echter im Gespräch mit dem KREISBOTEN.

An Schlaf sei in dieser Nacht nicht zu denken gewesen. Zwei große Haufen Schutt sind inzwischen aufgetürmt - "brauchbar ist nichts mehr davon". Die Feuerwehr ist noch immer vor Ort und pumpt. Freiwillige Helfer und nicht betroffene Nachbarn sind im Einsatz. Man sieht der Familie und auch den Eltern, die aus Denklingen zur Unterstützung gekommen sind, ihren Kummer an.

Petra Kohler-Ettner: Das war Erlebnisgastronomie

Petra Kohler-Ettner, Lebensgefährtin von Gastwirt Walter Harb, hatte zunächst gar keine Sorge: "Es sah wie ein normaler Regen aus. Dann kam unsere Mitarbeiterin und fragte, im Fahrradabstellraum sei es sehr nass, ob man da etwas tun müsse. Ich ging hin und sah, dass das Wasser in die Hangwand hineinrauscht. Ab da ging alles sehr schnell: Binnen Minuten lief eine Sturzflut in die Restaurantküche hinein." "Wir haben den Gästen gesagt, ab jetzt wird Erlebnisgastronomie daraus", scherzt die Verlagsmitarbeiterin, die auch Stadträtin ist. Dass die Gäste die schweren Tische sofort gemeinsam in den leicht erhöhten Teil des Lokals transportiert hätten, sei "wirklich super" gewesen. Da sei das Wasser schon in der Mitte vom Restaurant angekommen. "Als wir merkten, das schaffen wir nicht allein, haben wir die Feuerwehr alarmiert." Die musste später noch ein zweites Mal kommen, weil der Regen noch einmal stärker wurde. 

Harb und sie arbeiteten dann die ganze Nacht, um das Lokal wieder nutzbar zu machen. "Das Schöne ist: Es war ja blitzblankes Wasser. So sauber war die Küche noch nie!", lacht Kohler-Ettner. Hat sie nun Angst vor einem nächsten Starkregen? "Wir müssen damit rechnen. Dies ist ein Hang, über uns sind Terrassen und unter diesem Haus fließen 14 Quellen. Es kann wieder passieren."

Werner Lauff

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