Kostengünstig und einfache Linie

Ein Londoner Architekt formt den Lechsteg

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Ein „minimalistischer Lechsteg“, der zum Verweilen einlädt. Er führt vom Urbanen Leben (rechts) direkt in die Altstadt.

Landsberg – Der aus Deutschland stammende Architekt Dirk Krolikowski vom Londoner Architekturbüro DKFS wird gemeinsam mit dem Münchener Ingenieurbüro Mayr Ludescher den Lechsteg verwirklichen, der das Papierbach-Areal mit der Altstadt verbindet. Die Gemeinschaft gewann den interdisziplinären Realisierungswettbewerb der Stadt Landsberg und hat nach einem noch zu absolvierenden Verhandlungsverfahren nun gute Chancen, auch mit der Ausführung beauftragt zu werden. Voraussetzung dafür ist, dass der Stadtrat in seiner Februar-Sitzung den Plänen und städtebaulichen Verträgen zum „Urbanen Leben am Papierbach“ generell seine finale Zustimmung erteilt.

Es sind illustre Namen, die auf den Schautafeln im Foyer des Historischen Rathauses verzeichnet sind. Dort werden alle zehn Entwürfe bis zum 19. Dezember ausgestellt; eine kostenlose Führung findet am Samstag, 17. Dezember, um 11 Uhr statt. Offenbar hat die Herausforderung „Landsberger Lechsteg“ viele renommierte Architekten und Ingenieure angezogen. Mayr Ludescher gewann in diesem Jahr den Deutschen Brückenbaupreis; zu den realisierten Bauwerken gehören die Eiserne Brücke in Regensburg, die Petuelpark-Brücke in München und der Regnitzsteg in Bamberg. Die Münchener Ingenieure waren bei der Präsentation der Ergebnisse des Lechsteg-Wettbewerbs durch Hubert Busler vertreten, der die neue Olympiaschanze in Garmisch-Partenkirchen realisiert hat. DKFS entwarf unter anderem die Eye-Bridge in Linz und die River Douglas Bridge in West Lancashire.

Der 2. Preis ging an den Entwurf, der auf der Ostseite eine Gabelung der Brücke vorsah.

Auch die zweiten Preisträger waren ins Historische Rathaus gekommen, nämlich der Architekt Christoph Mayr von J2M und der Ingenieur Professor Oliver Englhardt, beide aus München. Sie verwirklichen die Vorgaben der Auslobung besonders konsequent, indem sie auf der östlichen Uferseite bei der Lechturnhalle eine Weggabelung anbieten, die die nördliche und südliche Anbindung gleichberechtigt bedient. Am westlichen Ufer sehen sie neben dem Zugang zum neugeplanten Stadtplatz zusätzlich eine fußläufige Verbindung mittels einer Treppe direkt an den Uferweg vor.

Bei ihnen lagert die Brücke nicht auf einem Pfeiler, sondern auf einem Flusskiesel, was die Jury als besonders identitätsstiftend ansah. Allerdings gab es von Seiten des Denkmalschutzes Bedenken, ob der große künstliche Kiesel am neuen Stadteingang nicht unangemessen wirke. Weitere Argumente gegen den J2M/Englhardt-Vorschlag waren die nicht durchgehaltene Brückenbreite – an den Gabelungen stehen jeweils nur 3,50 Meter Platz zur Verfügung – sowie die hohen Baukosten; die Brücke hätte wahrscheinlich das vorgesehene Budget gesprengt.

Das Preisgericht entschied sich letztlich nach langer Beratung mit 8:5 Stimmen für den Vorschlag von Dirk Krolikowski und Hubert Busler. Er fällt besonders durch eine sehr einfache Linienführung, ein zurückhaltendes Geländer und einen Aufenthaltsbereich mit Sitzgelegenheiten mitten auf der Brücke auf, der ein Verweilen mit Blick auf den Mutterturm erlaubt. Der Steg ist auf der ganzen Länge fünf Meter breit, so dass die gemeinsame Nutzung durch Radfahrer und Fußgänger problemlos möglich ist. Die Formung der Brücke ist laut Jury eine stringente Aufnahme des geplanten städtebaulichen Bogens vom Papierbach zur Altstadt.

„Der Entwurf hat eine zeitlose und minimalistische Formensprache, die sich nicht in den Vordergrund drängt, vielmehr reduziert und zurückhaltend den städtebaulichen Raum unterstreicht. Durch eine geschickte Materialwahl und eine optimale Positionierung des Pfeilers erreicht der Entwurf ein filigranes äußeres Erscheinungsbild“, begründet die Jury.

Unter 4,5 Millionen Euro

Die Sieger: Dirk Krolikowski vom Londoner Architekturbüro DKFS (links), Hubert Busler vom Münchener Ingenieurbüro Mayr Ludescher.

Durch die Konstruktion aus Stahl und Beton würden Materialen verwendet, die robust, dauerhaft und vollständig recycelbar sind. Die Brücke zeichne sich auch durch geringen Wartungsaufwand aus. Und: Sie war laut OB Mathias Neuner, der die Sitzung des Preisgerichts geleitet hatte, der preiswerteste der zehn eingereichten Entwürfe. Zwar sei noch Einiges zu verfeinern, was Kosten verursachen könne. Dennoch liege man deutlich unter dem angepeilten Betrag von 4,5 Millionen Euro. Von dieser Summe übernehmen die Papierbach-Investoren ehret + klein nach einer früher getroffenen Vereinbarung 1,6 Millionen Euro.

Neuner hob bei der Vorstellung des Ergebnisses hervor, dass es unterschiedliche Konzepte gegeben habe. „Es gibt Entwürfe, da signalisiert die Brücke: Hier bin ich, ich möchte mich zeigen.“ Es gebe aber auch andere Entwürfe, „die kommen ein wenig stiller daher“. Diese Art der Präsentation und der Linienführung hätten die 13 Fach- und Sachpreisrichter sehr lange abgewogen. Dabei sei es spannend gewesen, die Vereinigung der Ingenieurskunst mit der Architektur zu beobachten. Im Vergleich zum vor einigen Jahren geplanten Lechsteg sei der jetzige Entwurf schlüssiger – vorher sei die Brücke im Nichts geendet, jetzt sei sie eine Notwendigkeit.

Werner Lauff

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