Die Mobilitätssatzung soll's bringen:

Weniger Verkehr im neuen Landsberger Wohnquartier

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Mögliche Zufahrten zu den Parkhäusern im Papierbach-Quartier (blaue Pfeile). Die Parkhäuser enden jeweils vor der punktierten Linie, da eine Bahnunterquerung nicht möglich ist.

Landsberg – Weniger Autos in der Stadt – um dieses Ziel zu erreichen, muss eine Verkehrswende her. Und die lässt sich nur realisieren, wenn das Mobilitätsverhalten der Bürger sich ändert und eine ganze Palette an Alternativen zum eigenen Auto bereitsteht. So lautet das Fazit eines Gutachtens, das die Stadt im Zusammenhang mit dem neuen Wohnquartier „Urbanes Leben am Papierbach“ (ULP) in Auftrag gegeben hat. Sollte es gelingen, hier die Zahl der Autos zu reduzieren, müssten auch weniger Parkplätze geschaffen werden.

Dirk Kopperschläger und Robert Wenzel vom Ingenieurbüro brennerBernard listeten im Stadtrat eine ganze Reihe von Maßnahmen auf, mit denen der motorisierte Individualverkehr der 1.500 künftigen Bewohner des Papierbach-Viertels gesenkt werden könnte. Dazu gehören unter anderem die Schaffung eines attraktiven Rad- und Fußwegenetzes, ausreichende Car- und Bike-Sharing-Angebote sowie die Errichtung von Lade- und Mobilitäts­stationen, wo man zum Beispiel Fahrradanhänger und Lastenfahrräder ausleihen kann. Außerdem müsse der ÖPNV ausgebaut, ein direkter Zugang zu den Bahnhalten und eine Infrastruktur für E-Mobilität geschaffen werden.

Um ein zukunftsorientiertes Mobilitätskonzept zu verwirklichen, sei das Gebiet am Papier­bach „eine große Chance für Landsberg“, betonte Kopperschläger. Denn wenn Menschen vor einem Neuanfang – wie einem Wohnortwechsel – stehen, seien sie am ehesten bereit, eingefahrene Muster hinter sich zu lassen. Laut Gutachten könnten am Papierbach von 5.600 täglichen Kfz-Fahrten 20 Prozent eingespart werden.

Weniger Parkplätze?

Der Stellplatzbedarf würde ebenfalls sinken, wenn „dauerhafte und attraktive“ Alternativen zur Verfügung stehen. Von den 1.490 Plätzen, die baurechtlich geschaffen werden müssten, könnten laut Gutachten 144 gestrichen werden. Denn viele Familien kämen mit einem Auto aus und bräuchten keinen Zweit- und Drittwagen. Bei den Bewohnern von Sozialwohnungen gehen die Planer ohnehin davon aus, dass sich nicht alle einen Pkw leisten können oder wollen.

Mit dieser Annahme wollten nicht alle Stadträte mitgehen. Die Stellplätze zu verknappen, heiße, sie zu verteuern, warnte Christian Hettmer (CSU). Auch Bürgermeisterin Doris Baumgartl (UBV) fand: „Eine Reduzierung von Stellplätzen für Sozialwohnungen wäre hier wirklich unsozial, denn sonst entsteht eine Konkurrenz um die vorhandenen Plätze.“

Skeptisch gegenüber dem gesamten Mobilitätskonzept äußerte sich Harald Reitmeir (CSU). Dass die Käufer der hochpreisigen Papierbach-Wohnungen sich „mit geteilten Autos, Lastenfahrrädern und Pedelecs bewegen, kann ich mir nicht vorstellen“. Fraktionskollegin Petra Ruffing äußerte ähnliche Bedenken. Wenn die Alternativen nicht angenommen würden und die Zahl der Autos doch höher ausfalle, würden das Quartier und die Umgebung zugeparkt.

Die Reduzierung der Stellplätze hat aber noch eine andere Seite. Der Investor würde dadurch erheblich Geld sparen – den Gegenwert könnte die Stadt an anderer Stelle einfordern. „Da fällt uns sicher etwas Schönes ein“, konstatierte Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU). Man werde in Verhandlungen treten.

Henrik Lüßmann (Grüne) kritisierte, dass das Gutachten lediglich von 750 Fahrradabstellplätzen ausgeht. Demnach hätten nur 50 Prozent der Bewohner ein Fahrrad, während es auf ganz Deutschland bezogen bereits jetzt 85 Prozent der Bürger seien. Lüßmann setzte im Beschluss die kleine, aber wichtige Änderung durch, dass pro angefangene 40 Quadratmeter Wohnfläche pro Wohneinheit ein Fahrradabstellplatz vorgesehen wird.

Mit 18:4 Stimmen beauftragte der Stadtrat die Verwaltung, eine Mobilitätssatzung für das „Urbane Leben am Papierbach“ zu entwickeln und entsprechende Anpassungen des städtebaulichen Vertrags vorzunehmen. Das Resultat ist wiederum dem Stadtrat zur Entscheidung vorzulegen.

Ulrike Osman

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