Urbanes Leben am Papierbach

Florierender Ort der Begegnung in Landsberg

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Urbanes Leben am Papierbach: Mit diesem Entwurf für den „Kulturbau“ am künftigen Europaplatz überzeugte das Berliner Büro Staab Architekten die Jury.

Landsberg – Es ist das erste Gebäude, das man im Detail wahrnimmt, wenn man aus der Altstadt vom Lady-Herkomer-Steg auf den Europaplatz kommt. Es soll eine Versammlungsstätte sein, kulturelle Arbeit ermöglichen, ein Café enthalten und in den oberen Etagen Raum für Wohnungen bieten. Wie verknüpft man diese Funktionen baulich? Zwei der Entwürfe, die Planer im siebten Architekturwettbewerb von Projektentwickler ehret + klein einreichten, kamen den Vorgaben am nächsten. Die Entscheidung fiel in der aus Fach- und Sachpreisrichtern zusammengesetzten Jury am Ende mit deutlicher Mehrheit: Der Preis geht nach Berlin.

Es war eine knifflige Angelegenheit. Das Gebäude ersetzt funktional die ursprünglich für eine kulturelle Nutzung vorgesehene Alte Schmiede mit ihrem sägezahnähnlichen Shreddach. Es soll laut Auslobung „den Wandel des Gesamtareals von seiner industriellen Prägung zum zeitgemäßen, innerstädtischen Wohnquartier thematisieren“. Es steht in Nachbarschaft zum erhalten bleibenden Karl-Schrem-Bau und sollte zu ihm nicht kontrastieren. Wünschenswert war auch, den Übergang von Altstadt zu Neubaugebiet ohne Brüche zu realisieren.

Franziska Ebeler von Staab Architekten, Berlin, erläutert den Siegerentwurf.

Außerdem kam es der Jury darauf an, dass das Gebäude dem sich abzeichnenden Stil des Papierbach-Gebiets entspricht: zurückhaltend, praktikabel, großzügig und kommunikativ, auch und gerade im Fall „Kultur“ nicht übertrieben weltstädtisch oder futuristisch. „Es muss ein Stück Landsberg sein“, formulierte Oberbürgermeister Mathias Neuner bei der Vorstellung der bestplatzierten Entwürfe. Und machte keinen Hehl daraus: Der Siegerentwurf war der, den er von Anfang an favorisiert hatte.

Der Schlüssel ergab sich für die Gewinnerin, Franziska Ebeler von Staab Architekten, als sie die Dachform der Alten Schmiede mit den typischen Dachformen der Altstadt kombinierte. So forme sich ein Bauwerk, das mit Anleihen in der Industriearchitektur und Verbindungen zum Ort vertraute Bilder schaffe, lobte die Jury. Und stellte fest: „Der Dialog mit dem Karl-Schrem-Bau ist förmlich hörbar“. Funktional und atmosphärisch schaffe der Berliner Entwurf einen „Kreativ-­Hub“: Freitreppen, Stadtbalkone, eine erste Etage, durch die man flanieren kann, sehr große Glasflächen und einen intimen, halböffentlichen Hof. Ein Laubengang, der durch Überbreite zur Gemeinschaftsloggia wird, fördere die Kommunikation und den Zusammenhalt.

Mit Stadtsaal

Mathias Neuner und Kultur-­Abteilungsleiterin Claudia Flörke hoben aber nicht nur die Architektur hervor. Sie freuten sich über den in dem Gebäude entstehenden großen „Stadtsaal“. Er werde für die Landsberger zu einem zentralen Ort und könne (begünstigt durch das Hotel und das geplante Restaurant in unmittelbarer Nähe) auch Konferenzen und Seminare nach Landsberg bringen.

Bei der weiteren Planung wünscht sich die Jury freilich den Verzicht auf jetzt noch vorhandene senkrechte Fugen zwischen den Bauteilen – die Experten setzen voll auf eine „monolithische Betonfläche“ als Fassade. Außerdem: Die Kulturzone im Sockelbereich dürfe sich durchaus „mehr nach außen repräsentieren und deutlicher ablesbar sein“.

Insgesamt besteche der Siegerentwurf jedoch durch die gekonnte Verknüpfung der Funktionen – er sei eine gelungene „symbolische Übersetzung der lokalen Kreativszene“; das Gebäude habe das Potenzial für einen „florierenden Ort der Begegnung“.

Werner Lauff

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