Nur Gedachtes und Angedachtes

Erste Details zum "Urbanen Leben am Papierbach"

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Der Entwurf des „Teilraumgutachtens“ zur Bebauung des Pflugfabrik-Areals und mehr liegt jetzt auf.

Landsberg – Wie könnte es westlich des Lechs rund um die ehemalige Pflugfabrik mit der Stadtentwicklung weitergehen? Stadtbaumeisterin Annegret Michler plädiert seit langem dafür, ein größeres Gebiet in eine Planung einzubeziehen und stellte jetzt einen ersten Entwurf eines „Teilraumgutachtens“ öffentlich vor. 

Michler betonte bei der Präsentation mit den Experten, dass durch das Gutachten „nichts entschieden ist“. Allerdings könnten sich die Stadträte, von denen ein guter Teil zu der Veranstaltung im Sportzentrum erschienen war, so über verschiedene Varianten auseinandersetzen, „die Entscheidungskompetenz liegt zum Schluss beim Stadtrat.“ Untersucht wurden in dem Gutachten von Barbara Hummel (Schober Architekten, München) und Christian Fahnberg (Ingevost Verkehrsplanungen) insgesamt sieben Einzelbereiche. Neben dem Gelände der Pflugfabrik selbst geht es dabei auch um die Waitzinger Wiese, den Parkplatz hinter der Fabrik, den Schlüsselanger (Bosse-Wiese), das Gelände des (abgebrannten) früheren V-Marktes, den Parkplatz in der Friesenegger-Straße und die Spöttinger Straße.

Für Barbara Hummel ist es ein hochattraktives Projekt, wie sie sagte. „Eine so große Fläche vor so einer schönen Altstadt gibt es ganz selten, das hat mich bei der Arbeit sehr motiviert.“ Man könne im begutachteten Raum attraktive Wohnlagen schaffen, „der Lech ist unschlagbar, besser geht es nicht mehr, mit dieser Silhouette im Hintergrund.“ Eines der Hauptziele sowohl der Architektin als auch des Verkehrsplaners: „Den Autoverkehr runterbringen, oder zumindest keinen neuen schaffen.“

"Brutale Lösung?"

Wie das zumindest im Bereich der Von-Kühlmann-Straße gelingen könnte – sollte dort tatsächlich ein neues Wohngebiet geschaffen werden – skizzierte Fahnberg. „Wenn man da wohnt, wäre es schon schön, wenn nicht täglich 5000 bis 6000 Autos vor der Türe vorbeifahren. Dazu gibt es natürlich eine brutale Lösung, bei der man einen Pfosten in der Mitte reinsetzt.“

Eine Alternative dazu wäre eine neue Straße im „Rücken“ der Wohngebäude, ein „Bypass“, wie Fahnberg erläuterte. „Dabei muss man aber wieder aufpassen, wieviel Verkehr der aufnehmen kann.“ Weitere angedachte Maßnahmen betreffen vor allem das Ende der Spöttinger Straße, dort könne man die Abfahrt vom Hindenburgring im Norden (Gefängnis) für den Pkw-Verkehr schließen, im Westen (Kirche Heilige Engel) dafür einen großen Kreisverkehr bauen. Aus dem Kreisel am Fuße des Hanges könne es dann „Stichwege“ in ein neues „Dienstleistungszentrum“ auf dem bisherigen Parkplatz und die Quartiere geben.

Parkraum würde nach dem Konzept ebenfalls geschaffen, „man hätte dann aus allen Richtungen ,Auffangparkplätze‘ vor der Innenstadt“. Dazu sollte die Schotterfläche am Bahnhof ertüchtigt werden, außerdem wird über ein Parkhaus auf dem Schlüsselanger nachgedacht. Die Stellplätze auf der Waitzinger Wiese sollen nach dem Gutachten bleiben, die bisherige Festwiese könnte allerdings mit Wohnungen bebaut werden.

Den Einwand von Bürgermeisterin Doris Baumgartl (UBV), dass man nach einer Blockade der Von-Kühlmann-Straße aus der Lechgarage nur noch über die Autobahn in den Landsberger Osten gelangen würde („der Ring wäre gesprengt“), nahm die Stadtbaumeisterin auf: „Das Problem ist bekannt, man müsste bei einer Umsetzung die Dauerparker den beiden Tiefgaragen neu zuordnen und die Parker bei der Einfahrt in die Stadt schon zu den richtigen Garagen leiten.“

Das Teilraumgutachten sieht weitere grundsätzliche Änderungen vor, „keine Planung ohne neue Grünstrukturen“, wie Barbara Hummel sagte, auch die Bäche im Viertel sollen besser zugänglich gemacht und die Fuß- und Radwege deutlich ausgebaut werden. An vielen Übergängen zwischen neuer und alter Bebauung sollten zudem „Quartiersplätze“ geschaffen werden, „das gibt es bis jetzt nicht, sondern nur Straßen. Das würde Neu und Alt gut tun.“

"Lechsteg muss sein"

Bei all dem gab die Architektin zu bedenken, dass es sich „nur um Gedachtes und Angedachtes handelt.“ Ein möglicher Umsetzungszeitraum be­- wege sich bei rund zehn Jahren, „denn da stecken schon ganz schöne Themen drin.“ Falls sich der Stadtrat bei der einen oder anderen Fläche nicht einig werde, könne man diese auch aus einer Planung herausnehmen – mit einer Ausnahme: „Der neue Lechsteg muss sein, an dem führt kein Weg vorbei. Das wollten auch alle Teilnehmer am Aktionstag.“ Für Hummel wäre das auch eine Chance für das Zentrum. „Wenn Leute da wohnen, dann gehen sie auch über den Lech in die Altstadt und beleben diese wieder.“ Dass damit das Thema „Inselbad“ wieder hochkochen würde, sehen beide Planer als unvermeidlich an. „Wenn man sich die Situation ansieht, gibt es nicht viele Stellen, wo man überhaupt mit einem Steg andocken kann.“

Reiner Zufall

Die Terminnähe sei „zufällig“, so Stadtbaumeisterin Annegret Michler auf Nachfrage von Diskussionsteilnehmern. Dass das Teilraumgutachten rund um die Pflugfabrik just zwei Tage vor der Präsentation des vor Jahren beauftragten Verkehrsentwicklungskonzeptes von Prof. Hermann Knoflacher im Stadtrat (Mittwoch, 4. Juni, 19 Uhr) vorgestellt wurde, ist für sie kein Problem. „Wir sprechen hier über einen wesentlich kleineren Raum, das Knoflacher-Gutachten bewegt sich sozusagen eine Ebene höher.“

Die Stadtbaumeisterin sah keine Überschneidungen, einige Stadträte beurteilten das anders und wollten wissen, „ob die Planer überhaupt miteinander sprechen“. Verkehrsexperte Christian Fahnberg von Ingevost gab sich salomonisch: „Ich bin überhaupt kein Knoflacher-Schüler, aber ich hatte auch einmal einen Professor, wir diskutieren hier schon grundsätzlich über dieselben Dinge.“

Allerdings scheint es in Einzelpunkten durchaus Konfliktpotenzial zu geben. In seinem Gutachten (das dem KREISBOTEN im Entwurf vorliegt), rät Knoflacher etwa dazu, die Spöttinger Straße zur Sackgasse zu machen – Fahnberg sieht eine Verbindung in den Westen der Stadt weiterhin vor. Auch bei der neuen Verkehrsführung oder möglichen Sperrungen in der Altstadt gibt es grundsätzliche Unterschiede.

Knoflacher hatte – nachdem seine erste Version des Papiers bekannt geworden war – darauf hingewiesen, dass sein Konzept nur „im Ganzen umzusetzen“ sei. Einige Stadträte bemängelten deshalb jetzt am Teilraumgutachten, dass es etwa die Verkehrssituation im Landsberger Westen nicht entsprechend berücksichtige.

Christoph Kruse

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