Hagel zerschießt Scheiben

Gemeinde Utting richtet Spendenkonto für Gärtnerei ein

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Sie träumen nachts schon von Glasscherben: Gerlinde und Josef Streicher, deren Gewächshäuser vom Hagel zu 90 Prozent zerstört wurden. Die Gemeinde Utting hat jetzt ein Spendenkonto für die Gärtnerei eingerichtet.

Utting – Echte Solidarität in Krisenzeiten gibt es nicht nur im „Dahoam is Dahoam“-Fernsehdorf Lansing, sondern auch im echten Leben wie aktuell in Utting. Die ganze Dorfgemeinschaft steht Gerlinde und Josef Streicher bei, deren Gärtnerei beim Pfingsthagel regelrecht „zerschossen“ wurde. 90 Prozent der Gewächshäuser in der Holzhauser Straße haben einen totalen Dachschaden und nahezu alle Pflanzen wurden von den herabfallenden Glasscherben zerhäckselt.

Als sich das Unwetter verzogen hatte, erlebten die Streichers eine Welle der Nachbarschaftshilfe und Solidarität. Spontan und auch die Tage darauf kamen Anwohner, Freunde, Kunden, Kollegen, ja sogar wildfremde Menschen und packten mit an. Der älteste Helfer war 81 und die jüngsten waren die Tischtennisfreunde von Streicher-Tochter Lena (14).

Zentnerweise mussten zusammen mit den Angestellten Glasscherben aufgesammelt werden, was sich als ein gefährliches Unterfangen herausstellte. Denn immer wieder fielen Glasscheiben von oben herab. Was von Gurken und Tomaten übrig blieb, musste vorsichtshalber wegen eventueller Glassplitter vernichtet werden. Die Wucht der golfballgroßen Hagelgeschosse zeigte sich auch daran, dass sogar die Folienhäuser zerstört wurden.

Nur die Verkaufsräume mit Festdach im Eingangsbereich blieben verschont, aber von 90 Prozent der Gewächshäuser blieb nur noch das Stahlgerüst. Natürlich ist die Gärtnerei Streicher gegen solche Unwetterschäden versichert. Allerdings zahlt die Versicherung nur den Zeitwert. Damit bleiben die Streichers auf einem sechsstelligen Betrag sitzen. Denn neben den Häusern wurde auch die ganze Nachzucht vernichtet.

Uttings Bürgermeister Josef Lutzenberger, der direkt nach dem Hagelchaos vor Ort war, zeigte sich erschüttert angesichts des Scherbenchaos. Er versprach unbürokratische Hilfe, die er bei der Gemeinderatssitzung in die Tat umsetzte. Mit Billigung des Gremiums richtete die Gemeinde ein Spendenkonto ein, dessen Nummer auf der Webseite www.utting.de veröffentlicht wird.

Schließlich ist die Gärtnerei Streicher tief verwurzelt in der Ammersee-Gemeinde. Gegründet im Jahr 1875 durch Josef Streicher I., wird der Betrieb seit 2002 bereits in der fünften Generation von Josef und Gerlinde Streicher geführt. Auf 12.000 Quadratmeter werden saisonales Gemüse, Blumen, Topf- und Jungpflanzen angebaut. Streichers sind auch Ausbildungsbetrieb für die Berufe Gärtner(in) im Blumen- und Zierpflanzenanbau und Florist(in).

Josef Streicher steckt der Pfingstschreck auch eine Woche später tief in den Knochen. „Als das Unwetter losging, bin ich gleich runter. Aber ich konnte nichts machen, außer schnell in Deckung zu gehen. Hagelgeschosse und vor allem die Glasscherben hätten mich sonst böse erwischt.“ Inzwischen ist im Gewächshaus das größte Chaos beseitigt und der Verkauf im Eingangsbereich kann weitergehen.

Dieter Roettig

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