Renate Standfest und Florian Hoffmann

Uttinger Bürgermeisterkandidaten: vom Gemeinderat zum Chefsessel

+
Die Bürgermeister-Kandidaten Renate Standfest und Florian Hoffmann (Mitte) gingen fair und sachlich miteinander um. Links Gastgeber und Noch-Gemeindeoberhaupt Josef Lutzenberger, rechts Moderator Friedrich Schloffer vom Bayerischen Rundfunk.

Utting – Ein Loblied auf seine Feuerwehr-Mannschaft sang Kommandant und Bürgermeister-Aspirant Florian Hoffmann bei der Podiumsdiskussion mit seiner Gegenkandidatin Renate Standfest. Wie bestellt, meldete sich kurz darauf der Alarmpiepser und ein Dutzend Feuerwehrmänner stürmte aus dem mit gut 150 Gästen bis auf den letzten Platz besetzen Pfarrheim zu einem von Sturmtief Bianca verursachten Einsatz. Josef Lutzenberger, der nach zwei Amtsperioden scheidende Bürgermeister, hatte zum Gespräch geladen und als Moderator Friedrich Schloffer vom Bayerischen Rundfunk gewinnen können.

Souverän führte der die Kandidaten durch einen Fragenkatalog, der ihnen Privates, Berufliches und ihre Visionen für Utting entlockte. Renate Standfest tritt für die Grünen an, Florian Hoffmann für die Ländliche Wählergemeinschaft (LW) und die CSU-Bürgerliste. Beide saßen schon im Gemeinderat, den sie aber aus beruflichen Gründen verlassen haben.

Betriebswirtin Standfest (52) stammt aus München, lebt aber seit 22 Jahren in Utting mit einer Patchworkfamilie und sei „entsprechend konfliktresistent“. Der Ammersee ist „ihr Swimmingpool“, sie hört gerne Jazz und kocht leidenschaftlich. In punkto Familie konnte da Hoffmann (36) nicht mithalten. Der gebürtige Uttinger ist noch Junggeselle, sammelt Modellautos, pflegt ein reges Vereinsleben und ist quasi mit der Feuerwehr ‚verheiratet‘, der er als Kommandant vorsteht. Wann immer er Zeit hat, radelt er durch die Gemeinde und macht sich Gedanken, was man verbessern oder attraktiver gestalten kann.

Er sei kein Theoretiker, sondern ein Mann der Praxis, betonte Hoffmann. Seine handwerkliche Ausbildung als Schreiner, die Erfahrungen bei der Feuerwehr und im Gemeinderat sowie das berufliche Spektrum bis hin zum Verwaltungsfachangestellten im Uttinger Bauamt könne er als Bürgermeister bestens und konstruktiv einbringen. Er sehe es als Privileg, da zu leben und arbeiten zu können, wo andere Urlaub machen. Er sei „jung mit Schwung“ und würde gerne das Erbe antreten, das Bürgermeister Lutzenberger und seine Vorgänger geschaffen haben.

Standfest baut auf ihre kommunalpolitische Erfahrung. Von 2008 bis 2017 war sie Gemeinderätin. Aus beruflichen Gründen verließ sie das Gremium, in das sie jetzt als Chefin zurückkehren will. Ihre anderen Ämter behielt sie: Mitglied im Kreistag und im Kreisausschuss, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landkreis sowie Mitglied im Verwaltungsrat der Sparkasse Landsberg-Dießen. Sie arbeite gerne mit Menschen, könne sich schnell in komplexe Themen einarbeiten und sehe eine Kommune als ein „spannendes Konstrukt“. Mit gutem Klima im neuen Gemeinderat und der bestens aufgestellten Verwaltung wolle sie sich „gemeinsam stark für Utting“ einbringen.

Verkehr reduzieren

Zum Thema Verkehrsdichte in Utting meinte Hoffmann, die von vielen geforderte Umgehungsstraße sei „sehr weit weg“ und kaum durchsetzbar. Flüsterasphalt auf der Durchgangsstraße würde zumindest die Lärmbelästigung etwas eindämmen. Zum ruhenden Verkehr und Parkproblem hatte er einen simplen Vorschlag: Garagen entrümpeln und Autos reinstellen, anstatt damit Straßen und Gehwege zu blockieren.

Standfest regte Verzicht auf den Zweitwagen und die Nutzung des örtlichen Carsharing-Angebots an. Für den Radverkehr brauche man eine vernünftige Infrastruktur wie zum Beispiel Fahrradstreifen auf der Staatsstraße. Schwerpunkt der „grünen Mobilität“ sei der Ausbau des ÖPNVs. Hier brauche es eine intensive interkommunale Zusammenarbeit mit Landsberg und den Nachbargemeinden. So wie bei den Schulen und bald auch bei der Volkshochschule.

Beim Thema Gewerbegebiete herrschte Einigkeit bei den Kandidaten. Utting dürfte keine Schlafstadt werden und junge Leute bräuchten die Chance, hier ihre Ausbildung zu absolvieren und einen Arbeitsplatz zu finden. Um Gewerbeflächen zu schaffen, sei eine gewisse Versiegelung nicht zu vermeiden, die man aber ökologisch abwägen müsse.

Für dauerhaft bezahlbaren Wohnraum müsse die Gemeinde unabhängig vom Schmucker-Gelände Grundstücke als Baulandreserve erwerben, so Standfest. Sie plädierte für eine Gebäudeschutzverordnung, um bestehende Häuser sinnvoll zu sanieren. Als Leuchtturmprojekt bezeichnete sie das Steinhauser-Anwesen in der Bahnhofstraße. Die Gemeindeimmobilien sollten erhalten und saniert werden.

Hoffmann äußerte seine Zweifel, da er den Zustand dieser Immobilien kenne. Es nütze nichts, „wenn man Styropor auf die Fassaden klatscht und fleckerlweise saniert“. Man brauche hier ein Gesamtkonzept. Sollte er Bürgermeister werden, wolle er mit den Gemeinderäten eine Rundfahrt zu allen Gemeindeimmobilien machen, um die Substanz für einen eventuellen Erhalt zu überprüfen. Erst nach diesem Überblick könne man einen Fahrplan entwickeln.

Rathaus sanieren?

Das Gleiche gelte für das jetzige Rathaus. Während Standfest hier für Erhalt, Sanierung und Anbau plädiert, will Hoffmann ein zeitgemäßes Verwaltungsgebäude. Ob Neubau oder Umzug in das VR-Gebäude werde noch zu prüfen sein. Das Rathaus jedenfalls sei „nicht sanierbar“. Auch beim Jugendhaus hatten die Kandidaten unterschiedliche Ansichten. Während Hoffmann die probeweise Container-Lösung auf dem Rathausgelände gut findet, um überhaupt das Interesse der Jugend auszuloten, ist Standfest für ein dauerhaftes Jugendhaus zum Beispiel am Bahnhof beim künftigen Refugium des Lagerschuppens.

Beim symbolischen ‚Nein‘ zum geplanten Polizeibootshaus in Holzhausen waren sich die Kandidaten wieder einig. Ebenso bei der Fortschreibung des sozialpolitischen Konzepts, das vor Jahren schon einmal Thema war. Zum Ausbau des 5 G-Netzes wünsche er sich mehr Aufklärung, so Hoffmann, und auch Standfest ist laut eigener Aussage kein Freund eines ungeprüften Ausbaus.

In ihrem Schlusswort betonte Renate Standfest, im bundes- und landespolitischen Aufwind von Grün sei es auch Zeit für mutigere Themen in der Kommunalpolitik. Dafür werde sie sich im Falle ihrer Wahl einsetzen. Auf den Zuspruch der Söder-CSU wolle Florian Hoffmann dagegen nicht bauen. Hier in Utting gehe es nicht um Parteipolitik, sondern nur um Inhalte zum Wohle des Ortes und seiner Bürger.
Dieter Roettig

Auch interessant

Meistgelesen

Neues Zuhause gesucht: Helfen Sie diesen liebenswerten Vierbeinern!
Neues Zuhause gesucht: Helfen Sie diesen liebenswerten Vierbeinern!
Landsberg und das Taubenproblem
Landsberg und das Taubenproblem
Familien zuhause: Rezepte fürs gemeinsame Kochen
Familien zuhause: Rezepte fürs gemeinsame Kochen
Landsberg Lech-Stream: Nachtkultur übers Netz
Landsberg Lech-Stream: Nachtkultur übers Netz

Kommentare