Not macht erfinderisch

Warum in Utting aus dem Strandbad eine Badestelle wird

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Bis auf Weiteres bleibt das Kassenhäuschen im Uttinger Strandbad unbesetzt. Der Eintritt ist frei, dafür gibt es keine Aufsicht.

Utting – Erst wenn Bayerns „oberster Bademeister“ Markus Söder sein „Go“ verkündet, dürfen die wegen Corona geschlossenen Bäder wieder öffnen. Momentan heißt es aus der Staatskanzlei, „vor Juni geht nichts“. Damit müsste auch das Strandbad Utting trotz beginnender Pfingstferien geschlossen bleiben. Schmerzhaft für die Uttinger, die extrem an ihrem Strandbad hängen. Mit einem legalen Trick aber machten sich der neue Rathauschef Florian Hoffmann und die Gemeinderäte lieb Kind bei den Bürgern.

Hoffmann&Co. widmeten in ihrer konstituierenden Sitzung das Strandbad zu einem „Freizeitgelände mit Badestelle“ um. In Absprache mit Pächter Rupert Riedel wird vorübergehend auf Eintritt verzichtet, wobei aber auch keine Aufsicht stattfindet. Für ihr Verhalten auf der Liegewiese und im Wasser sind die Besucher selbst verantwortlich. Um den Charakter einer öffentlichen Badestelle zu entsprechen, wurden Umkleidekabinen, Sprungturm und Holzdeck gesperrt. Geöffnet sind aber der Kiosk und die Grillhütte am angeschlossenen Biergarten. Hier hofft Riedel unabhängig von der Badestelle auf zahlreiche Gäste während der Pfingstferien. Durch den wegen Corona nicht möglichen Start im April verzeichnet auch er Umsatzverluste. Und das ausgerechnet in seinem 30. Jahr als Pächter des gemeindlichen Strandbades.

Das vorübergehende Konzept sorgt für Aufatmen in Utting. Der Ort rühmt sich seit über 100 Jahren mit seiner wohl einmaligen „Strandbad-Kultur“, die nicht nur während der Bade­saison gilt. Zu jeder Jahres-, Tag- und Nachtzeit beharren die Strandbad-Fans auf Zugang zu ihrem Juwel am See. Sie genießen die ersten und letzten Sonnenstrahlen auf dem Holzdeck und die grandiose Aussicht auf die Alpenkette. Vor allem vom hölzernen Sprungturm aus, der 1936 in seiner Urform und 2001 in seiner jetzigen Form errichtet wurde.

Zur Sicherheit

Beim Turm gibt es seit vergangenem Jahr Einschränkungen: Nachts und außerhalb der Badesaison wird er aus Haftungsgründen so abgeriegelt, dass das Betreten, Hochklettern und Springen nicht mehr möglich ist. Nur so und mit einer entsprechenden Beschilderung kam die Gemeinde ihrer „Garantenpflicht“ außerhalb der Öffnungszeiten nach. Am Eingang zum Bad wurde ein selbstschließendes Tor mit hohem Öffnungsriegel installiert, damit Kinder nicht alleine auf das Gelände gelangen können.

In Dießen schloss man die Haftung der Gemeinde dadurch aus, dass man die Strandbäder St. Alban und Riederau gleich zu „Freizeitgeländen mit Badestellen“ umwidmete. Seit der letzten Saison ist der Zutritt kosten­los, es gibt aber auch keine Aufsicht mehr. In Utting wird das Kassenhäuschen wieder besetzt, sobald die Freibäder offiziell geöffnet werden dürfen.

Die Änderungen zur freien Bäderbenutzung resultieren aus einem BGH-Urteil, das die Schwimmaufsicht strenger als bisher regelt und die Gemeinden bei Unfällen in die Haftung nimmt. Um das Haftungsrisiko auszuschließen, machte man in Dießen aus den Strandbädern einfache Badestellen.
Dieter Roettig

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