Ein Papst zu viel

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Der Journalist Albert Link las am Freitag im Pfarrsaal „Zu den Heiligen Engeln“ aus seinem Buch „Buonanotte und Buonasera – Zwei Päpste im Vatikan“.

Landsberg – Worin bestehen die Unterschiede während eines Papst-Besuches in Benin und in Deutschland? Und warum wird der Petersplatz an manchen Tagen zum Parkplatz umfunktioniert? Der langjährigen Vatikan-Korrespondent Albert Link verrät es, entweder in seinem Buch „Buonanotte und Buonasera – Zwei Päpste im Vatikan“ oder höchstpersönlich, wie am Freitag während seiner Lesung im Saal der Stadtpfarrei „Heilig Engel“.

Zwei Päpste im Vatikan – eine geschichtliche Ausnahmesituation. Und auch sonst waren die letzten Jahre im Kirchenstaat turbulent wie selten zuvor. Der Missbrauchs-Skandal erschüttert die Menschen, der langjährige Vertraute und Kammer- diener Benedikts XVI entpuppt sich als Verräter, der bayerische Papst merkt, dass seine Kräfte schwinden und ringt sich zum Rücktritt durch, sein Nachfolger „vom Ende der Welt“ bricht bereits kurz nach seiner Wahl mit der Tradition. Albert Link, von 2010 bis 2014 Vatikan- und Italien-Korrespondent einer großen deutschen Tageszeitung, war ganz nah dran am Geschehen. Er begleitete Benedikt XVI auf seinen Auslandsreisen, erlebte ihn in Castel Gandolfo und führte eine Art „Tagebuch“ über ihn. Er betete mit Franziskus während einer Morgenmesse und sah, wie Berlusconi während der Seligsprechung Johannes Pauls II einschlief. 

Tiefer Respekt 

Doch wer hier eine Art Schlüsselloch-Journalismus erwartet, wird enttäuscht. Zwar verrät Link augenzwinkernd Anekdoten und Interna, doch sind sie geprägt von tiefem Respekt und Zuneigung zum bayerischen Pontifex, die auch während der Lesung deutlich zu spüren sind. Mit scharfsinnigen Analysen und Redeauszügen watscht er diejenigen ab, die die Leistung des emeritierten Papstes kleinzureden versuchen und belegt, dass viele Reformen des „Neuen“ auf den Ideen seines Vorgängers aufbauen. Dazu beschreibt er persönliche Erlebnisse seines Alltags als Vatikan-Korrespondent, kurzweilig, amüsant, manchmal sehr bewegend. 

Und diese emotionale Nähe ist es, die die Lesung Albert Links so überaus interessant macht. Man spürt, dass die Erinnerungen des Journalisten noch sehr präsent sind, als er über seine Sorge über den Gesundheitszustand Benedikts XVI spricht, versagt ihm kurz die Stimme. 

Mehr als eineinhalb Stunden liest Link, lediglich unterbrochen von Einspielungen von Redeauszügen Benedikts XVI oder eines Papst-Liedes aus Benin – das übrigens einen der Unterschiede der Besuche markiert. Denn hat in Deutschland schon jemals jemand einen Pop-Song zu Ehren eines Papstes komponiert?

Patricia Eckstein

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