Bahn-Reaktivierung

Starker Rückenwind für die Fuchstalbahn

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Auf der Fuchstalbahn – hier der Übergang in der Katharinensstraße in Landsberg – verkehren aktuell nur noch Güterzüge.

Landkreis – Die Chancen für die Reaktivierung des Personen­schienenverkehrs auf der Fuchstalbahn sind offensichtlich gestiegen. Grund: Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) misst der Verbindung Schongau-Landsberg in seiner jetzt vorgestellten neuen „Reaktivierungsliste“ weitaus mehr Bedeutung zu als bislang.

Als am Donnerstagabend die Tagesschau zu Ende war, konnten die Mitglieder des Arbeitskreises Fuchstalbahn ihr Glück kaum fassen. Der Vorsitzende Harald Baumann klang tags darauf fast schon euphorisch, als er erläuterte, was jetzt alles noch für Schritte folgen müssen, damit sein Traum vom regel­mäßigen Zugfahren zwischen den beiden Lechstädten Wirklichkeit wird. Bis es soweit ist, würden zwar noch Jahre vergehen, macht sich der Schongauer keine Illusionen. Aber die Chancen, dass es überhaupt zu einer Reaktivierung kommt, sind seiner Meinung nach nicht unerheblich gestiegen.

Die überregionalen Medien berichteten am Donnerstag über das neue Papier, das der VDV gemeinsam mit der „Allianz pro Schiene vorstellte“. 238 im Dornröschenschlaf dämmernde Eisenbahnstrecken mit insgesamt 4.016 Kilometern Schiene führt die aktualisierte „Reaktivierungsliste“ auf. 29 Kilometer davon gehören der Fuchstalbahn, die aktuell für den Güterverkehr zwischen Schongau und Landsberg genutzt wird.

Zwar war die Fuchstalbahn auch schon Bestandteil der „alten“ Reaktivierungsliste. Auf dieser hatte der VDV der Verbindung aber lediglich die „Erschließung weiteren Fahrgastpotenzials durch Verlängerung bestehender SPNV-Linien“ zugestanden. Jetzt sieht der Verband für die Fuchstalbahn noch zwei weitere Kriterien gegeben: Eine „Einrichtung einer bisher fehlenden SPNV-Relation zwischen aufkommenstarken Räumen (Schwerpunkt Verbindungsfunktion)“ sowie „eine sinnvolle Erschließung touristischen Potenzials“.

Dass die zwei Punkte dazugekommen sind, ist auch dem Arbeitskreis Fuchstalbahn zu verdanken, lassen die Verantwortlichen durchblicken. So berichtet Baumann von einem persönlichen Gespräch mit VDV-Geschäftsführer Martin Henke im vergangenen Jahr, bei dem sich der Eisenbahnchef des Verbands „ein paar Notizen gemacht“ habe. Baumann will aber nicht viel Aufhebens über sein Engagement und das seiner Mitstreiter machen. „Vieles geschieht im Hintergrund, aber steter Tropfen höhlt den Stein“, sagt er nur.

Resolution für Aiwanger

Baumann ist froh, dass der Arbeitskreis jetzt wieder Präsenz zeigen kann. Und die kommt gleich mit aller Macht: Am kommenden Montag, 20. Juli, übergibt der Arbeitskreis zusammen mit dem „Bürgerforum Buntes Fuchstal“ eine Resolution zur Reaktivierung der Fuchstalbahn an Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. Der stellvertretende Ministerpräsident ist an diesem Tag mit BN-Landesvorsitzendem Richard Mergner zu einer Besichtigungstour im Fuchstal unterwegs.

Harald Baumann blickt derweil in die Zukunft. Was zu einer Reaktivierung der Fuchstalbahn noch fehlt, ist seinen Angaben nach zunächst die vorbehaltlose Anerkennung von vier Reakti­vierungskriterien durch die Kreistage in Landsberg und Weilheim-Schongau. Dazu zählt die Prognose von 1.000 Reisenden pro Tag auf der Bahnstrecke, die Baumann als realistisch ansieht. Aber auch, dass die Infrastruktur ohne Zuschuss des Freistaats „in einen Zustand versetzt wird, die einen attraktiven Zugverkehr ermöglicht“, müssen die Kreistage anerkennen. Obendrein muss sich ein Eisenbahnstrukturunternehmen finden, das die Strecke und ihre Stationen dauerhaft betreibt. Und es bedarf eines abgestimmten Buskonzepts im Bereich der Reaktivierungsstrecke. Eine Menge Holz also.

Wie mehrfach berichtet, haben sich die Kreistage bereits grundsätzlich für die Reaktivierung der Fuchstalbahn ausgesprochen, die vorbehaltlose Anerkennung der von Baumann genannten Kriterien fehlt aber noch. Ebenso eine Potenzialanalyse der Strecke, die der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) vorbehalten bleibt.

Mit im Boot sitzen müssen natürlich auch die Kommunen entlang der Strecke, von denen einige hohe Kosten fürchten, wenn es darum geht, unbeschrankte Bahnübergänge zu sichern. Für sie erarbeitet Andreas Holzhey derzeit ein Eckpunktepapier. Der Verkehrsingenieur, dem die Bahnhofsgebäude in Schongau und Landsberg gehören, hatte jüngst schon mal eine gute Nachricht, als er von überarbeiteten Richtlinien berichtete. Demnach müssen die Anrainergemeinden der Strecke bei der Sicherung der Bahnübergänge nicht mehr ein Drittel der Kosten tragen, sondern nur noch ein Sechstel. Den Rest teilen sich Bahn und Straßenlast­träger.

Mehr Details aus seinem Eckpunktepapier verrät Verkehrsingenieur Holzhey noch nicht, das Papier soll aber demnächst fertig sein.
Jörg von Rohland

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