Die Bürger »mitnehmen«

Verein für Bürgerbeteiligung in Landsberg gegründet

+
Wie organisiert man Bürgerbeteiligung in Landsberg? Ein neuer Verein bietet sich an.

Landsberg – Bürger, die sich beim Bauvorhaben „Urbanes Leben am Papierbach“ engagiert haben, wollen ihre Erfahrungen nutzen, um weitere städtebauliche Projekte in der Lechstadt zu begleiten. Dazu haben sie den Verein „Bürgerbeteiligung Landsberg am Lech e.V.“ gegründet.

Die drei Initiatoren und Vorstandsmitglieder, Thomas A. Frank, Bernd Schwarz und Peter Saro, wollen dazu ähnliche Methoden wie bei der Pflugfabrik-Bürgerbeteiligung einsetzen. Damals informierten sie alle Interessierten über die Ideen des Investors, führten mit ihnen Dialoge und bündelten die Positionen so, dass sie in die Planungen einfließen konnten.

Mit im Boot war der Bürgerbeteiligungs-Experte Hilmar Sturm, der als Professor für Verbands- und Stiftungsmanagement an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heilbronn lehrt; er will sich nun erneut engagieren. „Erfahrung verbunden mit absoluter Neutralität, meinungsforscherischer Qualität und Professionalität – bereits bewiesen in Landsberg“, das sei das Angebot des neuen Vereins.

Mit diesen Formulierungen möchte die Gruppierung verdeutlichen, dass sie nicht ihre eigenen Auffassungen vertreten will. Es gehe um die Interessen der jeweils tangierten Bürger, und das seien von Projekt zu Projekt natürlich immer wieder andere.

Diese Klarstellung beruht darauf, dass sich der Stadtrat erklärtermaßen vor „Berufsbürgern“ fürchtet. Er will vermeiden, dass „immer die Gleichen“ auf Vorhaben Einfluss nehmen.

Allerdings hat er bisher keine Methoden definiert, wie echte Bürgerbeteiligung aussehen könnte. Die gesetzlichen Modelle gehen lediglich davon aus, dass sich „betroffene“ Anwohner zu Wort melden und Einwände vortragen, über die der Stadtrat dann entscheidet. Umfassender verstandene Bürgerbeteiligung berücksichtigt aber auch andere Anliegen, zum Beispiel die von Wohnungssuchenden, Verkehrsteilnehmern oder Innenstadtbesuchern.

Der Stadtrat hat das beim Thema „Vorder- und Hinteranger“ erkannt und die Verwaltung beauftragt, externe Angebote für einen Bürgerbeteiligungsprozess einzuholen. Die eingegangenen Vorschläge sollen allerdings weit auseinandergehen und „nicht vergleichbar“ sein.

Der jetzt gegründete Verein könnte daher in der Tat eine Alternative darstellen: Warum soll die Stadt die Organisation von Bürgerbeteiligung für viel Geld an ortsunkundige externe Berater vergeben, wenn sie ein ähnliches Verfahren ehrenamtlich vor Ort bekommt?

Allerdings setzt das wohl noch einen längeren Prozess der Vertrauensbildung voraus, bei dem klar werden muss, dass hier keine Organisation neben dem Stadtrat entsteht, sondern eine Dienstleistung für die Bürger und die Politik.

Werner Lauff

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Ex-Rechtsanwalt erleichtert Freund um 73.500 Euro
Landsberg
Ex-Rechtsanwalt erleichtert Freund um 73.500 Euro
Ex-Rechtsanwalt erleichtert Freund um 73.500 Euro
Ein neues Eisstadion für Landsberg?
Landsberg
Ein neues Eisstadion für Landsberg?
Ein neues Eisstadion für Landsberg?
Jetzt rumort es auch in Dießen
Landsberg
Jetzt rumort es auch in Dießen
Jetzt rumort es auch in Dießen
Das Dilemma der Fahrschule Krackhardt
Landsberg
Das Dilemma der Fahrschule Krackhardt
Das Dilemma der Fahrschule Krackhardt

Kommentare