Anlaufpunkt ohne Hemmschwelle

Verein Condrobs in Landsberg feiert sein Zehnjähriges

+
Beratung und Therapie für Suchtkranke: Catherine Axiomakarou, in den Räumen in der Adolph-Kolping-Straße, ist seit 2017 Leiterin bei Condrobs in Landsberg.

Landsberg – Seit knapp 50 Jahren bietet der überkonfessionelle Verein Condrobs Beratung und Therapie für Suchtkranke oder Suchtgefährdete. Seit zehn Jahren ist Condrobs auch in Landsberg zu finden, inzwischen in der Adolph-Kolping-Straße. Dort wird heute das Jubiläum unter anderem mit einem Tag der offenen Tür ab 16 Uhr gefeiert.

Bei dem vorhergehenden Festakt werden auch Lothar Kreutzer (kleines Foto) und Friedrich Landmann zu hören sein: Lesung mit Saxophon. Diplompsychologe Kreutzer und Sozialtherapeut Landmann waren von Anfang an bei Condrobs Landsberg dabei. Kreutzer ist es heute noch.

Kennengelernt haben sie sich vor rund 20 Jahren im Gefängnis Landsberg. Dort arbeitete Landmann für Condrobs im Bereich der Suchtberatung. Und bat Kreutzer, ebenfalls bei Condrobs, ihn zu vertreten. „Ich war eigentlich eher künstlerisch unterwegs“, sagt Kreutzer heute. Dennoch stieg er ein.

Lothar Kreutzer, bis 2017 der Leiter, gründete vor zehn Jahren die Anlaufstelle in Landsberg.

Männer, die aus dem Gefängnis entlassen werden, seien oft sehr allein, sagt Kreutzer. Um das aufzufangen, beschlossen Landmann und Kreutzer, „was eigenes zu machen“: eine Suchtberatungsstelle für Männer. Platz fanden sie in der Schulgasse 290 im ersten Stock: ein Raum, ein kleiner Nebenraum und die Toilette. Die Münchener Zentrale schoss Gelder zu. Die Beratung lief aber vorerst nur nebenbei; hauptberuflich waren beide weiterhin in der JVA Landsberg tätig.

Diese Konstruktion sei bald nicht mehr möglich gewesen, erzählt Kreutzer. Denn: „Eines Tages stand eine Frau vor der Tür. Und seither sind wir für Menschen jeglichen Geschlechts offen.“ Zwar habe er gewusst, dass die damit steigende Anzahl an Klienten personell nicht zu stemmen sei. Aber abweisen wollte er die Frau auch nicht. Und so wechselte Kreutzer. Und wurde Leiter von Condrobs Landsberg.

Eine Planstelle gab es nicht. Aber die Finanzierung regelte sich mit der Zeit. So kam die ambulante medizinische Rehabilitation dazu, die von Renten- und Krankenversicherung übernommen wird. Und das ambulant betreute Einzelwohnen, also Beratung und Betreuung bei Klienten zuhause. Diese Arbeit werde vom Bezirk unterstützt, sagt Kreutzer. Schließlich richtete Condrops Landsberg noch das Übergangsmanagement ein: die Betreuung Suchtkranker beim Übergang vom Gefängnis in die Normalität. Eine Arbeit die vom Justizministerium unterstützt werde, so Kreutzer.

Bedarf ist da

Die Klienten strömten. Einerseits kamen sie vom Amtsgericht, da Kreutzer die Richter aus der JVA-Zeit kannte und so die Beratungsstelle in den Kanon für gerichtliche Weisungen aufgenommen wurde. Andererseits kamen Klienten auch von Dr. Birgit Ablaßmaier-Stützel. Sie wollte, dass ihre suchtkranken Patienten – es waren 170 ! – von Kreutzers Team im Rahmen der psychosozialen Beratung bei Substitution betreut wurden.

Condrobs Landsberg wuchs: „Inzwischen sind wir zu elft“, sagt Kreutzer – inklusive Praktikantin und Hypnosetherapeut. Die Räumlichkeiten in der Adolph-Kolping-Straße, wo die Beratungsstelle inzwischen zuhause ist, sind relativ eng. „Aber wir haben ja auch viel Außendienst“, sagt Kreutzer.

Zum Jahresende geht der Diplompsychologe in den Ruhestand. Aber viele der Menschen, die er betreut hat, bleiben ihm im Kopf. Zum Beispiel eine Frau, die nach ihrem Entzug Angst davor hatte, wieder alles deutlich zu schmecken, zu riechen. Und vor allem auch unvernebelt zu spüren.

Die neue Leiterin Catherine Axiomakarou ist schon seit 2017 dabei. Ungewöhnlich, dass alte und neue Leitung zusammenarbeiten. „Das klappt hervorragend“, schwärmt Kreutzer. Auch Axiomakarou findet, dass die Zusammenarbeit ausgesprochen gut läuft: „Wir profitieren eindeutig voneinander.“

Die 42-jährige Sozialpädagogin und Familientherapeutin hat selbst vier Jungs, „der älteste ist gerade 13“. Sie kennt sich also aus mit Jugendlichen. Und freut sich, dass Condrobs inzwischen auch die ambulante Erziehungshilfe im Programm hat. Die läuft in Kooperation mit dem Jugendamt, das an Condrobs die Klienten vermittelt.

Wünsche für die Zukunft

„Die Jugendlichen kommen aber auch direkt zu uns“, erzählt Axiomakarou. Nicht, weil sie selbst sagen, da stimmt etwas nicht. Sondern eher, weil sie Ärger haben, mit ihren Eltern oder auch mit den Lehrern. Sie werden bei Condrobs auch beraten. Eine Betreuung oder Therapie sei aber nur übers Jugendamt finanzierbar.

Dadurch, dass bei Condrobs im Haus unten auch eine Zahnarztpraxis ist, sei die Hemmschwelle wohl niedriger, vermutet Axiomakarou den Zustrom an Jugendlichen. Da werde man nicht automatisch geoutet. Und generell liege die Hemmschwelle, zum ‚Amt‘ zu gehen, höher. Weshalb sie sich für die Zukunft vor allem eines wünscht: eine eigene – finanzierte – Jugendberatung im Bereich Sucht. „Denn Erwachsenenkonzepte funktionieren da nicht.“
Susanne Greiner

Auch interessant

Meistgelesen

Die Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Die Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Bayerische Landesausstellung 2024 kommt nach Landsberg
Bayerische Landesausstellung 2024 kommt nach Landsberg
Der Feuerwehr-Kommandant will ins Uttinger Rathaus
Der Feuerwehr-Kommandant will ins Uttinger Rathaus
Kultgaststätte "Fuchs und Has" in Dettenhofen steht vor dem Aus
Kultgaststätte "Fuchs und Has" in Dettenhofen steht vor dem Aus

Kommentare