Alt und neu vereint

Zum Haus des Jahres 2012 wurde heuer das bäuerliche Wohnhaus der Familie Vordermayr in der Sonnenstraße Dießen gekürt. Fotos: Nagl

„Ein Haus ist nicht nur dann ein Denkmal wenn es unter Denkmalschutz steht“, betonte Dr. Thomas Raff, Kunsthistoriker und 1. Vorsitzender des Heimatvereins Dießen und Umgebung e.V. anlässlich der Verleihung der Plakette „Haus des Jahres“. Beim „Haus des Jahres 2012“ handelt es sich um ein einfaches, ehemals bäuerliches Wohnhaus an der Sonnenstraße 3, dass von seinen Eigentümern, Melanie und Michael Vordermayr, mit viel Gespür saniert und renoviert wurde.

Michael Vordermayr, „ein waschechter Dießener“, so Raff, wurde 1949 sogar in dem Bauernhaus geboren, das sein Großvater aus Bierdorf vermutlich im Jahr 1910 erwarb. In den Jahren 1955 bis 1973 stellten die Eltern des heutigen Eigentümers mehrere Anträge auf bauliche Veränderungen an die Marktgemeinde. Dabei nahm man wenig Rücksicht auf Belange des Denkmalschutzes. Umso mehr haben sich Melanie und Manfred Vordermayr nun bemüht, das Äußere im Rahmen einer gründlichen Sanierung wieder in den ur-sprünglichen Zustand zu versetzen: Statt der Einglasscheiben der 60er Jahre wurden wieder Sprossenfenster eingesetzt und Vollholzläden angebracht. Da man sich nicht auf Befunduntersuchungen stützen konnte, wurde hinsichtlich der Farbgebung die Umgebung zum Maßstab. Dadurch blieb der schlichte, bäuerliche Charakter des Hauses erhalten, der auch durch den großzügigen Bauerngarten im Osten und den dominierenden Stall- und Stadlteil im Süden unterstrichen wird. Gelungen ist nach Ansicht Raffs auch ein neuer Baukörper aus Glas, der Haus und Stall verbindet: So entstand im Erdgeschoss ein geräumiger Eingangsbereich und im Obergeschoss ein heller Wohnraum. Außen angebrachte Holzlamellen lassen das Licht einfallen, nehmen aber den modernen Charakter des Zwischenbaus optisch zurück. Beheizt wird das behaglich wirkende Gebäude durch eine Langholz-Zentralheizung, die im Stall untergebracht ist. Unterstützt wird diese durch eine Solaranlage. So bereichert das Anwesen das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gewachsene Bild der ruhigen Sonnenstraße. „Es wurde zur Prämierung ausgewählt, weil es ein gutes Beispiel dafür bietet, wie man ein altes Haus einerseits erhalten, andererseits den Anforderungen an modernes Wohnen anpassen kann, ohne dass sich das Erscheinungsbild zum Nachteil verändert“, betonte Raff. Ein dickes Lob des Kunsthistorikers in Sachen Baukultur ging auch an den Dießener Gemeinderat. „Durch kritisches Nachfragen des Gremiums beim Landesamt für Denkmalschutz wurden geplante Streichungen von der Denkmalliste verhindert“, so Dr. Thomas Raff. Dadurch stehen Baudenkmäler, wie zum Beispiel der sogenannte Schmiedwirt an der Hofmark, weiterhin unter Schutz.

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