Hausaufgabe für den Gemeinderat

Die Verkehrsbelastung in Dießen ist zu hoch

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Der Marktplatz in Dießen gehört zu den verkehrsreichsten Problemzonen der Gemeinde. Vor allem der Schwerlastverkehr sollte aus dem Ortsbereich verbannt werden.

Dießen – „Dießen ist für den Alltags- und Durchgangsverkehr ein Nadelöhr“. So treffend äußerte sich ein Bewohner bei der Haushaltsbefragung zur Verkehrssituation in der Marktgemeinde. Die Auswertung der anonymisierten Fragebogenaktion stand im Mittelpunkt der jüngsten Gemeinderatssitzung. Verkehrs­planer Robert Ulzhöfer vom Büro „Stadt Land Verkehr“ erläuterte ausführlich die Ergebnisse der Befragung zum Stichtag 15. November vergangenen Jahres.

Immerhin 1.063 ausgefüllte Bögen waren im Rathaus eingegangen, was einer Rücklaufquote von 21 Prozent entspricht. Das reiche für eine repräsenta­tive Hochrechnung und Bewertung des Verkehrsverhaltens der Dießener, so Diplom-Geograf Ulzhöfer. Die Genauigkeit untermauerte er mit der Splittung des gesamten Gemeindegebietes in 41 Teilbereiche.

Besonders aufmerksam verfolgten Bürgermeister Herbert Kirsch und die Marktgemeinderäte die Meinungen der Bürger zur Fußgängerzone in der Mühlstraße und am Untermüllerplatz, die im zurückliegenden Sommer probeweise eingeführt worden war. Dabei lagen Befürworter mit 39 Prozent und Gegner mit 36 Prozent etwa gleichauf. Vor allem die unter 17-jährigen und die über 65-jährigen schätzten die Fußgängerzone. Am wenigsten kam das temporäre Auto- und Motorradverbot an den Wochenenden bei den 17- bis 30-jährigen an. Ob aus dem Experiment eines Tages eine dauerthafte Fußgängerzone wird, ist im Moment noch offen.

Wiederholt wurde von vielen Dießenern anstatt einer Fußgängerzone eine Einbahnregelung in der Mühlstraße gefordert. Bürgermeister und Gemeinderäte machten dazu gleich Nägel mit Köpfen und beauftragten Verkehrsplaner Ulzhöfer mit einem Simulationsgutachten, ob eine Einbahnregelung die gewünschte Entlastung bringe.

Wie die Auswertung zeigte, hatte jeder der in den Fragebö­gen erfassten 2.261 Bewohner am Stichtag 15. November 3,3 Wege zurückgelegt. Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung sind das 37.250 Wege und Fahrten. Davon entfallen etwa 16.800 auf den Binnenver­kehr. Etwa 8.200 Wege und Fahrten wurden zwischen Dießen und Nachbargemeinden beziehungsweise -landkreisen zurückgelegt. Etwa 1.480 Wege und Fahrten tätigte die Bevölkerung außerhalb von Dießen. Die Ortsteile erzeugten im Ziel-/Quellverkehr ca. 3.900 Wege und Fahrten. 5.400 fanden zwischen Dießen und seinen Ortsteilen statt.

Die Wege und Fahrten wurden zu über 55 Prozent mit dem Auto als Selbstfahrer beziehungsweis zu 10 Prozent als Mitfahrer durchgeführt. Als Fußgänger wurden 19 Prozent, als Radfahrer 8 Prozent und mit Bus und Bahn 6 Prozent der Wege zurückgelegt.

In zwei offenen Fragen des Bogens konnten Meinungen zu Problemen und Verbesserungsvorschlägen geäußert werden. Mit großer Mehrheit wurden Probleme im fließenden Verkehr genannt, gefolgt von Rad- und Fußgängerverkehr sowie von ruhendem Verkehr. Das Thema Öffentlicher Personennahverkehr ÖPNV wurde am seltensten genannt.

Die vordringlichsten Probleme sind laut den Fragebögen generell eine zu hohe Verkehrsbelastung, zu schmale Straßen, zu hohe Geschwindigkeiten, schlechte Straßenoberflächen, zu hohe Lkw-Belastung sowie zu viel Durchgangs- und Schleichverkehr. Die Nichteinhaltung von Tempolimits, Stau wegen Ampeln, Belästigung durch Lärm und Abgase und die Missachtung von Vorfahrtsregelungen wurden moniert. Auch die Verkehrsbehinderungen beim „Mama-Taxi-Verkehr“ durch Holen und Bringen von Schulkindern oder zum Teil schlechte Straßenbeleuchtung sind Minuspunkte bei den Dießenern. Wie natürlich auch zu wenig Parkplätze und damit verbundene Falschparker. Und natürlich ging es auch um die fehlenden Radwege und ganz speziell um das Dauerthema Radweg Birkenallee von Dießen nach Fischen.

Die Angaben zu der zu hohen Verkehrs- und speziell Lkw-Belastung beziehen sich meist auf die Herrenstraße, Hofmark, die Kreuzung am Marktplatz, Johannes-, Prinz-Ludwig- oder Lachener Straße. In Zusammenhang mit zu schmalen Straßen standen Herrenstraße und Hofmark auf den ersten Plätzen.

Die Marktgemeinderäte bekamen ein dickes Bündel Papier mit der akribisch genauen Auswertung als „Hausaufgabe“ mit, um sich konkrete Gedanken für eine Verbesserung der Verkehrssituation in Dießen zu machen. Man darf gespannt sein, welche Lösungsvorschläge da demnächst auf die Agenda kommen werden.

Dieter Roettig

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