Es gibt noch viel zu tun:

Landsbergs Radwege sind schlecht markiert

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Verkehrsreferent Henrik Lüßmann (lila Hemd) beim Radeln mit dem Stadtrat samt OB und Stadtbaumeisterin. Dieses Mal ging es um Problemzonen im Bereich Augsburger Straße.

Landsberg – Radweg ist nicht gleich Radweg. Es gibt getrennte Rad- und Gehwege. Dann die gemeinsamen. Zweirichtungsradwege. Linksseitige, straßenbegleitende, benutzungspflichtige Radwege. Und nicht zu vergessen die für den Radverkehr freigegebenen Gehwege. Wenn zusätzlich noch die Ausschilderung unübersichtlich ist, sind Unfälle unvermeidbar. Dass die Landsberger Radfahrer damit nicht zufrieden sind, ist nachvollziehbar. Verkehrsreferent Henrik Lüßmann (Grüne) ging am Mittwoch zum zweiten Mal mit Stadtrat, OB und Stadtbaumeisterin zum Radeln, um auf Lücken und Tücken des Radverkehrsnetz hinzuweisen.

„Es geht um das alltägliche Radeln“, konkretisiert Lüßmann. Die Anzahl der Radfahrer nehme erfreulicherweise zu. „Noch nie gab es so viele Räder auf dem Hauptplatz.“ Und auch schon die entsprechenden Beschwerden. Nichtsdestotrotz, Radfahren muss sicherer werden. Ausschlaggebend für die von Lüßmann gewählten Brennpunkte war neben dem Fahrradklimatest des ADFC auch der Unfallbericht der Polizei. An einigen Punkten habe sich die Situation bereits entschärft. Und demnächst wird in der Neuen Berg­straße nachgebessert. Dennoch zeige die Anzahl der Radunfälle, dass noch mehr getan werden müsse. „Und dabei ist viel Kreativität gefragt.“

Dieses Mal steht die Augsburger Straße im Zentrum von Lüßmanns Aufmerksamkeit. Ausgangspunkt ist die Josef-Kloo-Straße. In deren Verlängerung befindet sich ein idealer, da autofreier Weg nach Kaufering. „Bei gutem Wetter ist er nur ein bisschen holprig“, beschreibt der Verkehrsreferent, aber wenn es regnet, wird Fahren hier zur Schlammschlacht.“. Es handele sich um einen Weg, der auch zur Gemarkung Kaufering gehöre, weshalb eine Absprache mit der Marktgemeinde nötig sei, betont ADFC-Kreisvorsitzender Martin Baumeister. Und es gibt noch ein Problem: Die Ausfahrt auf die stadteinwärts führende Augsburger Straße ist gefährlich, da komplett uneinsichtig. Radfahrer aus Richtung Kaufering müssen zudem die Augsburger queren, um verkehrsgerecht auf dem gegenüberliegenden für Fahrräder freigegebenen Gehweg weiterzukommen. Diese Gehwege gibt es zwar auf beiden Seiten der Augsburger Straße, jedoch gilt die Freigabe nur in Fahrtrichtung. So will es die Straßenverkehrsordnung (StVO). Die Lösung: Wenn der Radweg ein Stück weiter oben endet – was möglich wäre – ist die Querungsstelle viel übersichtlicher.

Bergab und bergauf der Augsburger müsse auch der Geisterfahrer-Radverkehr verhindert werden, fährt Lüßmann fort. Oben bei der Ampel steht zwar ein Schild, das die Richtung deutlich macht. Doch wie soll man das sehen, wenn man weiter unten einbiegt? Und wer kennt schon die StVO so genau, dass er von dem Richtungsverdikt weiß? Man solle auch bedenken, dass Anwohner der Schwaighofsiedlung auf ihrem Weg von Kaufering nach Hause eher nicht zweimal die Straße wechselten, wirft Berthold Lesch (CSU) ein. Geisterfahren vorprogrammiert. Gewohnheiten sind schwer zu ändern.

Dass für aus Kaufering auf der Augsburger Straße kommende Radfahrer notwendige Queren bei der oberen Ampel ist ebenfalls nicht ohne: Vier Teilabschnitte müssen überwunden werden. Oder man fährt auf dem Weg von Kaufering auf dem rechten Gehweg. Ist erlaubt. Dort findet sich an der Ampel ein Schild, das Radfahrer durch interessante Pfeile und Striche anweist, wo sie wie über die Ampel und wo danach fahren dürfen. Wer schlechtes Design sehen möchte: bitte anschauen.

Ein weiterer großer Problempunkt ist die Ecke Augsburger und Iglinger Straße. Für Fahrradfahrer ein Unding. Denn der gemeinsame Geh- und Radlweg auf der in Richtung Kaufering linken Fahrbahnseite wird aufgehoben. Dennoch führt ein roter Radweg samt aufgepinseltem weißem Fahrrad quer über die Iglinger Straße. Dass der nur in Gegenrichtung gilt, ist nicht wirklich ersichtlich. Unterhalb des Aufhebungsschildes ist ein kleines Rad mit grünem Pfeil nach links. Doch das geht nicht: Der linksabbiegende Radweg darf nur stadteinwärts befahren werden. „Hier kann man es als Radfahrer nicht richtig machen“, fasst Lüßmann zusammen. Außer man steigt ab und schiebt über den Fußgängerübergang. Eine mögliche Lösung steuert Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU) bei: „Die Radquerung über die Iglinger aufheben und die Radfahrer über den dann gemeinsamen Fußgänger- und Radübergang schicken. Das kann man einfach auf dem Boden kennzeichnen.“

Das Ändern der Iglinger Straße zu einer Tempo-30-Zone hat für Radfahrer ein weiteres Problem geschaffen: Der bisherige getrennte Radweg wurde aufgehoben, jetzt ist es ein gemeinsamer Rad- und Gehweg. Auch wenn er immer noch so aussieht, als wäre er getrennt. Zudem haben die Radfahrer an den Einmündungen nun keine Vorfahrt mehr. Unfälle sind vorprogrammiert. Um die Verwirrung bei Rad- und Autofahrern zu lösen, schlägt Lüßmann vor, in 30-Zonen die Radfahrer auf die Straße zu schicken. „Kinder dürfen ja weiterhin auf dem Bürgersteig fahren.“

Der Grünen-Stadtrat zeigt noch weitere neuralgische Punkte: Bei der Kennzeichnung der Ausfahrten auf den gemeinsamen Fuß- und Radweg bei der Augsburger Straße habe die Baufirma etwas falsch verstanden. Deshalb sind die Symbole leicht missverständlich. Generell mangelt es an Kennzeichnungen am Boden oder auch Radsymbolen in Ampeln. Der Teufel steckt eben im Detail. „Einige Änderungen können wir ohne Probleme jetzt machen“, sagt Stadtbaumeisterin Birgit Weber. Allerdings herrsche im Moment Personalmangel: „Wir haben schon einmal gesucht, aber bisher noch niemanden gefunden.“ Doch auch sie sieht die Notwendigkeit der Nachbesserung. Insbesondere die Verbindung zu Kaufering: „Denn wenn die Express-S-Bahn von München Hauptbahnhof nach Kaufering kommt, brauchen wir das dringend.“ Für deren Bau laufen bereits die ersten Planungen.

Viele der Probleme sind mit kleinen Handgriffen lösbar. Einiges muss aber warten. Da heißt es: Lernen von Anderen. Zum Beispiel Italien. Kaum Ausschilderungen, aber trotzdem passiert weniger. Denn da nichts geregelt ist, müssen die Verkehrsteilnehmer einfach aufeinander achten.

Susanne Greiner

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