Ausgezeichnete Kunst

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Die Kulturförderpreis-Gewinner: Oboist Julian Johannes, Tänzerin Michelle Negle, Claudio Ricci vom „Studi Furio“, Blockflötistin Sophie Wendinger, Harfenistin Carmen Steinmeier mit ihren Geschwistern Esther und Anna (von links).

Landsberg – „Kunst ist zwar nicht das Brot, wohl aber der Wein des Lebens“, sagte der Schriftsteller Jean Paul. Dass Kunst eine, manchmal auch berauschende, Bereicherung des Lebens ist, konnten die Besucher am Freitagabend im Stadttheater hören und sehen: Zum 19. Mal wurde der Kulturförderpreis des Landkreises Landsberg an fünf Künstler vergeben, die ihre Leidenschaft zum Beruf machen.

Der Preis solle nicht nur „eine kleine finanzielle Unterstützung“ sein, betonte Kulturbürgermeister Axel Flörke: „Er ist auch als Lob gedacht.“ Der Kulturförderpreis, finanziert von der Sparkassenstiftung, wird jährlich an aus dem Landkreis stammende Künstler unter 30 Jahren vergeben. Dieses Jahr wurden vier Einzelkünstler und ein Künstlerkollektiv ausgezeichnet. Claudio Ricci vom „Studio Furio“ bezeichnete das Kollektiv als „illustre Truppe, bei der jeder in seinem Ressort gut ist.“ Sie seien ein heterogenes Team ohne Hierarchie, das ihre Werke gemeinsam entstehen lasse. Auszüge aus diesen Werken wurden als Video gezeigt: Tanzproduktionen als Licht- und Schattenspiele, oder aber auch politisch orientierte Produktionen mit Schauspiel, Tanz und Musik.

„Viele von Ihnen haben sicher in der Schule auch Blockflöte gespielt, aber daraus ist keine große Karriere geworden“, leitete Flörke zu Sophie Wendinger über. Bei der Blockflöte und Gambe spielenden Künstlerin habe diese Karriere schon begonnen. Wendingers Lehrerin Susanna Ricchio erzählte von Sophies erstem Vorspiel: Dort habe sie trotz hohem Fieber unbedingt auftreten wollen und sogar mit der Höchstpunktzahl abgeschlossen. Sophie zeigte mit zwei Soloflötenstücken die Bandbreite der Blockflöte, überzeugte aber auch mit ihrer Gambe.

Die Tänzerin Michelle Negle präsentierte in drei Tanzstücken ihre Vielfältigkeit: Ein sinnlicher Tango, danach präzise ausgeführtes, klassisches Ballett und schließlich ein augenzwinkernder Stepptanz zu „Spitfire“ vom Herbert Pixner Projekt, ein Musikstil, den man als getunte Volksmusik bezeichnen kann: „Das könnte auch einem Preußen gefallen“, schmunzelte Flörke.

Die Laudatio für den Oboisten Julian Johannes hielt der Chefdirigent der Bayerischen Philharmonie Mark Mast: Julian habe sich „durch sämtliche Klangkörper der Bayerischen Philharmonie gearbeitet“ und trotz Studium in Linz niemals den Kontakt abgebrochen. „Ich sehe ihn als einen Botschafter der Philharmonie“ resümierte Mark Mast. Julian Johannes – von seinem Vater am Klavier begleitet – bezauberte mit Schumanns „Drei Romanzen“ und einem Stück von Astor Piazzola.

„Carmen Steinmeier hat zu mir als Lehrer einen bemerkenswerten Satz gesagt“, stellte Flörke die Harfenistin vor: „Seit dem Studium habe sie erkannt, wie sehr man seine Zeit in der Schule verplempert.“ Der Leiter der Musikschule Schongau Karl Höldrich erzählte von einem Konzert, bei dem Carmen spontan einsprang: „Wenn Carmen kommt, dann sinkt der Blutdruck des Orchesterleiters, dann wird alles gut.“ Die zierliche Musikerin lockte aus ihrer nahezu doppelt so großen Harfe virtuose Musik aus Russland, Frankreich und Böhmen hervor.

Mit etwas Comedy

Landrat Thomas Eichinger mahnte, man dürfe auf keinen Fall „an der Kultur für Jüngere sparen“. Um auch die bildenden Künstler des Landkreises zu ehren, die beim Kulturförderpreis vernachlässigt wurden, wird nächstes Jahr zum ersten Mal der Kunstpreis des Landkreises vergeben. Insgesamt war es ein runder Abend, bei dem leider viel Inventar hin- und hergetragen wurde. Einen leichten Comedy-Anstrich verlieh dem Abend das immer wieder auf- und abgebaute Rednerpult mit Mikro und Landkreislogo, sogar mit Applaus wurde es bedacht. Mehrere Besucher waren sich einig, dass man die Nummer zu einem Slapstick-Beitrag ausbauen sollte.

Susanne Greiner

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