Keine klingenden Münzen

Verlustgeschäft Bargeld: Bargeldautomaten der Sparkasse Landsberg sind Geschichte

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In der Zählstelle der VR-Bank Landsberg-Ammersee kommen täglich mehr als 150 Kilo Bargeld an rund 8.000 Euro in Scheinen und Münzen.
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In der Zählstelle der VR-Bank Landsberg-Ammersee kommen täglich mehr als 150 Kilo Bargeld an rund 8.000 Euro in Scheinen und Münzen.
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In der Zählstelle der VR-Bank Landsberg-Ammersee kommen täglich mehr als 150 Kilo Bargeld an rund 8.000 Euro in Scheinen und Münzen.
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In der Zählstelle der VR-Bank Landsberg-Ammersee kommen täglich mehr als 150 Kilo Bargeld an rund 8.000 Euro in Scheinen und Münzen.
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In der Zählstelle der VR-Bank Landsberg-Ammersee kommen täglich mehr als 150 Kilo Bargeld an rund 8.000 Euro in Scheinen und Münzen.
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In der Zählstelle der VR-Bank Landsberg-Ammersee kommen täglich mehr als 150 Kilo Bargeld an rund 8.000 Euro in Scheinen und Münzen.
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In der Zählstelle der VR-Bank Landsberg-Ammersee kommen täglich mehr als 150 Kilo Bargeld an rund 8.000 Euro in Scheinen und Münzen.
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In der Zählstelle der VR-Bank Landsberg-Ammersee kommen täglich mehr als 150 Kilo Bargeld an rund 8.000 Euro in Scheinen und Münzen.

Landkreis – Mal wieder will der Geldbeutel nicht zugehen. Der Grund: Zu viele Münzen verstopfen das Portemonnaie. Manch einer traut sich schon nicht mehr, an der Kasse nach passendem Kleingeld zu fischen, kommt doch von den Kunden in der Schlange hinter einem schnell ein genervtes Zischen. Wohin also mit den Münzen? Am besten in den Bierkrug zuhause. Und wenn der voll ist? Natürlich aufs Konto. Das Problem: Inzwischen verlangen die meisten Banken dafür saftige Gebühren.

„Bargeld ist ein teures Geschäft“. Stefan Jörg, Vorstandsvorsitzender der VR-Bank Landsberg-Ammersee, zeigt auf den Berg von Säcken, der bei der Zählstelle in Kaufering liegt. Es sind die Münzen und Scheine, die Kunden bei der VR-Bank am Schalter oder am Automat einzahlen – die Ausbeute eines Tages. „Wir haben Kunden, die bringen uns pro Woche mehrere Zehnliter-Eimer“, erzählt Jörg. Pro Jahr kommen rund 18 Tonnen zusammen, circa eine Million Euro. Eine Masse, die gereinigt, sortiert, transportiert und auf Echtheit geprüft werden muss. Die Automaten für diese Prüfung seien extrem teuer und störanfällig. Weshalb das Bargeld zentral in die Zählstelle in Kaufering geliefert werde. Trotzdem ein teures Geschäft: „Für die Ver- und Entsorgung zahlen wir pro Jahr rund eine Million Euro.“

Nicht umsonst schlägt die EU-Kommission vor, zumindest die Ein- und Zwei-Cent-Münzen abzuschaffen. Die Kosten für die Herstellung der Kupfermünzen übertreffe bei Weitem deren Wert. Angeblich gebe es in keinem EU-Land mehr eine Mehrheit, die sich für die Kleinmünzen ausspreche. Manch einer vermutet hier den ersten Schritt zum Bargeldausstieg.

Auch die Sparkasse Landsberg-Dießen scheint dem Bargeld nicht mehr mit ganzem Herzen gewogen zu sein. Seit Dezember sind sowohl der Münz­einzahl- als auch der Münzrollenautomat in der Landsberger Filiale am Hauptplatz nicht mehr einsatzbereit. Ein Schild informiert zudem, dass beide Automaten abgebaut werden sollen.

„Wir arbeiten nicht auf den Bargeldausstieg hin“, versichert Lorenz Ellmayer, stellvertretendes Vorstandsmitglied der Sparkasse Landsberg-Dießen. Aber das Bargeld-Geschäft sei „aufwendig und teuer“ und schon immer ein „Zuschussgeschäft“. Habe früher die Bundesbank noch das Zählen und Bündeln des Bargelds übernommen, obliege diese Aufgabe heute den einzelnen Banken. Besonders heftig sei es am Weltspartag, „wir bekommen da eine enorme Menge an Münzen“, weshalb es manchmal zwei bis drei Wochen dauere, bis das Geld gebucht werden könne. Die Sparkasse Landsberg-Dießen habe indessen die Arbeit des Zählens, Reinigens und Prüfens an einen externen Dienstleister ausgelagert. Das sei günstiger, als es selbst zu machen.

Die Kosten seien auch mit ein Grund, weshalb die Bargeldautomaten abgebaut würden: Sie seien in der Wartung äußerst kostspielig, informiert Ellmayer. Auch technisch gebe es oft Probleme, da alte Automaten nicht mehr direkten Kontenzugriff hätten, weshalb dann von Hand nachgebucht werden müsse.

Auch die Mitarbeiter würden mit den Automaten nicht glücklich. Einen Münzzähler habe man abbauen müssen, da er zu laut gewesen sei. Und das Geld in den Automaten sei für die Kassiererinnen – man habe dort nur Frauen – zu schwer, um es aus den Automaten heraustragen zu können. Zudem habe der Beruf des Kassiers enorm an Beliebtheit verloren – auch hier mache sich der Fachkräftemangel bemerkbar.

Der Münzautomat der Sparkasse Landsberg-Dießen am Hauptplatz wird abgebaut.

In Zukunft können Privatleute am Sparkassen-Automaten nur noch Scheine aufs eigene Sparkassenkonto kostenlos einzahlen – das allerdings bis zur sagenhaften Menge von 10.000 Euro täglich. Münzen müssen via sogenanntem Safebag außerhalb der Öffnungszeiten oder direkt am Schalter eingezahlt werden. Bis 50 Münzen kostet das zwei Euro Gebühr, sind es mehr, werden vier Euro fällig. Das sind zumindest die offiziellen Summen. Ellmayer relativiert und verspricht: „Bis zu 50 Münzen machen wir das für Privatleute in Zukunft am Schalter weiterhin kostenlos.“ Man müsse eben öfter vorbeischauen, „die volle Metaxaflasche können wir nicht mehr annehmen“.

Gewerbliche Kunden müssen bei der Sparkasse Landsberg-Dießen für das Einzahlen von Scheinen und Münzen eine Gebühr zahlen. Man wolle die Kunden nicht ärgern, versichert Ellmayer. „Aber wir können fast nicht anders.“ Die Gebühren für Bargeldeinzahlungen seien nicht einmal kostendeckend. Deshalb versuche man, „die Kosten verursachergerecht zu verteilen“, mit „fairen Preisen“. So habe man für die Kommunen auch ein eigenes Kontomodell, das etwas günstiger als das allgemein gewerbliche sei.

Dennoch, auch die Stadt Landsberg muss zahlen. „Wir versuchen, die Scheine am Automaten auf das Konto der Stadt einzuzahlen“, informiert Silvia Rauch von der Stadtkasse Landsberg. Man wolle die Safebags vermeiden, allerdings nur aus dem Grund, dass die dabei erforderliche Getrenntbuchung von Scheinen und Münzen für die Stadtkasse zu aufwendig sei. Bis zu 50 Münzen dürfe auch die Stadt am Schalter einzahlen. Größere Mengen kämen direkt in die Stadtkasse: „Wir haben einen großen Vorrat an Kleingeld“, informiert Rauch. „So kriegen wir es einigermaßen hin.“

Wer einen Münzautomat im Landkreis sucht, wird bei der VR-Bank Landsberg-Ammersee in der Ludwigstraße in Landsberg fündig. Auch in Zukunft soll er stehen bleiben, versichert Vorstandsvorsitzender Jörg. Nicht nur das, die VR-Bank werde in Utting einen zweiten Münzautomaten aufstellen. Was allerdings passiert, wenn die Sparkasse ihre Automaten abbaut und deren Kunden dann alle den Bargeld-Automaten der VR-Bank in Beschlag nehmen, muss man wohl abwarten.

Privatpersonen könnten laut Jörgs Aussage bei der VR-Bank Landsberg-Ammersee immer noch kostenlos Münzen auf ihr eigenes VR-Konto einzahlen. Für gewerbliche Kunden fallen auch hier Gebühren an. Wobei sich deren Höhe nach Menge des eingezahlten Geldes richte, informiert Jörg. „Die mit den Zehnliter-Eimern zahlen halt ein bisserl mehr.“ Direkt am Schalter könnten Privatpersonen Bargeld „in haushaltsüblichen Mengen“ aufs eigene Konto kostenlos einzahlen.

Auch Rollen mit Kleingeld wirft der Automat aus. Dafür müssen aber auch Privatpersonen eine Gebühr zahlen: VR-Kunden 25 Cent, Nicht-VR-Kunden 50 Cent. Vereine dürften umsonst Rollen abholen.

Problem: Negativzinsen

Dass die Banken ihre Ausgaben für das Bargeld an die Kunden weitergeben, sei korrekt, gibt Ellmayer zu, „aber auch wir arbeiten nach dem Wirtschaftlich­keitsprinzip“. Die Sparkasse komme nicht an den Marktregeln vorbei. Man müsse Eigenkapital aufbauen. Den „öffentlichen Auftrag“ erfülle man mit der Sparkassenstiftung.

Für die hohen Bargeldkosten sei auch die EZB verantwortlich, „und dafür kann weder die Bank noch der Kunde was: Wir machen im Einlagenbereich keinen Gewinn mehr.“ Das Stichwort ist Negativzinsen: „Uns kostet jede Million 5.000 Euro pro Jahr.“ Diese sogenannten Verwahr­entgelte fielen indessen für die meisten Kunden nicht an, betont Ellmayer. Nur für diejenigen, die extrem hohe Summen einlagerten – der Freibetrag liege „deutlich über 100.000 Euro“.

Das Ende des Bargelds?

In 20 bis 30 Jahren werde der Bargeldfluss reduziert sein, prophezeit Ellmayer. In Ländern wie Großbritannien oder den USA werde man allerdings heute schon schief angeschaut, zahle man nicht mit Karte – selbst beim Bäcker.

Einige Unternehmen fungierten praktisch schon selbst als ‚Bankautomat‘. So könne man sich beispielsweise bei einer Supermarktkette Bargeld bis 200 Euro kostenlos auszahlen lassen, das der Supermarkt dann vom Konto abbuche. Eine Win-Win-Situation für Kunde und Unternehmen: Der Kunde muss nicht zur Bank, das Unter­nehmen spart sich gebührenpflichtige Bargeldeinzahlungen. Umfragen bewiesen, dass Jüngere Bargeld nicht mehr für notwendig hielten. „Bis Bargeld ganz abgeschafft wird, dauert es sicher noch länger“, ist Ellmayer überzeugt. Noch müssen Sparschweine also nicht geschlachtet werden.
Susanne Greiner

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