Werte, Ideale, Visionen

Ausstellung „Verfassung erfassen“ im Rathausfoyer Landsberg

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Die Aufführung „Meine Stimme zählt nicht“ vom Jugendballett Landsberg der Ballettschule Beatrix Klein war auch bei der Vernissage von „Verfassung erfassen“ zu sehen.

Landsberg – In der Nacht vom 8. auf den 9. November 1918 geschieht Ungeheuerliches: Kurt Eisner verkündet das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht – auch für Frauen! Somit war der neugeborene Freistaat der erste deutsche Staat, der Frauen zu mündigen Bürgerinnen machte. Dass das aber nur einer der bemerkenswerten Aspekte der Bayerischen Verfassung ist, zeigt die Ausstellung „Verfassung erfassen“ im Rathausfoyer Landsberg.

Mitgemacht bei der Ausstellung haben viele verschiedene Gruppen unterschiedlichen Alters und verschiedener Herkunft – ein Querschnitt derjenigen, die die Verfassung betrifft. Zum Beispiel Fünftklässler der Johann-Winklhofer-Realschule. „Die Schüler haben dabei ein Bewusstsein des geschichtlichen Verlaufs entwickelt“, erzählt Sozialkundelehrer Armin Schott. Was offensichtlich Spaß gemacht hat: „Am Schluss konnten wir die Schüler kaum mehr bändigen!“

Entstanden sind Spiele zur Verfassung: ein Domino, das richtig aneinandergelegt, die Geschichte von 1818 bis heute darstellt. Oder ein Wurfspiel, dessen Ziel es ist, „mit der Verfassung das Ungerechte umzuwerfen“.

Schüler des Dominikus-Zimmermann-Gymnasiums haben drei Kurzfilme erstellt. Die Themen: Gleichheit, Pressefreiheit und das umstrittene Polizeiaufgabengesetz. Jugendliche des Ignaz-Kögler-Gymnasiums haben sich künstlerisch mit der Verfassung beschäftigt. Vor allem mit Aspekten, die in der Verfassung stehen, jedoch in der Realität nicht voll umgesetzt werden: Der verantwortungsvolle Umgang mit der Natur, in Paragraph 141 gefordert, steht Glyphosat und Plastikschwemme gegenüber. Die reale Gleichberechtigung von Frauen, die zum Beispiel bei Löhnen immer noch nicht angekommen ist. Oder wie es bei dem von Beatrix Klein choreografierten Balletts „Meine Stimme zählt nicht“ heißt: Der Artikel 118 (2) „bietet jedoch noch immer einigen Gestaltungsfreiraum“.

Mitglieder der Lebenshilfe Landsberg haben zur Ausstellung beigetragen. Und Bewohner der AWO liefern Artefakte von damals: eine Dose „Stahl- und Stecknadeln“, Sockenstrickanleitungen – was Frau damals eben so tat. Schließlich liegt da das Sinnbild für das enge Leben der Frauen: das Korsett.

Die Besonderheiten der Bayerischen Verfassung im Vergleich zum Grundgesetz der Bundesrepublik hat Ex-OB Franz Xaver Rößle auf einem Plakat festgehalten: die Pflicht zur „Übernahme von Ehrenämtern“ oder auch die Pflicht zur „Hilfe in der Not“. Zitate berühmter Menschen werden in einem Video von Schauspielern und von OB Mathias Neuner verlesen. Zum Beispiel Humboldt über die Stützen der Verfassung, für ihn „Öffentlichkeit und Bewahrung der Individualität der Menschen“.

„Auch ich hatte relativ wenig Ahnung von der Verfassung“, gibt die künstlerische Leiterin des Projekts Nue Amman zu. Und schmunzelt: „Aber auch viele andere sind keine Profis.“ Bei der Arbeit zur Ausstellung habe sie das Werk kennen- und schätzen gelernt: „Die Verfassung gibt eine Ausrichtung voller Werte, Ideale, Visionen. Und sie wurde mit einem großen Wunsch zur Wahrheit und Menschenliebe geschrieben.“ Die Verfassung sei vor allem eines: ein Geschenk.

Neben der Ausstellung, die bis zum 31. Oktober zu sehen ist, gibt es noch andere Veranstaltungen: Die Stadtbibliothek bietet eine Auswahl von Büchern zum Thema „Verfassung“ an. Performances, Workshops und Ausstellungen laden ein. Und am Sonntag, 21. Oktober, versüßen Musik, Ballett und ein Vortrag im Rathausfestsaal das Thema. Mehr Infos dazu gibt es unter www.kulturinlandsberg.de/verfassung-erfassen.

Susanne Greiner

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