Neues Rathaus für Denklingen

"Historischer Murks" im Gasthof Hirsch

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Die alten Balken sind teils genauso marode wie manche Stellen im Mauerwerk, das statisch ertüchtigt werden muss. Mit Helm Tragwerksplaner Dr. Bernhard Behringer.

Denklingen – Böse Überraschung beim Freilegen statischer relevanter Mauern oder Deckenbalken: Dem denkmalgeschützten Gasthof Hirsch, der zum Rathaus umgebaut werden soll, fehlt an wichtigen Stellen ein tragfähiges Fundament. Nach dem Abriss des Anbaues drohte die Wand gar abzusacken beziehungsweise zu kippen. Eine aufwändige Verpressung im Erdbereich und ein feste Verbindung mit 22 Schrauben auf Deckenhöhe waren dort für die Sicherung notwendig.

Bei einem Ortstermin auf der Baustelle erfuhren die Gemeinderäte von Architekt Benedikt Sunder-Plassmann (Greifenberg) und von Tragwerksplaner Dr. Bernhard Behringer (München), dass die Probleme in den Sockelzonen der Außenwände auftreten – und zwar dort, wo, das Gebäude nicht unterkellert ist. An diesen Stellen bestehen die Wände unten zu bis zu 50 Zentimeter Höhe nicht aus Ziegeln, sondern aus Kieseln verschiedener Größe, über den Mörtel und den Außenputz zusammengehalten werden. Erst ab einem halben Meter Höhe ist die Außenwand mit Ziegeln gemauert.

Der Bauherr, also die Gemeinde, muss mit Architekt und Fachplaner die Standsicherheit gegenüber einem Prüfingenieur nachweisen. Notwendig ist auf jeden Fall die Ausbesserung der Mauersockel in den nicht unterkellerten Bereichen. Dazu soll die Sockelzone in mehreren Etappen abgebrochen werden. Danach kann ein Fundament gesetzt werden, das einen halben Meter stark ist. Darüber wird anschließend bis zur ersten Ziegelschicht aufgemauert.

Weil die Gefahr eines Absackens oder gar eines Wegkippens drohte, wurde die Injektion unter der Nordwand rasch ausgeführt. Mit dieser Verpressung war ein Spezialtiefbauer aus Dietramszell befasst.

Die Untersuchungen am oberen Mauerwerk brachten ebenso unliebsame Überraschungen zu Tage – und zwar im Bereich des geplanten Auflagers für Stahlträger im ersten Stock. Es ist erforderlich, an der Innenseite der Giebelwand über eine Stahlstütze auf ein Joch über der ehemaligen Eingangstür abzulasten. Dieses Joch ersetzt einen Holzbalken, der vollständig verwurmt ist. Notwendig ist an der inneren Wand im Flur und am Giebel ein Betonpolster.

In der ehemaligen Schänke und in der Küche sind die Balken zwischen Erdgeschoss und erstem Stockwerk inzwischen freigelegt worden; einige sind bereits gebürstet – sprich gesäubert – worden. Doch auch dort sind gravierende statische Mängel zu Tage getreten. Die Rede ist von „fatalen Eingriffen“ in die alte Substanz. Tragwerksplaner Dr. Behringer sprach beim Orts­termin – mit der Taschenlampe zum Wechsel im Gebälk leuchtend – gar von „historischem Murks“.

Die maroden Balken zu ersetzen, sei ein gigantischer Aufwand. Deshalb schlug der Fach­ingenieur vor, die Statik mit teilweise verstärkten Streifen in der Betondecke (14 statt 10 Zentimeter) zu gewährleisten. Die historischen Balken, mehrere hundert Jahre alt – werden belassen, einfach untergehängt und nach oben verschraubt. Sie brauchen keine Last zu tragen.

Belastbare Zahlen liegen inzwischen zu den Mehrkosten vor die auf die Gemeinde als Bauherrin zukommen. Bei den Baumeisterarbeiten – vor Ort sind die Handwerker der Firma Lutz aus Landsberg – beträgt die Summe für das Nachtragsangebot 106.000 Euro. Die Ausgabe dafür wurde im Gemeinderat ebenso mehrheitlich genehmigt wie auch für das Verpressen (58.000 Euro). Der Zimmererbetrieb aus Stöttwang, der marode Balken reparieren oder austauschen muss, hat einen Nachtrag von 14.000 Euro eingereicht; er wurde ebenfalls bewilligt.

In der Summe machen die aktuellen Nachträge 178.000 Euro aus. Damit erhöhen sich die Kosten am Bauwerk auf gut 2,5 Millionen Euro für die Baukonstruktion. Ingesamt sind für den Umbau zum Rathaus 4,3 Millionen Euro veranschlagt.

Johannes Jais

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