Autohändler aus dem Landkreis Landsberg vor Gericht

Wenn sich edle Karossen als Schrottautos entpuppen

Schrottplatz Symbol
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Zu gut für den Schrott dachte sich wohl ein Autohändler aus dem Landkreis Landsberg. Er steht jetzt vor dem Amtsgericht Landsberg, weil er die Schrottautos notdürftig repariert und teuer weiterverkauft haben soll.
  • Ulrike Osman
    VonUlrike Osman
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Landsberg – Weil sie erheblich beschädigte Fahrzeuge an gutgläubige Kunden verkauft haben sollen, stehen derzeit ein 35-jähriger Autohändler und sein Vater, beide aus dem Landkreis, vor dem Amtsgericht Landsberg. Die Autos – allesamt Totalschaden – stammten laut Anklageschrift aus den USA und kamen über osteuropäische Händler nach Litauen, wo sie notdürftig repariert wurden. Im Verkaufsraum sah man ihnen ihre Vorgeschichte nicht an – im Gegenteil. 

„Das Auto stand äußerlich tiptop da“, sagte im Zeugenstand einer der Geschädigten über den weißen Audi Q5, den er 2017 für 35.000 Euro kaufte. Den „leichten Heckschaden“, den der Händler (kein Vertragshändler) bei den Verhandlungen erwähnte, ließ er in den Kaufvertrag aufnehmen. „Es war keine Rede von einem Totalschaden“, so der 50-jährige Außendienstangestellte aus Graben. „Meine Frau und ich sind eineinhalb Jahre in dem Glauben gefahren, dass wir ein gutes Auto haben.“

Das böse Erwachen kam im September 2018 in Gestalt eines Schreibens vom Landratsamt Augsburg. Es bestehe der Verdacht, dass an dem Wagen die Airbags manipuliert worden seien. Die Behörden waren zu jener Zeit einer größeren Menge getarnter Schrottautos aus den USA auf der Spur. Der 50-jährige Grabener wurde aufgefordert, seinen Audi in einer Vertragswerkstatt überprüfen zu lassen. Dort bestätigte sich der Verdacht. Die Airbags wären bei einem Unfall wohl nicht aufgegangen, die Gurtstraffer waren offenbar nur notdürftig zusammengelötet.

Das Gleiche erlebte ein 55-jähriger Arbeiter aus Kaufering. Der Mann und seine Frau steckten ihre Ersparnisse von zehn Jahren in einen Audi Q5, der nach Aussage des Händlers aufgrund eines Auffahrunfalls einen kleinen Blechschaden am linken Kotflügel und am Stoßstangenschützer gehabt haben sollte. Beides sei in der eigenen Werkstatt repariert worden. „Ich habe ihm vertraut“, sagte der Geschädigte.

Dass das Auto aus den USA stammte, habe er gewusst. Und der Kaufvertrag trug die Überschrift „Gebrauchtes Kraftfahrzeug aus Verwertung und Unfall“. Die Begriffe „total loss title“ und „salvage car“, die beide im Vertragstext auftauchten, sagten ihm allerdings ebenso wenig wie dem Zeugen aus Graben. Beides bezeichnet in den USA einen Totalschaden beziehungsweise die Stilllegung eines nicht mehr fahrtüchtigen Autos.

Auch ein 47-Jähriger aus Niedersachsen – von Beruf Kriminalbeamter in Betrugssachen – fiel auf die Masche herein. Er fand über eine Internetplattform einen Audi Q7 bei dem Händler. Am Telefon sei ihm versichert worden, das Fahrzeug sei beschädigt gewesen, repariert worden und in Deutschland bereits gelaufen. Es komme aus Hamburg. Im Februar 2018 holte der Polizeibeamte den Wagen bei dem Händler ab und war beeindruckt von dem Geschäft des Angeklagten. „Die Firma war äußerlich super aufgebaut, im Verkaufsraum standen vier hochpreisige Fahrzeuge.“

Wieder zu Hause, wollte der Kunde jedoch auf Nummer sicher gehen. Er gab die Fahrzeugnummer auf einer Internetseite ein, die die Historie von Gebrauchtwagen überprüft. Auch hier folgte das böse Erwachen – und der Gang zum Gutachter. Der habe auf der Hebebühne schon beim ersten Blick erhebliche Schäden festgestellt. „Das Auto war eine tickende Zeitbombe“, so der 47-Jährige.

Inzwischen haben bereits Zivilverhandlungen vor dem Landgericht Augsburg stattgefunden. Der Händler musste die Fahrzeuge des Grabeners und des norddeutschen Polizeibeamten zurücknehmen und den Kaufpreis erstatten. Der Kauferinger hat den 35-Jährigen auf Erstattung der Reparaturkosten verklagt. Alle drei bleiben aber auf nicht unerheblichen Beträgen sitzen, darunter Unterstell- und Mietwagenkosten, Gutachterkosten und Finanzierungszinsen.

Der 35-jährige Autohändler als Hauptangeklagter und sein 61-jähriger Vater, der ebenfalls den Kunden gegenüber falsche Tatsachen vorgetäuscht haben soll, äußerten sich am ersten Verhandlungstag vor Strafrichter Michael Eberle nicht zu den Vorwürfen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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