Die Verschollenen

Das treibt nicht nur den Erschaffer die Zornesröte ins Gesicht: Die 25000 Euro teure Skulptur vom Heilig-Geist-Spital wurde nach dem unfachmännischen Abbau im Frühjahr 2008 so auf dem Bauhof „zwischengelagert“. Foto: Lorenz

Vor dreieinhalb Jahren ist auf dem Gelände des Heilig-Geist-Spitals eine Skulptur des Thaininger Bildhauers Joachim Maria Hoppe von Bauarbeitern schwer beschädigt worden. Das anlässlich der 650-Jahr-Feier des Spitals von der Stadt angekaufte Kunstwerk erinnert an das segensreiche Wirken der Barmherzigen Schwestern. Bis heute ist es nicht an seinen angestammten Platz zurückgekehrt. Längst ist die Skulptur repariert, doch die Eigentümerin denkt offensichtlich nicht daran, sie abzuholen.

Als im Frühjahr 2008 die Arbeiten für den Anbau des Heilig-Geist-Spitals begannen, musste die Figurengruppe Joachim Hoppes von ihrem, seit 1998, angestammten Platz weichen. Der Künstler war von der anstehenden Abbaumaßnahme nicht unterrichtet worden; und so rückten die Bauarbeiter mit ihren Baggern den beiden steinernen Damen recht unsanft zu Leibe. Mitsamt dem Fundament wurde die Skulptur aus der Erde gerissen und dabei schwer beschädigt. Reparaturkosten: 5000 Euro. Das allein würde schon genügen, um so Manchen verwundert den Kopf schütteln zu lassen. Kaum mehr zu verstehen ist aber, wie weiter mit dem „Malheur“ umgegangen wurde. Pech war wohl weniger der Grund für die Pannenserie, die nun einsetzen sollte und die bis heute nicht abgerissen ist; schon eher könnte man mutmaßen, dass es sich, vorsichtig formuliert, um eine bedauerliche Lieblosigkeit im Umgang mit Kunst handelt. Zwischen Pflastersteinen, Isolierrohren und Paletten ent­- deckte Hoppe sein ramponiertes Werk wenig später auf dem städtischen Bauhof und „war entsetzt“. Damit „nicht alles noch schlimmer“ würde, bot er der Stadt an, die knapp eine Tonne schwere Steinskulptur zurück in seine Werkstatt zu holen und unterbreitete zugleich ein Angebot für ihre Wiederherstellung. Der Auftrag wurde erteilt. Die Arbeit wurde vom Künstler ausgeführt, die Rechnung von der Stadt beglichen. Ziemlich genau zweieinhalb Jahre ist das nun her. Seitdem sitzt Hoppe auf seinem Werk. Die Frage nach dem Verbleib der Skulptur quittiert Andreas Létang, Leiter des Heilig-Geist-Spitals, mit einem Schulterzucken. Der Chef des städtischen Hochbauamtes, Peter Huber, lässt auf Anfrage wissen, dass man mit der Aufstellung der Barmherzigen Schwester und ihres Mündels warten wolle, „bis die Gesamtplanung der Altbausanierung steht“. Nocheinmal wolle man das Risiko einer Umsetzung nicht eingehen. Huber rechnet vor: Die Skulptur erneut zu installieren, wird wohl „nicht unter 3000 Euro“ kosten. Im Übrigen wisse man das Werk bei dem Künstler, der sich „der Stadt gegenüber in der Pflicht“ fühle, in guter Obhut. Das sieht Hoppe ganz anders und ärgert sich über die „Altlasten“, die nun schon seit so langer Zeit sein Atelier okupieren: „Die Arbeit ist vollkommen wiederhergestellt. Selbst die Bohrungen im Stein, an denen die Gewindebolzen bei der Aufstellung eingepasst werden, sind schon gesetzt.“ Vorort müsse lediglich noch ein kleines Betonfundament gegossen werden. Ein aus seiner Sicht geeigneter, Standort wäre die vor dem Altbau zum Leitenberg hin gelegene Wiese; diese hat man auch im Bauamt ins Auge gefasst. Gleichwohl liegt die Skulptur nach wie vor im Lager des Thaininger Bildhauers. Überrascht von dem Vorgang zeigte sich die Seniorenbeauftragte des Stadtrates, Martha Borgmann (UBV). Sie ist Mitglied im Arbeitsausschuss Heilig-Geist-Spital und hat die Wiederaufstellung des städtischen Kunstobjekts „schon einmal“ angemahnt. Dass es seit über zwei Jahren „fertig verpackt und bereit zum Mitnehmen“ ein trauriges Dasein auf dem Hof seines Erschaffers fristet, verwunderte sie schon sehr. Sie werde das Thema heute Abend im Bauausschuss zur Sprache bringen. Auf unbestimmte Zeit Sollte es dabei bleiben, dass die Skulptur erst aufgestellt wird, wenn der Plan für die Altbausanierung steht, wird Joachim Maria Hoppe seinen beiden Damen in Stein wohl noch auf unbestimmte Zeit Zuflucht gewähren müssen. Schließlich ist bekannt, dass die Mittel für die Sanierung derzeit auf Eis liegen.

Auch interessant

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Ziegelanger: Wohnungsbau mit Stolpersteinen
Ziegelanger: Wohnungsbau mit Stolpersteinen
Der zahnlose Tiger im Nahverkehr
Der zahnlose Tiger im Nahverkehr
Penzinger Feld gewinnt das Tauziehen
Penzinger Feld gewinnt das Tauziehen

Kommentare