Neue Lage am Standort des LTG61

Penzing bleibt militärisch

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Das Lufttransportgeschwader 61 zieht wie geplant ab, doch der Fliegerhorst Penzing bleibt entgegen ursprünglicher Planung doch in militärischer Hand.

Penzing – Anders als zugesagt steht der Fliegerhorst Penzing in absehbarer Zeit nicht für eine zivile Nachnutzung zur Verfügung. Das Bundesministerium der Verteidigung will das Areal auch nach dem Abzug der Transall für militärische Zwecke vorhalten. Diese Information der KREISBOTEN wurde heute vom Lufttransportgesellschaft 61 (LTG 61) bestätigt. Landkreis und Kommunen reagierten enttäuscht.

Die Bundeswehr möchte sich mit dem Stopp der Konversion offenbar alle Optionen offenhalten. „Es ist nicht die Zeit, abzurüsten“, hört man aus politisch informierten Kreisen in Bonn. Im Gegenteil: Nach den Plänen von Ministerin Ursula von der Leyen sollen die Verteidigungsausgaben von derzeit 37 Milliarden Euro pro Jahr in den nächsten drei Jahren um rund zehn Milliarden Euro wachsen. Die Zahl der Soldaten soll bis 2024 von derzeit 178.000 auf 198.000 erhöht werden. Die Entscheidung, den Fliegerhorst nicht aufzugeben, sei in diesem Kontext zu sehen. Es gehe nicht so sehr um Penzing, sondern ums Prinzip.

Stillstandswartung

Was die Bundeswehr in Penzing plant und ob es überhaupt konkrete Pläne gibt, ist unklar. Der Fliegerhorst eignet sich wegen seiner nur zwei Kilometer langen Start- und Lande­bahn und seiner geographischen Höhe von über 600 Metern nicht für eine Stationierung von Kampfjets wie den Eurofighter; weder in Landsberg noch in Penzing müsse man sich insofern Sorgen machen, erklärte ein Flugexperte auf Anfrage gegenüber dem KREISBOTEN.

Selbst für das Auftanken von Transalls, die aufgrund der schleppenden Auslieferung des Nachfolgeflugzeugs A400M noch eine Zeit lang aus Hohn in Schleswig-Holstein in die Welt aufbrechen werden, sei Penzing kein guter Standort, weil man hier nicht mit voller Last (und damit auch vollem Tank) starten könne; Fürstenfeldbruck sei da viel geeigneter.

Zu dieser Einschätzung passt, dass in Bundeswehrkreisen das Wort von der „Stillstandswartung“ die Runde macht. Andere sprechen von einem „Reservisten-Status“ des Fliegerhorsts. Am Zeitplan des LTG 61-Abzugs ändere sich jedenfalls nichts, erklärte Oberstleutnant Max-Joseph Kronenbitter heute Nachmittag gegenüber dem KREISBOTEN.

Derzeit sind noch 800 Soldaten und zivile Bedienstete in Penzing vor Ort; das ist ein Drittel des einstigen Höchststands von 2.400 Personen. Im Hinblick auf den Tag der Bundeswehr am 10. Juni mit vielen Veranstaltungen auf dem Fliegerhorst bleibe es zunächst dabei. Der 30. September sei personalpolitisch aber ein wichtiger Stichtag. Die letzte Transall wird Penzing wohl im gleichen Monat verlassen. Über den 31. Dezember hinaus verbleibt ein Nachkommando von 150 Personen auf dem Fliegerhorst. Was sie konkret abbauen, ist nun aber wieder offen.

Die Bell UH-1D-Hubschrauber der Search&Rescue (SAR) Staffel sind zum Ende vergangenen Jahres bereits zu ihrem aktuellen Heimatverband, dem Transporthubschrauberregiment 30 im Baden-Württembergischen Niederstetten, verlegt worden. Zusätzlich zu den Soldaten und Bediensteten des LTG 61 arbeiten derzeit noch 90 weitere Personen auf dem Fliegerhorst.

Schadenersatz?

Eines ist klar: Die Gespräche zwischen der BImA, der dem Bundesfinanzminister unterstellten „Bundesanstalt für Immobilienaufgaben“, und der Gemeinde Penzing sind erst einmal gegenstandslos. Die aus der „Bundesvermögensverwaltung“ hervorgegangene Anstalt, die bundesweit 490.000 Hektar Grund und 38.000 Wohnungen vermarktet, hatte als Käufer für die 270 Hektar „Fliegerhorst“ vor allem die Gemeinde im Auge, die ein Vorkaufsrecht besitzt.

Die war auch grundsätzlich interessiert und hatte dazu bereits viele Schritte in die Wege geleitet. Um die wirtschaftlichen und rechtlichen Parameter der sich anbahnenden Transaktion in den Griff zu bekommen, hatte sie unter anderem ein Wertgutachten in Auftrag gegeben und die Münchener Anwaltskanzlei Becker, Büttner, Held mit der juristischen Begleitung betraut. Fraglich ist, ob die Gemeinde nun Schadensersatz vom Bund beansprucht. Bürgermeister Johannes Erhard war den ganzen Tag in einer Besprechung und für die Presse nicht erreichbar.

Auch Landsbergs Oberbürgermeister Mathias Neuner war immer wieder involviert und hatte engen Kontakt mit Erhard gehalten. Ein kleiner Teil des Fliegerhorsts liegt auf Landsberger Stadtgebiet. Außerdem wird Landsberg gebraucht, um das Gelände bei einer Nachnutzung verkehrstechnisch zu erschließen – der Weg über den Penzinger Kreisel würde zu großen Belastungen führen. Letztlich ist eine erfolgreiche Vermarktung des Areals nur bei einem Konsens der beiden Kommunen möglich; wenn zwischen ihnen Streit besteht, wird kein Unternehmen dort investieren.

Selbst entwickeln

Die Gemeinde hatte sich vorgenommen, das Gelände selbst zu entwickeln und zu verwerten. Die zahlreich eingegangenen Angebote von bundesweit tätigen Projektentwicklern, das Areal zu kaufen und für eine Kombination aus gewerblicher und wohnlicher Nutzung zu vermarkten, hatte die Penzinger Verwaltung in Abstimmung mit dem Gemeinderat bis dato abgelehnt. Welche Pläne sie konkret hatte, ließ sie im Prinzip offen. Um die Kosten nicht in die Höhe zu treiben, stapelte sie bewusst tief; Johannes Erhard ließ sich mit dem Konzept zitieren, die Gemeinde denke an eine Kombination aus Wohnnutzung, Landwirtschaft und „Start-ups“.

In Wirklichkeit war den Handelnden klar: Penzing mit seiner Lage und Anbindung ist geradezu ein Idealfall für die Ansiedlung leistungsfähiger Unternehmen. „Für den Landkreis wäre die Konversion ein wichtiger Schritt zu mehr Arbeitsplätzen und Wachstum in der Region. Die Chancen für Penzing und den ganzen Landkreis sind an dem Standort schon aufgrund seiner Verkehrsanbindung immens“, erklärte am heutigen Nachmittag Landrat Thomas Eichinger auf Anfrage des KREISBOTEN. Vor der Bundestagswahl 2017 im September erwarte er dazu aber keine abschließenden Entscheidungen auf Bundesebene.

Auch Oberbürgermeister Mathias Neuner zeigte sich über den Sinneswandel des Ministeriums überrascht. "Es wäre schade, wenn die Fläche des Penzinger Fliegerhorstes nicht für eine gewerbliche oder industrielle Entwicklung zur Verfügung stehen würde. Die Gemeinde Penzing und die Stadt Landsberg sehen dort sehr viel Entwicklungspotential. Allerdings habe ich großes Verständnis für die Bundeswehr, dass sie bei der aktuellen Sicherheitslage und den Entwicklungen auf der Welt das militärische Konzept überdenkt und eventuell neu ausrichtet. Das sehe ich als grundsätzlich richtig an. Wir werden weiterhin Überlegungen zur einer Konversion gemeinsam mit der Gemeinde Penzing anstellen."

Werner Lauff

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