Ein Vertreter des sachlichen Heimatstils

Der Bahnhof Riederau wurde 1937 erbaut und steht seit einigen Monaten unter Denkmalschutz. Foto: Nagl

Am Heiligen Abend 1898 verkehrte erstmals ein Zug zwischen Augsburg und Weilheim. Die Ammersee-Bahn war aus der Taufe gehoben. 1937 wurde die Bahnlinie um mehrere Bahnhöfe entlang der Strecke erweitert. Auch das Bahnhofsgebäude in Riederau wurde gebaut. Im Herbst 2011 wurde der kleine Bahnhof, der nur einen Steinwurf vom Ammersee entfernt ist, vom Landesamt für Denkmalpflege unter Denkmalschutz gestellt.

„Bei dem Bahnhof handelt es sich um ein wichtiges, ungewöhnlich gut erhaltenes Zeugnis des Ausbaus der Ammerseebahn in den 1930er Jahren, die sowohl die wirtschaftliche wie touristische Entwicklung der Region zum Ziel hatte“, erläutert Dr. Detlef Knipping im Schreiben des Landesamts für Denkmalpflege an die Marktgemeinde Dießen. Nach Ansicht der Denkmalschützer ist der Satteldachbau ein „zeittypischer, qualitätvoller Vertreter des sachlichen Heimatstils der 30er Jahre, der in seiner offenen Gestaltung mit versetzten Baukörpern, weit vorkragendem flachem Dach, dekorierter Zwiebelhaube und abstrahierend figürlichen Wandmalereien auf die Architektur der 50er Jahre voraus weist.“ Der Name des Architekten ist leider ebenso wenig überliefert, wie der Name des Malers, der die Wandmalereien an der südlichen Außenfassade und im Bereich der offenen Wartehalle angebracht hat. Das Wandbild am Ausgang der Wartehalle, das im Ammersee badende Kinder zeigt, ist noch erhalten. Zu den Merkmalen des „reduzierten Heimatstils“, der lokale Architekturformen aufgreift, gehören wie Detlef Knipping auf Anfrage des KREISBOTEN erläutert, neben dem flachen Satteldach mit seinem üppigen Dachüberstand auch der rustikale Putz. Dadurch zitiere der Bahnhof die bäuerliche Architektur in der näheren Umgebung, zum Beispiel auch den Stohrerhof, der dem Landkreis Landsberg lange als Kreisheimatstube diente. Ein bemaltes Uhrentürmchen mit Zwiebelhaube, das auf dem Bahnhofsdach thront, kann als kleine Hommage an die sakrale Architektur im Pfaffenwinkel gedeutet werden. Einen Vorgriff auf die 50er Jahre sieht der Kunsthistoriker insbesondere in der offenen Architektur mit versetzten Baukörpern und in der Wandmalerei: „Die Malerei, auch die Bemalung des Dachreiters wirkt fröhlich. Sie ist figürlich abstrahierend und zeigt keine nationalsozialistischen Kraftmenschen. Das war in den 30er Jahren etwas Besonderes.“ „Dem Bahnhof ist es wohl zu danken, dass aus dem ursprünglich aus zwei Bauernhöfen bestehenden Riederau eine Ortschaft mit mehr als 1000 Einwohnern entstand“, meint Alwin Reiter, bekennender Ammersee-Bahn-Fan aus Geltendorf – nachzulesen auf Reiters sehr informativer Internetseite www.ammerseebahn.de. Für diese These sprechen mehrere Häuser die im Stil der 30er Jahre entlang der Hauptstraße erbaut worden sind. Wer sich vertiefend mit der Geschichte der Ammerseebahn beschäftigen möchte, dem sei die Lektüre des Taschenbuches „Die Ammerseebahn. Verkehrsentwicklung im westlichen Oberbayern“ von Andreas Janikowski empfohlen.

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