Anderweitige Nutzung?

Dießener „Gewächshaus“ in der nächsten Gerichts-Runde

Gewächshaus - Dießen - St.-Martin-in-Hädern
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Nicht unbedingt wie ein klassisches Gewächshaus sieht der Streitgegenstand in St.-Martin-in-Hädern aus.
  • Dieter Roettig
    VonDieter Roettig
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Dießen – Wie muss ein klassisches Gewächshaus aussehen, damit die Behörden keinen Verdacht für eine anderweitige oder zusätzliche Nutzung schöpfen? Dieser und weitere Streitpunkte im Dießener Ortsteil St.-Martin-in-Hädern beschäftigen seit Jahren Marktgemeinde, Landratsamt und Gerichte.

2014 hatte der Gartenbauunternehmer Frank Pohlkötter auf seinem Grundstück in St.-Martin-in-Hädern ein stattliches Gewächshaus mit Blick auf den Ammersee errichtet, das jetzt zum wiederholten Male Streitpunkt einer Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht war. Pohlkötter hatte gegen die Beseitigungsanordnung geklagt. Ein Urteil der Open-Air-Verhandlung bei teils strömendem Regen steht noch aus. Johann Oswald, der Vorsitzende der Kammer, inspizierte mit Beisitzern und Protokollführerin genauestens das strittige Gewächshaus vom Keller bis zum Dachgeschoss. Denn es ging auch um eine von der Baugenehmigung abweichende Bebauung. So wurde das Gebäude an der Südseite um 75 Zentimeter höher errichtet als erlaubt. Den nachträglich eingereichten Tekturantrag hatte das Landratsamt abgelehnt. Gegen den angeordneten Rückbau auf das genehmigte Maß klagte nun Frank Pohlkötter. Laut seiner Aussage würde der Rückbau rund 200.000 Euro kosten, obwohl sich das Innere im südlichen Teil noch im Rohbau befindet. Befremdlich sah Richter Oswald im Dachgeschoss Sanitär- und Küchenanschlüsse.

Vertreter vom Landwirtschafts­amt wiesen das Gericht darauf hin, dass es sich bei dem opulenten Gebäude nicht um ein „klassisches, in der Regel einfach gebautes Gewächshaus handelt“. Es sei unüblich, dass es kein Glasdach besitze. Leopold Thum, der Anwalt des Klägers, verteidigte die repräsentative Bauweise damit, dass in dem Gebäude auch der Verkauf stattfinde. Und durch die Lüftungs- und Beleuchtungsanlage sei sehr wohl eine Obstbaumzucht möglich.

Wirtschaftlicher Betrieb?

Richter Oswald wiederum sah trotz Pflanzkübeln im und hinter dem Gewächshaus keinen gartenbaulichen Betrieb einer Edelreiserzucht für den Obstbau. Er zweifelte sogar an, ob hier überhaupt von einem wirtschaftlichen Betrieb gesprochen werden könne. Kläger-Anwalt Thum argumentierte, dass die Marktgemeinde mit ihren Veränderungssperren die Entwicklungsmöglichkeiten verhindert hätte. Der gemeindliche Anwalt Dr. Gerhard Spieß meinte ob der aufgestellten Pflanzkübel, dies sei eine „nur schwer zu ertragenden Inszenierung des Klägers“. Die „beigeladene Marktgemeinde“ wurde von Bürgermeisterin Sandra Perzul sowie von Bauamtsleiterin Johanna Schäffert vertreten.

Das Verwaltungsgericht München sprach neben dem zu hohen Südteil des Gewächshauses noch einen weiteren zu klärenden Konfliktpunkt an, nämlich die Höhenlage des Gewächshauses. Hier stehe die Frage des gesamten Rückbaus im Raum. Die Marktgemeinde berufe sich nämlich auf den Landesentwicklungsplan. Der fordert, Anhöhen und Kuppen von Gebäuden frei zu halten. Damit könnte die Klage Pohlkötters zu einem Eigentor werden.

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