»Werde der, der du bist«

»Verwandlungen« gibt es noch bis zum 30. Dezember in der Zedergalerie zu sehen

Stefan Wehmeier mit einem seiner verformten Köpfe vor Werken von Gudrun Daum.
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Stefan Wehmeier mit einem seiner verformten Köpfe vor Werken von Gudrun Daum. Im Vordergrund etwa die böse Schwiegermutter aus Schneewittchen, die sich heutzutage sicherlich einer Schönheits-OP unterzogen hätte, so die Künstlerin. Daher der Kopfverband.
  • VonAndrea Schmelzle
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Landsberg – So alt, wie die Menschheitsgeschichte und ein Thema, das jeden betrifft: Nicht nur die griechische und römische Mythologie beschäftigte sich mit „Metamorphosen“, auch die Kunst nimmt sich diesem „Wunder“ an, erklärt Kunsthistorikerin Birgit Kremer in ihren einführenden Worten anlässlich der Eröffnung der elften Ausstellung in der Zedergalerie. „Verwandlungen“ lautet ihr Name schlicht. Arbeiten von Gudrun Daum, Eva Kunze und Stefan Wehmeier zeigen, dass man sich dem Thema auf ganz eigenen Wegen näher kann – und machen den Wandel der äußerlichen Gestalt, aber auch die Verwandlung, die im Inneren stattfindet, sichtbar.  

Beim Stöbern in einem alten Märchenbuch ihrer Großmutter seien Kindheitserinnerungen hochgekommen, erzählt die Landsberger Künstlerin Gudrun Daum. Und eine Idee. „Wenn sie nicht gestorben sind, leben sie noch heute“, heißt es am Ende von Märchen. Was passiert aber mit den „Hauptdarstellern“? Daum versucht in ihrer Serie aus dem Jahr 2018, Märchen in unsere Zeit hineinzuversetzen und zu modernisieren. Dadurch verwandeln sich auch die „Protagonisten“. Die sind nun im Erwachsenenalter und alle ziemlich emanzipiert. Rapunzel mit Smartphone in der Hand. Das Aschenbrödel als rebellische Punkerin. Das Rotkäppchen hat den Wolf als Spielpuppe in der Hand – das lässt Raum für Interpretationen. „Jede Figur geht ihren Weg“, so Daum. „Die Werke lassen Raum für Hoffnung, Zuversicht, Mut und Phantasie“. Mit „energischem Duktus“ und einem Pinselstrich, der sich fast an den Rändern verliert, seien Bilder entstanden, mal mehr, mal weniger aufgelöst – je nachdem wie das Thema es verträgt.

„Verhüllt/enthüllt“ heißt eine Serie von Eva Kunze. Teile davon werden auch in der Zedergalerie ausgestellt.

Die Münchner Künstlerin Eva Kunze dagegen nähert sich dem Thema auf ganz andere Weise. In ihren 24 ausgestellten Öl-Arbeiten geht es eher um den Bezug nach Innen. Man wisse nie: Ist es Verpuppung oder ist es eine ‚Schlüpfung‘?, meint Birgit Kremer. „Irgendwie hat ja alles mit Verwandlung zu tun“, sagt die Künstlerin selbst. Generell in ihrer Kunst gehe es um das Leben, um Gefühle. Aber auch um Stimmungen, Verbindungen von Kopf und Herz, von Denken und Gefühl. Bestimmte Symbole tauchen immer wieder auf. Die Farbei rosa. Das Herz – verbunden mit dem Kopf. Flügel als Symbol für Freiheit. Die Übergänge von einer Serie zur nächsten sind bei ihr fließend. „Verhüllt/enthüllt“heißt eine andere Serie, für die sie sich Inspirationen aus Modekatalogen geholt hat, um den Zeitgeist widerzuspiegeln. Hier gehe es darum: „Was zeige ich von mir, was nicht?“, sagt sie. Immer wieder in ihren Werken werde ein inneres und äußeres Wechselspiel deutlich, so Kremer – verbunden mit der Frage ‚Wer bin ich‘?

Wieder völlig anders die Keramik-Arbeiten von Stefan Wehmeier, der – ausgehend von einem Selbstportrait – eine Serie von Keramik-Köpfen zeigt. Jeder besonders und einzigartig. Denn jeder wird verwandelt: Die Köpfe wurden im noch ungebrannten Zustand verformt, gestaucht, fallengelassen, zerstört und zu einer ganz anderen Form gestaltet. Durch „Zerstörung entstehe etwas Neues“, so Wehmeier. Das sei etwas Positives. Die unterschiedlichen Glasuren unterstreichen dabei zusätzlich die optischen Verwandlungen. Sehr bewegte, oft farbige Oberflächen, manchmal aber auch dunkel und monochrom – verschiedene Persönlichkeitszustände, ein Widerspiegeln des eigenen Ichs, das immer in Bewegung und nie gleich sei, sagt Kremer.

Bei Stefan Wehmeier stehen zwölf Köpfe für zwölf Monate, ein ganzes Jahr, vier Jahreszeiten. „Allerdings könnte man das unendlich fortsetzen, denn wir sind nie fertig mit unseren Verwandlungen“, sagt Kremer. Das sei ein Lebensthema. „Werde, der du bist. Versuche dich zu vervollkommnen“. Diesen Weg versuchen die Kunstwerke nachzuspiegeln und zeigen auf, dass das ein Prozess ist. Dabei sei es wichtig, den eigenen Metamorphosen nachzuspüren und über sie zu reflektieren. Im besten Fall werde schließlich aus einer Larve ein Schmetterling.

Über seine eigenen Verwandlungen reflektieren – das muss jeder für sich selbst. Aber den Wegen der drei Künstler nachspüren, das geht noch bis um 30. Dezember in den Glasräumen der Zedergalerie.

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