Was tun mit Biomüll?

Lieber eine "saubere Sache"

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Vom Abfallwirtschaftszentrum Hofstetten aus werden die Bioabfälle weiter zur Verwertungsanlage gebracht.

Landkreis – Dass die Biotonne kommt, ist längst beschlossene Sache. Was mit dem Biomüll aber im Anschluss passieren soll, darüber ist man sich noch nicht einig. Von einer offenen Kompostierung bis hin zur Verwertung in einer Vergärungsanlage reichen die Möglichkeiten. In der gemeinsamen Sitzung des Umwelt- und des Kreisausschusses einigte man sich nun jedoch darauf, die „Verkompostierung jeglicher Art“ für die Biomüllverwertung auszuschließen. Besonderer Wert soll auch auf die Abwärmenutzung oder die Einspeisung ins Erdgasnetz gelegt werden.

Gemeinsam mit der Kreisverwaltung hat das Ingenieurbüro Schmidt/Bechtele das Pflichtenheft für die Ausschreibung ausgearbeitet. Dieses umfasst fol- gende Leistungen: Die Übernahme der Abfälle am Abfallwirtschaftszentrum Hofstetten sowie den Transport zur Verwertungsanlage mit Fahrzeugen, die mindestens EURO-5- Norm beziehungsweise EURO-6-Norm entsprechen. Außerdem soll in den Leistungen die Entsorgung der aussortierten Reststoffe und die Verwertung von Kompost beziehungsweise Gärresten enthalten sein. Um einen ausreichenden Wettbewerb zu gewährleisten, soll die Ausschreibung „technikoffen“ unter Berücksichtigung von Kompostierung und Vergärung erfolgen, erläuterte Johann Bernauer von der Kommunalen Abfallwirtschaft.

Doch genau darin besteht nun das Problem, denn sowohl die Mitglieder des Umwelt- als auch die des Kreisausschusses waren sich einig, dass eine Kompostierung ausgeschlossen werden müsse. Eine offene Kompostierung sei „mit das schlechteste“, was man nach ökologischen Gesichtspunkten machen könnte, meldete sich Peter Satzger (GAL) zu Wort. Da könne man das Klimaschutzkonzept auch gleich „in den Schredder“ geben. Sein Vorschlag: Man müsse Ziele festlegen, welche technischen Vorgaben die mögliche Verwertung in einer Vergärungsanlage betreffen. Mindeststandard soll dabei dem EEG 2012/2014 entsprechen. Denn eine Vergärungsanlage, die auf dem technisch neuesten Stand ist, könne eine veraltete Anlage oder eine Kompostierung bei weitem übertreffen, so Satzger. Georg Krackhardt (UBV) führte das noch weiter: „Wenn wir mit Abfall Biogas erzeugen, wäre das eine saubere Sache.“

2 Euro mehr pro Bürger

Das würde allerdings auch zu höheren Kosten führen: Bei einer offenen Kompostierung rechnet man ungefähr mit 35 Euro pro Tonne, bei der Vergärung müsse maximal mit 65 Euro pro Tonne gerechnet werden – netto. Diese Mehrkosten würden somit etwa zwei Euro pro Landkreis-Bürger betragen. Ein Betrag, der für Peter Satzger durchaus „vertretbar“ ist. Doch Landrat Thomas Eichinger (CSU) hat da „eine gewisse Hemmung“, schließlich gehe es um das Geld der Gebührenzahler: „Die Mehrkosten müssen für den Bürger transparent sein.“ Einen Ausschluss der Kompostierung halte er obendrein für „verfehlt“. Schließlich wird etwa die Hälfte der Landkreis-Bevölkerung durch die freiwillige Einführung der Biotonne eine offene Rotte haben. „Dann hätte man anders konzipieren müssen“, so Eichinger.

Ein weiterer Punkt, der in der Sitzung zur Diskussion stand, war der Transport der Bioabfälle. „Zur Sicherung des „Näheprinzips“ wird ein Wertungs- zuschlag in Höhe von 0,02 Euro pro Tonne pro Kilometer für die einfache Transportentfernung von der Umschlaganlage Hofstetten bis zur Entsorgungsanlage erhoben“, so Bernauer. Beim Restmüll liegt der Wertungszuschlag bei 5 Cent. Satzger forderte, diesen jetzt auch anzupassen: Schließlich blieben die Kosten und Emissionen identisch, egal, ob Bio- oder Restmüll transportiert werde. Dem stimmten die Landkreis-Gremien schließlich zu. Auch den Ausschluss der Verkompostierung jeglicher Art bestimmten Umwelt- (11:2 Stimmen) und Kreisausschuss (7:6 Stimmen).

Astrid Erhard

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