Viel Lärm ums stille Örtchen

Notlösung: Auf der kleinen Grasfläche neben dem elektronischen Stellwerk wäre zumindest Platz für zwei Dixie-Toiletten. Foto: Osman

Am Geltendorfer Bahnhof darf man vieles, nur nicht müssen. Für etliche der täglich rund 8000 Fahrgäste ein drückendes Problem und für die Anwohner ein Ärgernis, denn allzu oft werden ihre Gärten oder der Wald rund um den Park&Ride-Platz als stilles Örtchen missbraucht. Die Bahn AG betrachtet sich als nicht zu­- ständig, da die Bahnhofsgebäude bereits vor Jahren an eine private Investmentgesellschaft verkauft wurden. Jetzt überlegt die Gemeinde, ob sie allein tätig werden soll.

Dass Geltendorf ohne finanzielle Beteiligung der Bahn eine WC-Anlage am Bahnhof betreibt, sieht Bürgermeister Willi Lehmann (CSU) eigentlich nicht ein. „Schließlich machen wir das ja für die Bahn-Kunden.“ Die neuen Eigentümer der Bahnhofsgebäude, die von der Frankfurter Managementgesellschaft Main Asset vertreten werden, haben kein Inte­resse, in Geltendorf sanitäre Anlagen zu betreiben. Für eine Wiedereröffnung der stillgelegten Toiletten müsste die Gemeinde die Bahnhofsgebäude kaufen. „Das würde 500000 Euro kosten“, so Lehmann. „Und die Main Asset weiß noch nicht mal, ob sie überhaupt verkaufen will.“ Nun tut sich jedoch eine neue Möglichkeit auf. Am nördlichen Ende des Bahnhofsgeländes möchte ein Anwohner auf der gegenüberliegenden Straßenseite eine Garagenzeile errichten und hat eine Änderung des Bebauungsplans beantragt. Die Gemeinde könnte einen Teil der Fläche erwerben und hier einen Toilettencontainer aus Edelstahl aufstellen, so Lehmanns Vorschlag. „Das wäre auch vandalismussicher.“ Eine Beteiligung an dieser Lösung habe die DB Station & Service allerdings bereits abgelehnt. Der Gemeinderat ist geteilter Meinung. Für Martin Högenauer (FB) ist der Standort zu weit vom Bahnhof entfernt. „Das ist denkbar ungünstig.“ Sebastian Popfinger (CSU) hingegen meinte: „Am Münchner Marienplatz läuft man zu den Toiletten auch einen halben Kilometer.“ Die Gemeinde will nun klären, wie viel Fläche sie erwerben müsste und möchte sich mit dem Antragsteller über entsprechende Pläne verständigen. „Er soll eine Skizze vorlegen, damit wir sehen, wie das aussehen könnte“, forderte Josef Weiß (CSU). Als vorübergehende Notlösung würde Lehmann im Bereich der Buswen­- deschleife neben dem elektronischen Stellwerk gern zwei mobile Dixie-Toiletten aufstellen. „Wenigstens das will die Bahn überdenken.“ Schützenhilfe bekommt die Gemeinde derweil von Dr. Thomas Goppel. „Die Unbeweg­lichkeit der Bahn ist unerträglich“, sagt der CSU-Landtagsabgeordnete. Der Verkauf der Bahnhofsimmobilien sei eine leichtfertige Aktion gewesen. „Jetzt wird die Verantwortung von einer Ecke in die andere geschoben, und niemand ist mehr zuständig.“ Goppel will nun Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer in einem Brief auf die Zustände in Geltendorf aufmerksam machen.

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