Kammermusik: Große Besetzung

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Bei der Serenade von Rudolf Hindemith: die sechs Instrumentalisten vom Staatstheater am Gärtnerplatz.

Landsberg – Große Besetzung für eine Kammermusik: Diese Einschätzung trifft auf das Konzert zu, das am Sonntagabend im heimeligen Bibliothekssaal des Agrarbildungszentrums zu hören war. Beim ersten Werk – eine vergleichsweise unbekannte Serenade von Rudolf Hindemith – waren es mit dem Klarinettisten, dem Streichquartett und dem Kontrabass gleich sechs Instrumentalisten vom Münchner Gärtnerplatztheater. Die Aufführung dieses Stückes füllte den Raum, der gut 100 Zuhörer aufnimmt und ausverkauft war, klanglich aus.

Sonntag am frühen Abend im Bibliothekssaal: Trotz vorgezogener Vorhänge an den Fenstern der Westfront taucht die Sonne den Saal in ein angenehmes, warmes Licht. Die Künstler um Franz Lichtenstern, dem unermüdlichen Organisator der Kammermusik und seit einigen Wochen Träger des Landsberger Kulturpreises, eröffnen mit einer Serenade von Rudolf Hindemith, der von 1900 bis 1974 lebte und der jüngere Bruder des bekannten Komponisten Paul Hindemith war. 

Dessen Serenade für Klarinette, Streichquartett und Kontrabass stammt aus dem Jahr 1969. Heiter musizieren die sechs Profis vom Gärtnerplatztheater das Marcia zu Beginn und am Schluss. Die temperamentvolle Sophie Lücke am Kontrabass verleiht dem ohnehin tonkräftigen Ensemble noch ein besonderes Volumen. In den Variationen über ein Thema von Antonin Dvorak, die im vierten Satz zu hören sind, treten Franz Lichtenstern am Cello und Dorothea Galler an der Bratsche mit warmem Ton in den Vordergrund. 

Im zweiten Stück, dem Quartett Nummer 3 in G-Dur von Reynaldo Hahn (1874 - 1947), kommt der Bösendorfer-Flügel zum Einsatz. Das wenig bekannte Werk ist 1946 entstanden. Die Streicher – hier sitzt Birgit Seifart, die aus Südafrika stammende Violinistin, am ersten Pult – zeigen technisch und tonlich die ganze Bandbreite ihres Könnens auf. Impulsiv und vorwärtsdrängend spielt Anke Schwabe am Flügel. An wenigen Stellen im Allegro assai, dem vierten Satz, ist dieses Instrument im Vergleich zu den drei Streichern zu kräftig. 

Nach der Pause folgt ein Werk aus der Feder eines großen Komponisten der Romantik. Es ist das Quintett h-moll für Klarinette, zwei Violinen, Viola und Cello. Beeindruckend ist das taktlich und tonlich exakte Zusammenspiel der vier Streicher, die von der aus Japan stammenden Geigerin Kumiko Yamauchi angeführt werden. Michael Meinel weiß an der Klarinette mit weichem Ton zu gefallen. Beeindruckend, wie er lange Melodiebögen in einem Atemzug musiziert. Expressiv der Wechsel vom Pianissimo zum Doppelforte – was für ein dynamischer Kontrast. Allenfalls die zwei Pfeiftöne lassen den Eindruck aufkommen, dass er in den hohen Tönen bisweilen zu dick aufgetragen hat. 

Die gut 100 Konzertbesucher erleben im Bibliothekssaal des Agrarbildungszentrums einen Abend mit Werken zweier eher unbekannter und eines mehr bekannten Komponisten – eine schöne Zusammenstellung des Programmes. Und sie hören die Darbietungen einer starken Besetzung, was nicht nur auf die Zahl der Mitwirkenden gemünzt ist, sondern erst recht darauf, wie die Profis ihr Können ebenso ausspielen wie ihre Leidenschaft.

Johannes Jais

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