Viel zu modern für Dießen?

Trotz massiver Kritik einiger Dießener Architekten hat sich der Bau- und Umweltausschuss der Marktgemeinde einstimmig für den Bauantrag eines Büro- und Geschäftshauses in der Lachener Straße ausgesprochen. Unisono fiel in diesem Zusammenhang auch die 3. Änderung des Bebauungsplans Dießen Ia aus. Durch den Bau würde die durch Norma und Fristo bereits „bestehende städtebauliche Fehlleistung weiter verschärft“, heißt in den Stellungnahmen.

Wie im KREISBOTEN berichtet, besticht das Gebäude durch seine außergewöhnlich moderne Architektur, vor allem mit seinem abgerundeten Pultdach. Diese Auffassung scheinen einige ortsansässige Architekten jedoch nicht zu teilen und verschafften sich in ihren Stellung- nahmen im Rahmen des Beteiligungsverfahrens richtig Luft. Nach Meinung des Architekturbüros Tilch und Drexler aus Riederau verschärft dieses Geschäfts- und Bürogebäude die dort bereits befindliche „städtebauliche Fehlleistung“ erheblich. Auch die Dachhöhe mit über zwölf Metern sei „erheblich“ und für drei Vollgeschosse nicht notwendig. Kaum überschaubar Auch die Einfahrtsituation mit Edeka, geplanter Tiefgarage, Fristo auf engstem Raum sei kaum überschaubar – für Fußgänger ebenso wie für Autofahrer. Ins selbe Rohr bläst das ortsansässige Architekturbüro Frey: „Die geplante Bebauung ist für die gesamte Baustruktur in diesem Bereich katastrophal“, und die Höhenentwicklung sprenge jegliche Maßstäblichkeit. Die Gemeinde indes sieht in dem neu geplanten Gebäude „eine architektonische Aufwertung dieses Bereiches“. Gleichzeitig werde hierdurch der Übergangsbereich von Wohnbebauung im Norden zum Ortszentrumsbereich im Süden klar definiert. Auch die Dachform ist für die Gemeinde mit Blick auf das benachbarte denkmalgeschützte Haus „Egart 2“ unproblematisch. Die Begrünung des Daches vermittelt so eine Erweiterung der Gartenfläche des denkmalgeschützten Hauses. Auch die Dachhöhe des Gebäudes relativiere sich durch bestehende Niveauunterschiede, sodass unter dem Strich die Höhe des Nachbarhauses um maximal 34 Zentimeter übertroffen werde. Laut Bauamtsleiterin Johanna Schäffert verringere sich dieses „optisch aber deutlich“ in Richtung Westen durch das ansteigende Gelände und das gleichzeitig abfallende Dach. Bezüglich der Stellplätze und der Zufahrten müsse allerdings nachgebessert werden. So ist das Straßenbauamt Weilheim mit den anvisierten drei Zufahrten zur Lachener Straße nicht einverstanden. Hier soll ein gemeinsames Konzept entwickelt werden, das auch den Anlieferverkehr für die Ladennutzungen berücksichtigt. Auf die Füße steigen Marktgemeinderat Franz Kubat (Dießener Bürger) zeigte sich überrascht über die Einwände der Architekten. Ebenso und mit deutlichen Worten Michael Hoffmann (Grüne): „Ich bin verwundert, dass alteingesessene Architekten einem jungen Kollegen auf die Füße steigen, nur weil die Geschäfte bei ihnen vielleicht nicht mehr so gut laufen.“

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