Pilotstudie zu Mikroplastik in bayerischen Seen

Zu viel Plastik im Ammersee

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So schön – und so viel Plastik: Das Ufer des Ammersees ist voll mit Mikroplastik.

Ammersee – Zuhauf schwimmt es in den Weltmeeren: Plastik, besonders die kleinsten Teile, das Mikroplastik. Aber nicht nur die Meere sind dadurch belastet, auch die bayerischen Seen. Und was das Ufersediment angeht liegt der Ammersee bei Eching auf dem traurigen Platz 1. Herausgefunden hat das eine Pilotstudie des bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) mit der Universität Bayreuth. Untersucht wurden neben dem Ammersee der Starnberger See, der Chiemsee und der Altmühlsee.

Überprüft haben die Umweltforscher unterschiedliche Bereiche: Wasseroberfläche, Wassersäule – sozusagen das Wasser mittendrin mittels Vertikalmessung –, Grundsediment, Ufersediment. Letzteres meint die Strände. Und die sind offensichtlich voll von Mikroplastik, also Teilchen, die kleiner als fünf Millimeter sind.

Das zeigen die Höchstwerte der vier Seen: Während am Altmühlsee ‚nur‘ rund 36.000 Partikel pro Quadratmeter gefunden wurden, wimmeln im Starnberger See in Tutzing rund 80.000 Partikel pro Quadratmeter und am Chiemsee in der Hirschauer Bucht sind es knapp 125.000. Platz 1 belegt allerdings der Ammersee bei Eching: Dort haben die Forscher knapp 130.000 Mikroplastikteilchen gefunden. An zweiter Stelle am Ammersee steht Utting mit knapp 119.000 Teilchen. Zum Vergleich: Im Schnitt aller vier untersuchten Seen wurden 17.000 Teilchen pro Quadratmeter nachgewiesen. So sieht zum Beispiel auf Höhe von Aidenried das Ufersediment mit rund 11.000 Teilchen weitaus besser aus.

Dennoch viel. Denn im Ackerboden gibt es laut Forschungen der Universität Bayreuth ‚nur‘ 150.000 Mikroplastikteilchen pro Hektar Erde – also 15 Teilchen pro Quadratmeter. Dabei sei dieser Anteil bereits 20-mal höher als der in den Meeren gefundene.

Insgesamt handele es sich beim Großteil der nachgewiesenen Mikroplastikpartikel um „sekundäres Mikroplastik“ – also Plastikmüll, der in Flüsse und Seen gelangt und in immer kleinere Einzelteile zerfällt. „Primäres Mikroplastik, wie zum Beispiel Kunststoffbeads aus Körperpflegeprodukten oder Pellets, liefern vermutlich keinen nennenswerten Beitrag“, informiert das LfU auf Nachfrage des KREISBOTEN. Dass das Ufersediment des Ammersees auf Platz 1 liegt, sei „vermutlich auf den Hauptzufluss, die Ammer, zurückzuführen, da diese ein sehr großes Einzugsgebiet hat“.

Makroplastik, also Teilchen größer als fünf Millimeter, fanden die Forscher nur im Ufersediment aller vier Seen, mit Konzentrationen zwischen 14 und 410 Partikeln pro Quadratmeter. Wobei auch hier der Ammersee, genauer gesagt Utting, mit großem Abstand Platz 1 belegt.

Aber es gibt auch bessere Nachrichten in der Studie: „Die Mikroplastikkonzentrationen waren in den Wasserproben insgesamt sehr gering. In oberflächennahen Wasserproben der Seen lagen die Partikelkonzentrationen bei maximal 42 Partikeln pro Kubikmeter.“ Und auch im Grundsediment ist weitaus weniger Mikroplastik als in den Ufersedimenten zu finden. Das Grundsediment wurde an der tiefsten Stelle auf Höhe von Riederau überprüft. Und dort gab es ‚nur‘ 9.511 Partikel pro Quadratmeter.

Letzte Woche beschloss die Bundesregierung ein Verbot von Plastiktüten. Nicht darunter fallen die sogenannten Hemdchentüten, die gerne beim Obst- und Gemüsestand im Supermarkt in rauen Mengen zum Einsatz kommen. Dabei sind gerade diese Tüten besonders schädlich, da sie auf jeden Fall nur einmal verwendet werden. Kein guter Anfang für weniger Plastik im Ammersee. Offenbar sind Initiativen, die lokal versuchen, Plastik zu reduzieren – siehe Dießen und Utting – das effektivste Mittel der Wahl.
Susanne Greiner

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