Kündigungswelle

Stadt hebt Einstellungsstopp wieder auf

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Weil „viele gute Mitarbeiter“ der Stadtverwaltung den Rücken kehrten, hat der Finanzausschuss den öffentlich beschlossenen Einstellungsstopp nichtöffentlich aufgehoben.

Landsberg – Immer mehr Mitarbeiter kehren der Stadtverwaltung den Rücken und kündigen. Deshalb hob der Verwaltungs- und Finanzausschuss jetzt überraschend den aus finanziellen Gründen beschlossenen Einstellungsstopp wieder auf.

Während die Diskussion um die Abwanderung des Personals allerdings noch öffentlich geführt wurde, traf man die Entscheidung dann hinter verschlossenen Türen und teilte sie der Öffentlichkeit auch im Anschluss nicht mit.

Zumindest für den Kämmerer sollte es eigentlich wie eine gute Nachricht geklungen haben: „Wir werden die 17,18 Millionen, die im Finanzhaushalt an Personalkosten eingeplant sind, unterschreiten“, er­- läuterte Personalleiter Roland Schmid. Die Stadt werde wohl nur 16,99 Millionen Euro ausgeben müssen. Auch in den kommenden vier Jahren werde man das Budget wohl jeweils nicht ausschöpfen. Die Begründung, die Schmid dazu mitlieferte, war allerdings nicht er­- freulich. „Das liegt daran, dass sich in den letzten Tagen noch einmal zwei Mitarbeiter verabschiedet haben.“ Damit setzt sich ein Trend fort, „von dem ich in den vergangenen zwölf Monaten doch sehr überrascht worden bin“, so Schmid weiter. „Es verlassen uns viele gute Mitarbeiter.“

Für Oberbürgermeister Mathias Neuner und die CSU-Fraktion ein Anlass, ungewöhnlich deutlich für die Verwaltung Partei zu ergreifen. „Die Aufgaben werden nicht kleiner, die Mitarbeiter stoßen an ihre Leistungsgrenzen“, unterstrich Neuner. „Wir müssen auch zukünftig die Stadt weiterführen, da hilft jetzt keine Radikalkur.“ Die aktuellen Probleme könnten „nicht nur auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen werden“ meinte der OB und appellierte „an jeden Stadtrat, da einmal in sich zu gehen.“ Ziel müsse es sein, „irgendwann auch wieder gute junge Leute einzustellen“.

CSU-Fraktionschef Helmut Weber mahnte, man dürfe „nicht alles immer nur schlechtreden.“ Seine Kollegen im Finanzausschuss forderte er auf, „nicht nur auf die Straße, sondern auch einmal in die Verwaltung“ zu gehen. „Da schaut’s nicht sehr erfreulich aus und das macht mich stocknarrisch.“ Ein Dorn im Auge ist Weber offenbar das laufende Organisationgutachten (der KREISBOTE berichtete), mit dem auf Beschluss des Stadtrates unter anderem überprüft wird, ob die Stadt mit angemessener Personaldecke arbeitet. „Das bringt nur Unruhe in die Verwaltung, umsonst gehen die Leute ja nicht.“

Die Befürchtung von Bürgermeister Norbert Kreuzer (CSU), die Altersstruktur des Personals gebe den geltenden Ausbildungsstopp bis 2017 möglicherweise nicht her, bestätigte Roland Schmid nicht. „Stand heute ist die Alterspyramide breit genug, das ist zu schaffen.“ Offen sei dabei aber, wie sich das Organisationsgutachten auswirke. „Wenn dabei herauskommt, dass wir Über­hänge haben, sieht die Sache natürlich anders aus. Das ist im Moment aber der Blick in die Kristallkugel.“

Von Rot auf Grün

Nachdem die Öffentlichkeit ausgeschlossen worden war, nahm der Ausschuss dennoch mit breiter Mehrheit den seit einem Jahr geltenden Einstellungsstopp zurück, lediglich die zwei Gremiumsmitglieder der Grünen stimmten dagegen. Bisher war von dem Moratorium nur das neue Kinderhaus ausgenommen gewesen.

Was die Kehrtwende für die Personalkosten bedeutet, ließ sich zunächst nicht beziffern. In den vergangenen fünf Jahren ist dieser Bereich um rund 50 Prozent von gut 12 auf rund 18 Millionen Euro (im Ergebnishaushalt) gestiegen. Zumindest teilweise lasse sich das mit Lohn- und Tariferhöhungen begründen, erläuterte Roland Schmid auf Nachfrage. Zudem seien 2008 weder der Kindergarten noch FUN in den Kosten enthalten gewesen, man habe jetzt „gut 50 Mitarbeiter mehr“.

Für CSU-Chef Weber haben die Finanzsorgen ohnehin, zumindest teilweise, ganz andere Ursachen: „Die Stadt Landsberg lebt gut. Und weil sie gut lebt, haben wir das Problem. Da sind wir alle schuld und da ist auch der Bürger selbst schuld, das muss man mal ganz deutlich sagen.“

Christoph Kruse

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