Von der Vielfalt beim "Faszination Gitarre"

Das Gitarrenfestival „Faszination Gitarre“ hat seinen Namen zu recht. Auch bei der zweiten Auflage der Konzertreihe hat das Instrument alle in seinen Bann gezogen: das Publikum natürlich, aber auch die Gitarren- studenten, die nicht nur von den unterrichtenden Gitarrengrößen, sondern auch von der Atmosphäre der Stadt am Lech begeistert waren und – letzten Endes die Künstler selbst, bei denen trotz vieler internationaler Erfolge und Engagements Landsberg ganz oben in der Beliebtheitsskala steht.

Zufrieden sein kann auch Theaterleiter Werner, dem das Festival fast durchgängig ein ausverkauftes Haus bescherte. Nachdem am Samstagvormittag nicht nur die Kinder auf ihre Kosten gekommen waren, als sie mit dem Barrios Guitar Quartett „Eine Reise um die Welt“ angetreten hatten, wurde das Abendpublikum in eine ganz andere, neue musikalische Welt entführt. Der bulgarische Gitarrist und Komponist Atanas Ourkouzounov und die japanische Flötistin Mie Ogura konfrontierten die Zuhörer mit rhythmisch und experimentell unglaublich dicht vorgetragenen Klängen. Die starken Kontraste im Sound und in der Lautstärke brachten manchen Anwesenden an die Grenze seiner musikalischen Toleranz, so geschehen in der Eigenkomposition „Bul Bop“ des Gitarristen, der sich selbst wohl am besten interpretieren kann. Faszinierend aber gerade in diesem experimentell an die Grenzen gehenden Stück die unwahrscheinlich intensive Kommunikation des Duos. Versöhnlich dann romantische französische Gitarrenmusik mit Debussys „En Bateau“, wunderbar intim in der Ausdrucksfähigkeit. Die Gitarre spielt einen Ton an, lässt ihn klingen, die Flöte nimmt ihn ansatzlos auf und entwickelt ihn weiter. Ein Konzertabend, der einen ganz anderen Aspekt der Gitarre vermittelte, das begeisterte Publikum dankte es mit lang anhaltendem Applaus. Szenenwechsel Die Matinée im Rathausfestsaal. Welche Stadt ist in der glücklichen Lage, musikalischen Darbietungen solch ansprechende Aufführungsmöglichkeiten zu bieten. Wie geschaffen, die einzigartige Atmosphäre, vermittelt durch die Fresken mit den historischen Themen, die Holzdecke aus dem Theatersaal der Jesuiten, die bleiverglasten Fenster … geschaffen für Gitarrenmusik und Texte aus dem Deutschen Barock. Stefan Hladek auf der Gitarre und Horst Schäfer als Rezitator vermittelten ein Gefühl für den Geist dieser Zeit, im literarischen Ausdruck oft derb und direkt, aber auch unvermittelt geistreich. Vergänglichkeit und Vanitas auf der einen, Lebensgier und Genuss auf der anderen Seite wirkten fast greifbar. Dieser für die Barockzeit typische Kontrast spiegelte sich auch in den Musikstücken, auf Tanzformen basierend, Fröhlichkeit und Traurigkeit ergänzen sich. Fein abgestimmt war auch die Gitarre als Text begleitendes Instrument. Noch werden die lyrischen Bilder eher klischeehaft verwendet, erreichen nicht die Individualität der Erlebnislyrik, sind Gesellschaftslyrik. Das Vergnügen an der geistreichen Kombination dieser Bilder erfreut auch heute noch die daran teilhabende Gesellschaft. Die beiden Künstler waren auf den Erfolg ihrer Darbietung gar nicht eingestellt, an den begeistert geforderten Zugaben konnte man sich nicht „satt“-hören. Fulminanter Abschluss des Festivals – das Finale. Eigentlich ist es ein Luxus, den sich die Veranstalter leisteten. Sowohl Thomas Leeb als auch Friend´n Fellow sind es gewohnt, mit ihrem Programm allein die Säle zu füllen. In Landsberg wussten die Künstler jeweils vor und nach der Pause das ausverkaufte Haus zu elektrisieren. Seinen ganz eigenen „Fingerstyle“ hat Leeb entwickelt, was er an Perkussion und Fingerakrobatik auf seinem Instrument abzieht ist atemberaubend. Humorvoll füllen seine Ansagen die Stimmpausen, seine Interpretation des Bachschen „Wohltemperierten Klaviers“ entzückt die Ränge. Und dann, die Kritik kündigte es an: „Eine Stimme und eine Gitarre – der Rest ist Staunen“. Mit einer Intensität, die es dem Publikum schwer machte, sich auf den Sitzen zu halten, boten Constance Friend und Thomas Fellow eine mitreißende Show mit Blues-, Jazz- und Soulelementen. Unwiderstehlich ihre Interpretation von „Ring of Fire“, bestechend die Bühnenpräsenz, überwältigend der kraftvolle Rhythmus. Das Landsberger Gitarrenfestival hat wieder demonstriert, wie vielfältig das Spektrum dieses Instrumentes ist und wie es gerade durch diese Vielfalt den Menschen wie kaum ein anderes erreichen und begeistern kann. Nicht erst jetzt hat sich „Faszination Gitarre“ einen ganz besonderen Platz unter den renommierten Gitarrenkonzerten gesichert.

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