Vier Wochen zu früh am Ziel

Selbst Christian Rottenegger hält es auf den staubigen Pisten im Kunlun-Gebirge nicht ohne provisorische Schutzmaske aus. Foto: Kniffler

Nach 8941 Kilometer im Sattel und 90 Radltagen sind Christian Rottenegger und Annette Kniffler in Kathmandu (Nepal) an dem Ziel eingetroffen, das sie mit den Rädern letztlich erreichen wollten. Nächste Woche werden sie von dort zum zweiten, gefährlicheren Teil der Ultratour II: zur Skibe­steigung des 8027 Meter hohen Shisha Pangma. Exklusiv berichtet das Paar aus Windach im KREISBOTEN, welche unschönen Zwischenfälle es in den letzten Wochen mit der chinesischen Polizei erleben mussten und warum sie die Taklamakan-Wüste nicht aus eigener Kraft durchqueren konnten.

Dass China die schwierigste Hürde auf der gesamten Tour darstellen könnte, war abzusehen – schon bei der vorangegangenen Ultratour gab es in der Provinz Xinjiang Probleme. Doch dieses Mal ist es anders, gravierender, beängstigender: Am zweiten Tag im Reich der Mitte stoppt die chinesische Polizei die drei schwer bepackten Radler am Straßenrand, verdächtigt sie der Spionage, verbietet das Fotografieren, Zelten, Radeln und schreibt ihnen vor, sich jeden Tag in einer Polizeistation zu registrieren. Keine 24 Stunden später und 100 Kilometer weiter taucht ein anderer Polizist in einem Straßenlokal auf: Ohne spezielles Permit dürfen sich Ausländer in dieser Region nicht aufhalten, erklärt er. Das heißt: auf schnellstem Weg 250 Kilometer zurück nach Yining, wo angeblich eine Dienststelle die nötigen Permits ausstellt. Aber dort lässt man die drei Fremden weder mit dem Rad noch mit dem Auto weiter, verfrachtet sie in einen Nachtbus. Die Räder und Taschen fahren im Jeep mit großem Abstand von Yining über das Tian-Shan-Gebirge nach Korla voraus. Als wäre das nicht schon frustrierend genug, taucht derweil ein noch größeres Problem auf: Die nötige und von der chinesischen Botschaft in Deutschland fest zugesagte Verlängerung der Aufenthaltsgenehmigung scheint aussichtslos. Statt der beantragten zwei Monate stehen nur 30 Tage im Pass, von denen bereits einige wegen der Zwischenfälle mit der chinesischen Polizei sinnlos vergeudet wurden. Um die verbleibende Zeit für Tibet zu nutzen, müssen wir motorisiert durch die Taklamakan-Wüste. Als es in Yecheng, dem Ausgangspunkt zur Tibet-Durchquerung, endlich wieder mit den Rädern weitergeht, bleiben trotzdem gerade einmal 21 der 30 Tage. Bereits wenige Kilometer südlich der Taklamakan-Wüste führt die Piste spürbar bergauf. Es regnet. Bei der Auffahrt zum 3300 Meter hohen Kudi-Pass versinken die Reifen bis zu den Pedalen im schmierigen Matsch. Auf den beiden folgenden knapp 5000 Meter hohen Pässen ist die Piste wieder trocken. Doch nun wirbeln die vielen Baustellenfahrzeuge mehlfeinen Staub auf, der dem Material sichtlich zusetzt. Noch sind wir nicht optimal akklimatisiert, schlafen schlecht, müssen bei der kleinsten Anstrengung schwer atmen, husten. Die Nebenhöhlen fühlen sich schmerzhaft trocken an, die Augen tränen. Doch für eine Pause fehlt die Zeit. In Kyakzaru (Saga) wieder ein Dämpfer: Die chinesische Agentur, die mit der Organisation der Befahrung des Xinjiang-Tibet-Highways beauftragt war, hat ganz einfach die Permits für die Strecke zum Shisha-Pangma-Fahrerlager vergessen. Nach kilometerlangem Geholper über Wellblechpisten und diversen Krisensitzungen schleichen wir schließlich früh am Morgen an der Polizeistation vorbei, welche die Permits kontrolliert, und radeln über beinahe wegloses Gelände, immer wieder durch eiskalte Gletscherabflüsse illegal die letzten 18 Kilometer zum Ausgangspunkt der Shisha-Pangma-Expedition auf 5000 Meter Höhe. Am 23. August, vier Wochen zu früh, radeln wir schließlich bei starkem Monsunregen nach Kathmandu – tropfnass und bestens akklimatisiert. Da die Expedition von hier aus erst am 17. September startet, soll ein Abstecher ins Lantang-Gebirge dabei helfen, die Höhenanpassung bis dahin zu erhalten. Immer aktuelle Berichte von der Ultratour II im KREISBOTEN und auf www.ultratour2.de.

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