Virtuoser Tanz auf den Tasten

Der peruanische Pianist Vladimir Valdivia war kürzlich zum zweiten Mal Gast im evangelischen Gemeindesaal an der Von-Kühlmann-Straße. Seine technisch vollendete Darbietung umfasste Werke von Mozart, Beethoven, Chopin und Liszt. Darüber hinaus machte Valdivia das Publikum mit zwei hierzulande weniger bekannten Komponisten vertraut: den 1860 geborenen Spanier Issac Albeniz sowie den 1895 auf Kuba geborenen Ernesto Lecuona.

Musik mit den Ohren zu hören reicht nicht. Das Herz muss sich öffnen, damit die Töne dort Einlass finden und nicht im Kopf verarbeitet werden. Das ist bei einem Konzert, das am Ende eines womöglich hektischen Tages steht, nicht immer leicht. Das erste Stück, das Valdivia spielte, das Adagio in h-moll KV 540 von Wolfgang Amadeus Mozart war so gesehen eine gute Wahl. Es überforderte nicht gleich mit Kompliziertheit. Einfach, gerade, ohne Verschnörkelungen führte Valdivia durch Trauer und Schwere. Die Monotonie der tief angesetzten Tonfolgen ließ die Zuhörer einen Schmerz spüren, der mit dem zweiten Stück, der Appasionata von Ludwig van Beethoven, nicht aufgelöst wurde. Im Gegenteil: Valdivia spielte die Sonate mit einer Dynamik, die in den tiefen Tonlagen, extrem schnell mit insistierender Vehemenz gespielt, weniger ein Gefühl der Leidenschaft, so der übersetzte Titel, hervorrief, als ein Gefühl der Gedrängtheit und des Getriebenseins. Auch wenn zwischendrin kurze Momente der Hoffnung und des Innehaltens aufkeimten, raste Valdivia mit ganzer Energie am Ende über die Tastatur des Flügels, und machte den Sturm aus innerem Chaos und Verzweiflung beinahe sichtbar. Das Spiel Valdivias erinnerte an ein sehr modernes Gefühl: die Verlassenheit in der Welt, die Sehnsucht nach Liebe und die Verzweiflung, die daraus resultiert, wenn man diese Liebe nicht bekommt. Versöhnlichere Töne Nach der Pause schlug Valdivia versöhnlichere Töne an, die die Herzen der Zuhörer beruhigten und Trost spendeten. Die Anmut und Feinheit, mit der er Frederic Chopins Nocturne Op. 72 Nr. 1 e-moll und Franz Liszts Consolation Nr. 3 Des-Dur und Valse Oubliée darbot, belegte eindrucksvoll, warum er ein international bekannter und renommierter Pianist ist. Den Abschluss seines Konzerts bestritt Valdivia mit den Pianisten und Komponisten Issac Albeniz sowie Ernesto Lecuona. Letzterer wird auch als „kubanischer Gershwin“ bezeichnet. Die vorgestellten Werke führten die eben noch träumenden Zuhörer mitten hinein ins Leben. Vital, feurig, lebensbejahend. Vor allem in Malagueña von Lecuona hörte man die hispanischen Rhythmen durch und spürte die Begeisterung Valdivias für die wenig bekannten Kompositionen. Ein heftiger Schlussapplaus war gefolgt von Schumanns Träumerei. Die bloße Ankündigung entriss dem Publikum ein freudiges „Ah“. Ganz nach Innen gekehrt ließ der Pianist den letzten Ton in aller Stille verhallen. Hier musste das Herz aufatmen, es war Friede, überall. Mit dieser Stimmung hätte man gehen können. Doch wenn etwas so gut ist, möchte man noch mehr davon. Also präsentierte der Pianist zwei weitere Zugaben, von ihm bearbeitete, peruanische Volkslieder. Mit ihnen bewies Vladimir Valdivia noch einmal eindrucksvoll, was er besonders gut kann: Mit seiner Musik die Herzen der Menschen öffnen.

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