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Vis-à-vis in St. Ottilien: Inzidenz und Akzidens

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Von: Ulrike Osman

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Vis a Vis St. Ottilien 2022
Stefan Lanius begleitete die Vernissage zur Ausstellung „Inzidenz – Akzidens“ in St. Ottilien musikalisch. © Osman

St. Ottilien – Hier Konzept, Kontrolle und Kalkül – dort Intuition, Leidenschaft und rauschhafter Schaffensprozess. Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich Kunst. Und ihnen widmet der Eresinger Kunstverein Vis-á-vis aus Anlass seines 15-jährigen Bestehens die Ausstellung „Inzidenz – Akzidens“, die am Samstag in der Galerie St. Ottilien eröffnet wurde.

Die Inzidenz wurde in der Zeit der Pandemie zum Inbegriff der Kontrolle, des Im-Griff-Behaltens. Dem hat Ausstellungskurator Christian Burchard den Begriff „Akzidens“ gegenübergestellt. Er steht „für das Zufällige, das sich der Kontrolle entzieht, für die überraschende Lösung, die oftmals Staunen auslöst“.

Zum Staunen gibt es viel in der Galerie oberhalb des Klosterladens. Zwölf namhafte Künstler aus der Region sind hier vertreten, unter ihnen Alexander Ewgraf, Angelika Böhm-Silberhorn, Ernst Heckelmann, Sabine Köhl und Josef Lang. Manche der Werke sind zum ersten Mal in der Öffentlichkeit zu sehen. Dazu gehören neue Arbeiten von Cornelia Rapp aus Denklingen und Bilder von Werner Kroener, langjähriger Professor für Gestaltungslehren, visuelle Kommunikation und Bildsprache an der Hochschule München.

Rapp hat in polydimensionaler Technik Bildobjekte geschaffen, die sich aus Schichten zusammensetzen und zum ausführlichen Erkunden einladen. Kaum meint man, den roten Faden gefunden zu haben, schon entzieht er sich wieder der Ebene des Begreifens. Kroener als Experte für die Bildsprache der Medien dagegen arbeitet mit bekannten Gesichtern. Er hat den von einem weißen Polizisten ermordeten George Floyd und die Lyrikerin und Aktivistin Amanda Gorman zu einem maskenhaften Doppelbild verbunden.

Verbundenheit

Die Ausstellung ist Burchard zufolge das vierte „Joint Venture“ des Kunstvereins mit dem Kloster. Die Beziehung zu St. Ottilien ist eng, die Verwurzelung in der Gemeinde Eresing tief. Der Name Vis-á-vis steht für nachbarschaftliche Verbundenheit ebenso wie für das Verhältnis zu den Rezipienten, denen auf Augenhöhe begegnet werden soll. Die äußerst gut besuchte Vernissage zeigte, wie gut das ankommt.

Eröffnungsredner war Thomas Goppel. Der ehemalige Bayerische Kunstminister und Wahl-Eresinger ist auch Weggefährte und Kenner der Künstlergruppe. Werke des ebenfalls vertretenen Bernd Zimmer habe er zu seiner Zeit im Ministerium aufgehängt, verriet Goppel – und staunte über die Weiterentwicklung des Malers („ich erkenne Bernd Zimmer nicht wieder“). Dessen namenloser Diptychon fasziniert als orangenes Farbenmeer, aus dem sich fast beiläufig grüne Zweige herausschälen.

Die Musik zur Vernissage steuerte Stefan Lanius mit seinem Kontrabass bei. Wer sein experimentelles, hochenergetisches, von Texten begleitetes Spiel länger genießen möchte, hat dazu am 29. Oktober ab 16 Uhr im Rahmen der Ausstellung Gelegenheit. „Inzidenz – Akzidens“ ist noch bis zum 19. November in der Klostergalerie St. Ottilien zu sehen. Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 10 bis 12 Uhr und 13.30 bis 17 Uhr, Sonntag 10.30 bis 16 Uhr, Kuratorenführungen 1. und 15. Oktober ab 14 Uhr.

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