"Europan"-Preisträger:

Skandinavien am Lech

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„Gewerbe und Wohnen im Einklang mit der Natur“ war die Aufgabenstellung für das 3C-Areal im Süden Landsbergs. Der „Europan“-Preisträger-Entwurf der italienischen Architekten lässt Natursituation und Industriestandort verschmelzen. 

Landsberg – „Living with(in) Nature“ heißt der Preisträger des „Europan 13“-Wettbewerbs, einem Ideenwettbewerb für junge Architekten. Das Motto für Landsberg lautete „Gewerbe und Wohnen im Einklang mit der Natur“ und beschäftigte sich mit dem Areal der ehemaligen Lechrainkaserne im Süden der Stadt, wo sich das Unternehmen 3C-Carbon angesiedelt hat. Herausgekommen sind 18 sehr unterschiedliche Entwürfe, die derzeit im Foyer des Historischen Rathauses ausgestellt sind.

Vor der offiziellen Eröffnung dieser Ausstellung führte Franz Damm, Mitglied der lokalen Jury und des Gestaltungsbeirates durch das Foyer. Den Wettbewerb, der alle zwei Jahre stattfindet, bezeichnete er auch als eine Art „Nachwuchsförderung“. Denn nur Architekten unter 40 Jahren dürfen daran teilnehmen. Der Wettbewerb beschäftigt sich mit städtebaulichen Wohnungsbauthemen.

Im konkreten Fall von Landsberg geht es um das 3C-Carbon-Gelände. Dem Unternehmen sei es ein Anliegen gewesen, seine Mitarbeiter in der Nähe unterzubringen. Aber auch das gesamte Umfeld des Standortes sollte betrachtet und miteinbezogen werden.

Drei Entwürfe hatten es der internationalen Jury besonders angetan: „A Clearing in the Woods“, welcher einen großen Wiesenring in der Mitte vorsieht, „Forest First“ mit einem „energy park“ zur Straße hin, der nicht nur Energieerzeugung sondern beispielsweise auch Sportanlagen mit einschließt sowie der Gewinner „Living with(in) Nature“.

„Der Grüne hat gewonnen“, fasste das Oberbürgermeister Mathias Neuner zusammen. Obwohl der Entwurf von italienischen Verfassern stamme, handele es sich dabei um eine sehr skandinavische Arbeit, so Franz Damm während des Rundgangs. Der Siegerentwurf zeichne sich durch die Verschmelzung der Natursituation und des Industriestandortes aus, erläuterte Damm weiter. Im Großen und Ganzen soll das Areal nach diesem Entwurf autofrei bleiben. Ein Parkplatz ist an der B 17 vorgesehen, alles andere könne zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreicht werden, da die Menschen in dieser „Werkssiedlung“ arbeiten und wohnen. Auch verschiedene „Kategorien“ an Häusern und Wohnungen seien geplant, so dass Manager und Arbeiter hier gemeinsam leben und durch die Anordnung der Baukörper „interessante Abläufe“ entstehen. Insgesamt sei „Living with(in) Nature“ ein würdiger Gewinner, fasst Damm die Ergebnisse zusammen.

Auch Stadtbaumeisterin Birgit Weber lobt die Ideen der italienischen Architekten: Insgesamt reagiere der Entwurf sehr stimmig auf die Ausgangssituation. Ein nächster Schritt könnte es laut Weber sein, einen gemeinsamen Workshop mit den Planern des Siegerentwurfes stattfinden zu lassen, um mit den Preisträgern gemeinsam neue Entwicklungsmöglichkeiten zu ergründen.

Aber auch Kritik wurde laut, unter anderem von Stadtrat Christian Hettmer (CSU): Er sieht in den Entwürfen das Ansinnen des Stadtrates, im Süden der Stadt auch Naherholung anzubieten, nicht erfüllt. Die Stadt habe sich immerhin mit rund 30.000 Euro an dem Projekt beteiligt. „Ziel ist es, die herausragenden Landschaftsräume für Menschen erlebbar zu machen, ohne das ökologische Gleichgewicht zu stören. Für den nördlichen Bereich besteht die Vision, neben ergänzenden Nutzungen aus den Bereichen Gesundheit, Soziales und Sport, den philosophischen Ansatz der Werksiedlungen aufzugreifen und in die heutige Zeit zu transformieren“, heißt es dazu auf der Internetseite von Europan.

Stadtbaumeisterin Birgit Weber sicherte zu, die Bevölkerung bei den nun folgenden Schritten stärker miteinzubeziehen. Diese könnten nun der schon angesprochene Workshop sein, so Weber. Die Ausstellung im Foyer des Historischen Rathauses läuft noch bis Anfang Februar. Zur Finissage würde Weber dann gerne auch die Preisträger einladen und das gemeinsame weitere Vorgehen besprechen. Dann könne man auch den Nah­erholungs-Aspekt noch berücksichtigen.

Astrid Erhard

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