Vocalensemble

Schumann hat Zahnweh

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Chor mal anders. Beim „Chorios“-Konzert des Vocalensembles Landsberg unter der Leitung von Matthias Utz stehen die Frauen unter dem Bann von Shakespeares Hexengesang.

Schondorf – Chor mal anders: Fehlende Parkplätze und „Happy“-Ohrwurm sind nur zwei der Songs, die das Vocalensemble Landsberg unter Matthias Utz am Sonntag ihrem Publikum ins Ohr trällerte. Unter dem Motto „Chorios“ ist es schon das vierte Konzert aus der Reihe „Rendezvous vocal“. Und in dem geht es eben nicht um Bach, Mozart und Konsorten. Hier darf auch einfach nur geblödelt werden.

Was bei Rossinis Neujahrslied als seelenvoller Trinkspruch beginnt, endet in einer wilden Aufforderung zur Ungezwungenheit, dazu, die Stöpsel aus den Flaschen zu reißen und anzustoßen: auf „junge Herzen und alten Wein“. Oder die Vertonung englischer Nonsense-Texte von Edward Lear, in denen Reime die Handlung bestimmen. Es liest ein alter Herr aus Cromer auf einem Bein Homer. Doch als er durch die Haltung etwas „stiff“ wird, springt er reimgedrungen über das „cliff“. Unsinn treiben kann sogar Robert Schumann, wenn er über den „gift’gen Stachel“ des Zahnwehs jammert, der ihm letztendlich die Kiefer zerreißt. Krönung ist die Kurzoper von Richard Genée. Sie besteht aus aneinandergereihten Vortragsbezeichnungen, also forte, piano etc. Und wie sich das für eine Oper gehört, wird’s spannend: „Con rabbia, con furia“ und mit „scandalo“ geht es zum „Fine di Opera“. Das Stück heißt „Insalata Italiana“.

Zwischendrin ist es bei Shakespeares Hexengesang düster und auch Robert Schumanns „Wassermann“ für Frauenchor ist nicht gerade heiter: Wenn die Jungfern von Tübingen tanzen, dauert es nicht lang, bis die Auserwählte in „Neckars Tiefen“ ruht. Die Frauen singen das alleine, denn die Männer sind zu spät – sie haben keinen Parkplatz gefunden, wie sie mit Grönemeyers Worten erklären. Alles nur Nonsens? Nein, leichte Muse. Vor allem Alex Haas‘ „Dorad“, in dem jeder Bayer sein Sprachkönnen testen kann, beweist die Qualität des Chores: Rhythmisch gegeneinander singende Stimmen skandieren unbekannte bayerische Worte. Für die Romantik hat sich Utz zwei Musikerinnen geholt. Franziska Leupold an der Geige und Pianistin Franziska Reif, beides studierte Musikerinnen, beruhigen nach dem Hexengesang mit einem Wiegenlied von Gabriel Fauré und begeistern mit einer virtuos-romantischen Sonate von Camille Saint-Saëns. Ein rundum gelungenes Konzert, das am 1. April im Historischen Rathaus in Landsberg wiederholt wird.

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