Vögel sind seine Leidenschaft

Josef Willy, Wasservogelzähler und Naturbeobachter, liebt es, mit Fernglas oder Spektiv am Ammersee unterwegs zu sein. Foto: Nagl

„Ornithologe wollte ich nie werden“, betont Josef Willy. „Als Kind wusste ich auch ich gar nicht, dass es diesen Beruf überhaupt gibt“. Und die Idee Förster zu werden, wurde ihm bei der Berufsberatung für Abiturienten im Jahr 1957 schnell ausgetrieben. Also wurde er Elektroingenieur mit einer Passion: Vogelbeobachtung.

Mehr als einen Million Wasservögel hat der 73-Jährige in 44 Jahren als ehrenamtlicher Zähler an Isar, Lech und Ammersee mittlerweile gezählt. Doch Josef Willy beschränkt sich nicht aufs Zählen, er engagierte sich viele Jahre in der Schutzgemeinschaft Ammersee-Süd und ist seit 40 Jahren aktiv im Landesbund für Vogelschutz. Mit Kindern baut er Nistkästen und Insektenbehausungen, auf Anfrage von Kindergärten, Schulen und der Mobilen Umweltschule Ammersee erklärt er Flora und Fauna am Seeufer oder hält Vorträge zum Thema Vogelschutz in Gartenbauvereinen oder beim Bund Naturschutz. Kurz: Der „Vogel-Willy“ ist ein unumstrittener Experte am Ammersee. Angefangen hat alles 1967. Der damalige Leiter der Vogelschutzwarte Garmisch, Einhard Bezzel, wandte sich an die Mitglieder der Ornithologischen Gesellschaft München, der auch Willy angehörte, und bat, man möge die Vogelschutzwarte bei Zählungen unterstützen, da der Bestand an Wasservögeln dramatisch zurückgegangen sei. Ein Grund dafür war neben der zunehmenden Umweltverschmutzung auch die Jagd, so Willy, die als Sport in den sechziger Jahren zunehmend populär wurde. „Nachdem einige Jahre gezählt worden war, wurden aufgrund unserer Ergebnisse die Jagdgesetze verschärft“, erzählt der Vogelschützer und betont: „Wenn man über Jahre und Jahrzehnte hinweg Vögel zählt, kommt man automatisch zum Naturschutz.“ Neue Aufgabe Nach zwei Jahren als Wasservogelzähler an der Isar wurde Willy von der Vogelschutzwarte an den Ammersee beordert, um seinen Kollegen Dr. Johannes Strehlow zu unterstützen: „Dort haben wir zu zweit mindestens 20000 bis 30000 Vögel pro Winter gezählt“, erinnert sich Willy. Die zahlreichen Wintergäste hatte man seiner Ansicht den damals noch kälteren Wintern zu verdanken. „Nicht alle Wasservögel sind Zugvögel, aber es sind Eisflüchter. Wenn die Gewässer im Norden zufrieren, werden sie nach Süden gedrückt.“ Willys Revier erstreckte sich seinerzeit entlang des nördlichen Ammersees von Schondorf bis Herrsching, während sein Kollege für die Südhälfte zuständig war. Damals wie heute gab es acht Zählungen pro Winter und man musste sich warm anziehen: „Aber es gab nette Seeanwohner, die einen unterkühlten Zähler – insbesondere vor Weihnachten – zu heißem Tee und Plätzchen eingeladen haben, denn damals waren die Wasservogelzählungen noch etwas ganz Besonderes. Wenn es dunkel wurde, bin ich dann von Herrsching aus nachhause gestolpert“, erinnert sich Willy. Mehr Kollegen Mittlerweile sind die Zählungen als wichtiges Messinstrument für den Vogelschutz längst anerkannt und populär. Neue Kollegen kamen hinzu, und die Zählabschnitte wurden neu eingeteilt. „Die Zählungen sind dadurch genauer geworden“, freut sich Willy, „und man kann ziemlich exakt sagen, welche Arten welchen Seebereich bevorzugen. Das ist wichtig für die Planung von Ruhezonen.“ Heute zählt er direkt vor seiner Haustür von Eching bis an das südliche Ortsende von Schondorf. Die Faszination des Vogelzählens liegt für Josef Willy im Naturerlebnis und in der Spannung, die man schon im Herbst spürt: Wie viele Vögel werden heuer an den Ammersee kommen? Wann kommen sie und welche Arten werden dabei sein? In diesem Winter sind es zwei sibirische Singschwäne, die der passionierte Vogelkundler ganz besonders in sein Herz geschlossen hat. „Sie haben eine gelben Schnabel und einen wunderschönen, melodischen Gesang. Wenn sie in die Balz kommen, hört man sie kilometerweit.“

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