Vogelbrut nimmt Unterricht

Da staunte Fahrschulchef Georg Krackhardt nicht schlecht: ein Rotschwänzchenpaar nahm unangemeldet Unterricht. Fotos: Privat

Da hat das Team der Fahrschule Krackhardt aber gestaunt: Bei der routinemäßigen Kontrolle seines Fahrschul-Lkw fiel Fahrlehrer Hartmut Kölsch, dass an dem Fahrzeug ein Vogel mit Futter im Schnabel landete, in einer kleinen Öffnung im Metallrahmen der Wechselbrücke verschwand und kurz darauf wieder abflog. Ein Vogelnest mit Nachwuchs vermutete er, was sich umgehend bestätigte. Im Nest saßen drei hungrige Jungvögel.

Was tun, wenn der Fahrschüler bereits wartet, war nun die Frage. Kölsch fackelte nicht lange, verschloss das Einflugloch mit Klebeband. Schließlich sollten die Vogeljungen bei der anstehenden Ausfahrt nicht zu verloren gehen. Nach der Rückkehr auf dem Hof der Fahrschule warteten die Vogeleltern bereits ungeduldig, um ihre Jungen zu füttern. Kaum war das Einflugloch wieder geöffnet, fuhren die Altvögel mit der Fütterung fort. Guter Rat war nun teuer und den holte sich Fahrlehrer Kölsch bei Hans Streicher von der Kreisgruppe Landsberg des Landesbundes für Vogelschutz (LBV). Damit die Jungvögel von den Eltern ohne Unterbrechung gefüttert werden können, entschied Fahrschul-Chef Georg Krackhardt, den Lkw vorerst nicht mehr zu benutzen und die geplanten Fahrstunden kurzfristig zu verschieben. Nachdem sich das Nest im Rahmen der Wechselbrücke befand, stellte man diese erst mal ab. Am nächsten Morgen erfolgte der Umbau des Fahrschullastwagens. Sobald einer der Altvögel mit Futter erschien wurde die Arbeit kurz unterbrochen. Nach der Fütterung und dem Abflug ging’s wieder ans Werk. Nachdem die Wechselbrücke am angestammten Platz abgestellt und das Zugfahrzeug entfernt worden war, konnte das unerschrockene Vogelpärchen seine Brut ungestört füttern. Die faustgroße Öffnung an dem Lkw verlockte das Hausrotschwanzpärchen, in dem Hohlraum ein Nest zu bauen. Das Erstaunliche ist dabei: Das Vogelpärchen ließ sich nicht davon abbringen, den Nestbau zu vollenden, obwohl der Lkw gelegentlich zum Fahrschulunterricht unterwegs war. „Bei der Eiablage und dem Ausbrüten des Geleges hatten sich die Vögel wohl bereits daran gewöhnt, dass ihr fahrbares Heim gelegentlich auf Reisen unterwegs ist“, staunt auch Hans Streicher. Allerdings stand der Lastwagen in Ruhezeiten stets seinen angestammten Platz und konnte von dem Vogelpaar sofort wieder angeflogen werden. Vor zwei Jahren bereits hatte ein Vogelpärchen einen Traktor der Fahrschule Krackhardt als Nistplatz gewählt. Bis zum Ausfliegen der Jungvögel blieb der Traktor deshalb stehen. „Das lobenswerte Beispiel zeigt, dass mit ein klein wenig Verständnis und gutem Willen einiges bewirkt werden kann“, freut sich LBV-Experte Streicher.

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