Stallpflicht für Geflügelhalter angeordnet

Vogelgrippe im Landkreis Landsberg angekommen

Zwei Menschen im Schutzanzug werfen toten Schwan in Beutel
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An der Staustufe in Apfeldorf wurde ein toter Schwan gefunden, der mit dem H5H8-Virus – unter Geflügelpest oder auch Vogelgrippe bekannt – infiziert ist.

Landkreis – Noch ein Virus: Das Geflügelpestvirus ist bei einem Wildvogel an der Lechstaustufe in Apfeldorf nachgewiesen worden. Es ist der erste Nachweis in der Region. Deshalb gelte ab sofort gilt für sämtliche Geflügelhaltungen Stallpflicht, meldet das Landratsamt.

Am 4. Januar habe man den Ausbruch der hochpathogenen Aviären Influenza (Geflügelpest) bei Wildvögeln amtlich festgestellt, meldet Pressesprecher Wolfgang Müller. Bei einem an der Lechstaustufe in Apfeldorf tot aufgefundenen Schwan wurde durch das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Oberschließheim das H5N8-Geflügelpestvirus nachgewiesen und anschließend durch das nationale Referenzlabor am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) bestätigt, so Müller.

Der Leiter des Landsberger Veterinäramtes, Dr. Michael Veith, warnt in Bezug auf die an Lech und Ammersee überwinternden Vögel: „Es ist davon auszugehen, dass das Virus sich bereits in der Umgebung ausgebreitet hat.“ Aus diesem Grund habe der Landkreis die Allgemeinverfügung zur Stallpflicht für alle Geflügelarten verfügt. Das gelte für gewerbliche Haltungen genauso wie für Hobbyhaltungen. Kontakte von Hausgeflügel mit Wildvögeln, insbesondere wildlebenden Wasservögeln, müssten unbedingt verhindert werden.

Lech und Ammersee sind ein großes Brut- und Rastgebiet von Wildvögeln in Süddeutschland. Wasservögel seien bei der Verbreitung von AI-Erregern besonders relevant, so Veith: „Insofern sind ufernahe Regionen, in denen viele Wasservögel vorkommen, brüten oder rasten, von besonderer Bedeutung.“ Diese Regionen dienten als Sammel-, Rast- oder Brutorte, wodurch der Landkreis während der Zeit des Vogelzugs ein Risikogebiet hinsichtlich der Einschleppung von Tierkrankheiten sei.

Geflügelhalter sollen nun ihre Tiere möglichst in geschlossenen Ställen aufstallen, sagt Veith. Wo kein Stall verfügbar ist, müssten die Tiere unter einer überstehenden, nach oben dichten Abdeckung und einer gegen das Eindringen von Wildvögeln gesicherten Seitenbegrenzung untergebracht werden. Gitter oder Netze als Überdachung reichten dabei nicht.

Futter, Wasser und Geräte, die eingesetzt werden, dürften nicht mit Wildvögeln in Berührung kommen. Außerdem sei auf eine strikte Zugangsbeschränkung zu achten, zählt Veith weiter auf. An den Eingängen zu den Geflügelhaltungen müsse eine Schuhdesinfektion durchgeführt, beim Betreten der Geflügelhaltung soll Schutzkleidung getragen werden. Einwegkleidung müsse anschließend sofort im Hausmüll entsorgt werden. Zudem müsse der Stallbesitzer eine Möglichkeit zum Händewaschen vor und nach Betreten des Stalles einrichten.

Ist das Virus übertragbar?

Bei den derzeit kursierenden Virustypen H5N8, H5N5 und H5N3 wurde bisher keine Übertragung auf den Menschen oder auf andere Tiere wie Hunde oder Katzen festgestellt. Für Tierhalter sei jedoch immer eine gewisse Vorsicht geboten. Der Kontakt mit Kadavern solle vermieden werden.

Sollte jemand einen toten oder auch nur kranken Wildvögel auffinden, bittet das Veterinäramt, diesen nicht anzufassen und nicht mitzunehmen, sondern sich direkt an das Veterinäramt unter Telefon: 08191/129-1374 zu wenden. Außerhalb der Dienstzeiten des Amtes sei die Leitstelle Fürstenfeldbruck unter Telefon 112 zuständig. Zu melden seien verendete, verunfallte oder erkrankte Wasservögel jeder Art, außerdem Greifvögel, Eulen und Rabenvögel (samt Elstern und Eichelhähern). Insbesondere sollten Häufungen von Totfunden und Erkrankungen von Vögeln jeder Art gemeldet werden.

Seit September im Land

Seit Ende September grassiert vor allem an der deutschen Nordseeküste, aber auch in anderen Teilen von Norddeutschland sowie an der niederländischen und belgischen Küste auf sehr dynamische Weise die Geflügelpest. Dabei zeichnen sich vor allem hohe Verluste bei wildlebenden Wasservögeln ab. Allein in Schleswig-Holstein wurden bis Weihnachten fast 16.000 tote und sterbende Wasservögel erfasst. Betroffen sind überwiegend Wildgänse, aber auch Wildenten, einzelne Schwäne, Limikolen (Watvögel), zudem Möwen, Reiher und immer wieder auch Greifvögel sowie einzelne Eulen. Greifvögel infizieren sich oftmals durch das Fressen von Aas verendeter Vögel.

In Norddeutschland kommt es bereits vermehrt zu Seuchenausbrüchen in Hausgeflügelbeständen. Weiter südlich gab es bisher nur wenige Einzelnachweise bei Wildvögeln am Niederrhein, in Hessen, Baden-Württemberg, Sachsen und bei Passau. Aus der Lech- und Ammerseeregion liegen bisher keine weiteren Seuchenfeststellungen vor.

Was ist die Vogelgrippe?

Die Aviäre Influenza ist eine Infektion von Vögeln mit Influenza-A-Viren. Nach der Schwere der Krankheitserscheinungen unterscheidet man die Hochpathogene Aviäre Influenza (Highly pathogenic influenza, HPAI), auch Geflügelpest oder umgangssprachlich „Vogelgrippe“ genannt, und die Niedrigpathogene Aviäre Influenza (Low pathogenic influenza, LPAI).

In Apfeldorf wurde aktuell der auch in Norddeutschland hauptsächlich auftretende Virustyp H5N8 nachgewiesen. Die Hauptsymptome der Geflügelpest sind zunächst ein drastischer Rückgang der Futteraufnahme bei ansteigendem, später nachlassendem Wasserbedarf, bei Legetieren Einbruch der Legeleistung. Es folgen Apathie, Atemnot, Schwellung und Blauverfärbung der Kopfregion, Durchfall und Verhaltensstörungen als Anzeichen einer Gehirnbeteiligung. Die Sterblichkeit ist enorm hoch. Wildvögel werden meist bereits tot aufgefunden. In der Regel erkranken Hühnervögel wie Haushühner und Puten schwer, während Enten, Gänse und Schwäne symptomlos infizierte Überträger sein können. Wie das aktuelle Seuchengeschehen zeigt, können jedoch auch Letztere schwer erkranken und an der Tierseuche sterben.

Alle Maßnahmen dienen der Prävention, um ein dramatisches Seuchenszenario wie in Norddeutschland zu verhindern. Das letzte schwere Geflügelpestgeschehen gab es im Winter 2016/2017 und wurde ebenfalls durch den Virustyp H5N8 verursacht. Zuvor war der Landkreis bereits 2006 von einem Ausbruch der Geflügelpest betroffen.

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