3 Fragen an Grünen-Chef Ludwig Hartmann

Etappen-Sieg für die "Bienen-Retter"

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Im Landkreis gaben 22.322 Menschen ihre Stimme für mehr Artenvielfalt ab.

Landkreis – Sie haben ihr Ziel erreicht. Das Volksbegehren Artenvielfalt konnte genug Stimmen sammeln. Besonders fleißig hat man auch im Landkreis abgestimmt. Zwei Kommunen aus dem Ammersee-Gebiet führen die Liste an.

Laut Landratsamtssprecher Wolfgang Müller haben sich in Utting 39,39 Prozent der 3.369 Wahlberechtigten in die Listen des Volksbegehrens eingetragen. Das ist Rang 1 im Landkreis. Ebenfalls recht fleißig beim Unterschreiben waren die Schondorfer mit 1.002 abgegebenen Stimmen. Das macht 34,48 Prozent. Für den Landkreis insgesamt kommt bei 90.005 Stimmberechtigten ein Quorum von 24,80 Prozent heraus. Am wenigsten für Biene&Co. begeistern konnten sich die offensichtlich die Hurlacher. Mit 15,22 Prozent bilden sie das Schlusslicht im Landkreis.

Grünen-Landtagsabgeordnete Gabriele Triebel aus Kaufering sieht den Druck auf die Söder-Regierung wachsen: „Über 1,1 Million Menschen in ganz Bayern wollen eine Naturschutzpolitik, die ihren Namen auch verdient, deshalb muss die Staatsregierung jetzt liefern“. Es habe auch Unterstützung der Bauern gegeben, betont Grünen-Chef Ludwig Hartmann im KREISBOTEN-Interview auf Seite 7. „Der Gegenwind der Bauern war vor allem ein Gegenwind des Bauernverbands mit Präsidenten Walter Heidl.“ Der sehe sich als Chef-Lobbyist der Agrarindustrie.

Nach dem klaren Erfolg für den Volksentscheid ist der Landtag am Zug. Entweder er nimmt den Gesetzentwurf des Volksbegehrens unverändert an. Oder er lehnt ihn einfach ab – dann darf die Bevölkerung bei einem Volksentscheid darüber abstimmen. Oder der Landtag stellt dem Volksbegehren einen eigenen Gesetzentwurf entgegen – dann werden bei einem Volksentscheid beide Gesetzentwürfe zur Abstimmung gestellt.

Stehanie Novy

3 Fragen an Ludwig Hartmann

Herr Hartmann, das Volksbegehren Artenvielfalt hat Geschichte geschrieben – es ist das erfolgreichste aller Zeiten in Bayern. Macht das stolz?

Bejubelt den „historischen Erfolg“ und versucht sich schon mal als Hobbyimker: Ludwig Hartmann, Fraktionschef der Grünen im Landtag.

Hartmann: „Das macht vor allem demütig. Ich verneige mich vor den Bürgerinnen und Bürgern Bayerns, die sich im Eis- und Schneewinter 2019 in langen Schlangen vor den Rathäusern die Beine in den Bauch gestanden haben. Das war eine Abstimmung mit den Füßen. Der Schutz unserer Tier- und Pflanzenwelt ist den Menschen im Land ein riesiges Anliegen. So viel Einsatz, so viel Motivation – und das erstmal nicht aus Eigennutz, sondern aus selbstlosen Gründen. Ich bin tief beeindruckt.“

Im Laufe der Eintragungsfrist gab es ja ganz schön viel Gegenwind von den Bauern. Sind die vorgeschlagenen Maßnahmen zu hart, gefährden sie unsere Bauern in ihrer Existenz?

Hartmann: „Es gab auch viel Unterstützung von Bäuerinnen und Bauern. Viele wissen: Die Landwirtschaft der Zukunft funktioniert nur im Einklang mit der Natur, nicht gegen sie. Wir alle kennen die Bilder aus China, wo Plantagen von Menschen oder Drohnen bestäubt werden müssen, weil es keine Insekten mehr gibt.

Der Gegenwind der Bauern war vor allem ein Gegenwind des Bauernverbands und seines Präsidenten Walter Heidl. Der sieht sich als Chef-Lobbyist der Agrarindustrie, vor allem der Schweinehalter. Da gab es lange die Philosophie: Wenn Du überleben willst, werde größer und produziere am besten Billigfleisch für den Weltmarkt. Das aber ist eine Sackgasse. In Bayern sollten wir in erster Linie qualitativ hochwertige Lebens­mittel für den heimischen Markt erzeugen – gerne Öko, denn da gibt es noch riesigen Bedarf und gute Marktpreise. Wenn wir 30 Prozent der hier verzehrten Biokartoffeln importieren müssen, dann läuft doch etwas grundverkehrt.“

Wie geht es jetzt weiter? Ministerpräsident Markus Söder hat für den heutigen Mittwoch einen Runden Tisch angekündigt.

Hartmann: „Ja, zur Halbzeit des Volksbegehrens und nachdem er gesehen hat, wie viele Menschen in die Rathäuser strömen. Die Forderungen des Volksbegehrens aber lassen sich nicht am ,Runden Tisch‘ wegmoderieren.

Wir können gerne über mehr Tier- und Pflanzenschutz reden, über noch mehr Naturschutz. Aber das Volksbegehren ist die Messlatte – drunter gehen wir nicht. Und da sind wir uns auch mit den Verbündeten im Trägerkreis einig. Wenn wir da am Runden Tisch sitzen, die Söder-Regierung und der Bauernverband auf der einen, die Unterstützer des Volksbegeh­rens auf der anderen Seite, dann sitzen 1,75 Millionen Bayerinnen und Bayern mit am Tisch. So viel Wumms hatte Umweltschutz bei uns noch nie. Das ist die richtig gute Nachricht.“

Herr Hartmann, wir danken für das Gespräch! 

Toni Schwaiger

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