In der Vielfalt gegen das Artensterben

Aktionsbündnis "Volksbegehren Artenvielfalt" ruft zur Unterschrift auf

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Im Aktionsbündnis „Volksbegehren Artenvielfalt“ haben sich Vertreter mehrere Organisationen zusammengeschlossen. Ab 31. Januar kann jeder selbst zum Artenschutz beitragen.

Landkreis – „Ich hab es noch nie erlebt, dass die Leute in Fünferreihen anstehen und fragen: ‚Wo kann ich unterschreiben?‘.“ So erging es Wolfgang Buttner (ödp), als er Stimmen für die Beantragung des „Volksbegehrens Artenvielfalt“ sammelte. Offensichtlich ein Thema, das viele anspricht, besonders nach Trockenheit und Hitze im vergangenen Jahr. Ab dem 31. Januar geht‘s ans Eingemachte. Exakt zwei Wochen hat jeder Bürger im Landkreis die Chance, Politik mitzuentscheiden. Indem er oder sie seine Stimme auf seinem Rathaus abgibt, um aus dem Volksbegehren einen Volksentscheid zu machen.

Innerhalb dieser 14 Tage müssen sich zehn Prozent der bayerischen Wahlbevölkerung in den Rathäusern eintragen: rund eine Million Bürger. Online ist das nicht möglich. Die Gesetzesänderung durch den Volksentscheid sei wichtig, äußert Moritz Hartmann (Grüne). „Artenvielfalt erhalten, das schaffen die Kommunen nicht alleine.“ Dafür hat sich ein Aktionsbündnis aus den Initiatoren des Volksbegehrens, der ödp, sowie dem LBV, dem Bund für Naturschutz (BN), der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (ABL), des Kreisverbands für Garten- und Landschaftspflege, den Grünen und der Bayernpartei gebildet.

Das Bündnis will mit Hilfeleistungen und Aktionen das Volksbegehren unterfüttern. So werden auf der Webseite der ödp Landsberg (www.oedp-landsberg.de) die Öffnungszeiten der Gemeinde-Rathäuser bekanntgegeben – fürs Volksbegehren unterschreiben geht nicht Tag und Nacht. „Aber wir haben schon gute Resonanz, dass einige Gemeinden die Öfffnungszeiten am Abend und am Wochenende verlängern“, freut sich Buttner.

Weiterhin werde man ab dem 26. Januar jeden Samstag Infostände in der Landsberger Altstadt einrichten. Stände seien ebenso in Dießen und Schondorf geplant, berichtet Christine Reineking (Grüne). „Der LBV hat Andreas Fleischmann zum Vortrag ‚Ohne Insekten geht es nicht‘ am 18. Januar eingeladen“, gibt LBVlerin Thea Wolf bekannt. „Und Attac zeigt den Film ‚More than Honey‘ am 10. Februar im Olympiakino.“

Doch weitere Helfer sind nötig. Zum Beispiel Menschen, die sich als ‚Rathauslotsen‘ engagieren – und die Leute auf der Straße ansprechen, um ihnen den Weg zum jeweiligen Abstimmungsort zu ebnen. Dr. Peter Weibel vom LBV wünscht sich, dass jeder zur Stimmabgabe mindestens eine weitere Person mitnimmt. „Dann schaffen wir die eine Million.“

„Artenvielfalt bietet Aussicht auf vernünftige Evolution“, betont Folkhart Glaser vom BN Landsberg. Landsberg 2035 fordere ebenso den Erhalt der Biodiversität und die Eindämmung der Lichtverschmutzung. Ein Problem sieht Grünenpolitikerin Reineking in der Wasserqualität von Windach und Rott: „Das Giftgrün am Windachspeicher kommt von der Überdüngung.“ Wichtig sei zudem die Renaturierung von Moorflächen. Ebenso könne jede Gemeinde auf eigenen Flächen den Einsatz von Pestiziden per Verordnung eindämmen. Zum Beispiel in Achselschwang oder im Spitalgut. Für die Artenvielfalt müsse sich auch die Agrarpolitik ändern, ist Franz Schilcher (ABL Oberland) überzeugt. Und auch kleine Betriebe angemessen fördern. „Aber Ökologie geht nur, wenn‘s auch ökonomisch umsetzbar ist“, gibt Hermann Dempfle (Bayernpartei) zu bedenken. So müssten die Absatzmöglichkeiten für Bioprodukte regional verbessert werden.

„Wir wollen die kommunalen Bauhöfe ermuntern, Grünflächen wieder naturgemäßer zu gestalten“, sagt Hans Streicher vom LBV. Zum Beispiel durch geringeres Mulchen, so wie es der landkreiseigene Bauhof bereits praktiziere. Und um den „erbosten Schreiben“ wegen angeblich verwahrloster Grünflächen einiger Bürger Einhalt zu gebieten, sei es wichtig, die Menschen für natürliche Bepflanzung zu gewinnen, ist Folkhart Glaser überzeugt: „Viele wissen nicht mehr, was Natur ist: nicht Unkräuter, sondern Wildkräuter!“

Privat könne man ebenso handeln, sagt Christian Hanglbauer vom Kreisverband für Garten- und Landschaftspflege: „Ich hab‘s in den 60ern in der Schule gelernt: keine Monokultur.“ Die gebe es ja auch in privaten Gärten mit endlosen Rasenflächen. „Auch die letzte Nische geht verloren. Alles wird steril.“ „Und diese Kiesgärten mit Folie drunter sind uns ein Dorn im Auge. Da wird jahrzehntelange Arbeit zubetoniert.“

Den Gesetzesentwurf gibt es unter www.volksbegehren-artenvielfalt.de. Wer zum Beispiel als Rathauslotse helfen möchte, kann sich unter volksbegehren.artenschutz.ll@gmx.de per E-Mail melden oder direkt bei Wolfgang Buttner unter Telefon 08191/4283230.

Susanne Greiner

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