Im Landsberger Rathaus: Oper in Jeans und T-Shirt

"Musik auf Rädern" begeistert mit Oper im Taschenbuchformat

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So nah wie bei der „Musik auf Rädern“ kommt man den Opernsängern selten. Hier baldovern Malatesta (Thomas Schütz) und seine Schwester Norina (Agnes Preis) in Donizettis „Don Pasquale“ ihre Intrige aus.

Landsberg – Der Festsaal ist proppenvoll. Die einen haben Einkaufstaschen dabei, andere kommen direkt vom Büro. Manch einer geht nach den ersten Arien, andere bleiben bis zum Schluss. So entspannt wie bei „Musik auf Rädern“ ist die hehre Sangeskunst selten zu erleben. Und auch, wenn die Kostüme nicht ganz so pompös sein mögen, die Kulisse nicht gerade durch Bildhaftigkeit besticht und auch das Orchester nicht wirklich ein Orchester ist, sondern vier Streicher und ein Akkordeonist: Donizettis „Don Pasquale“ am Mittwoch im Rathausfestsaal war ein unbeschwerter Genuss.

„Ging es in den vergangenen beiden Jahren nach Seville, reisen wir heute nach Rom“, leitet Violaspieler und Conférencier Johannes Erkes die Oper ein: „in den Garten eines älteren Junggesellen.“ Schon bei der Ouvertüre – Erkes nennt sie den „Gruß aus der Küche“ – wird klar: „Don Pasquale“ ist eine Opera Buffa, eine musikalische Komödie mit wunderschöner und leichtverdaulicher Musik. Dazu der Text, „wie in der Eisdiele, deutsch und italienisch“, erklärt Erkes. Und so wird der Inhalt zusammen mit seinen Handlungszusammenfassungen glasklar – ohne dass man ihn sich mühsam aus dem Programmheft aneigenen muss.

Leichte Muse also, passend zum Sommer – auch wenn auf Wunsch der Musiker die Veranstaltung wegen des starken Winds nicht wie geplant Open Air auf dem Hellmair-Platz stattfand. Sondern eben drinnen. Sicher ein Verlust für die Atmospäre, aber ein Gewinn für die Akustik.

In „Don Pasquale“ geht es darum, „wie Frauen den Männern das Leben zur Hölle machen können“, fasst Erkes zusammen. Don Pasquale sucht eine Frau. Natürlich soll die jung, hübsch und anspruchslos sein. Mit der Suche nach diesem Unikat beauftragt er seinen Arzt, Strippenzieher Malatesta – der aus Mangel an weiblichem Personal auf seine Schwester Norina zurückgreift. Die macht das Spiel mit. Denn ihr Geliebter Ernesto ist Don Pasquales Neffe – und ein armer Schlucker.

Don Pasquale ist angetan: „Una Bomba!“, lautet sein Kommentar, als er seine Zukünftige sieht. Die findet ihn aber weniger anziehend: „alt, mit Bauch und schwachen Beinen“. Das Verwirrspiel beginnt und endet natürlich mit einem Happy End: Ernesto und Norina liegen sich mit dem Segen des Onkels in den Armen.

Die Aufführung war ein Genuss, mit guten Musikern und Sängern – ein Kratzen im Hals hie und da stört nicht. Nicht zuletzt gilt es diese wie immer kostenlose Initiative der Internationalen Stiftung zur Förderung von Kultur und Zivilisation zu unterstützen – einfach eine wunderbare Idee.

Susanne Greiner

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