"Hund&Besuch" kommt ins Haus

Therapeuten mit vier Pfoten

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Regelmäßig treffen sich die ehrenamtlichen Mensch-Hunde-Teams des Greifenberger Vereins „Hund&Besuch“ zum Erfahrungsaustausch. Von links: Ulrike Trinks, Vorsitzende Theresia Busen, Birgit Behnke und Ursula Erfort.

Greifenberg – „Gib dem Menschen einen Hund und seine Seele wird gesund!“ Das sagte schon die Benediktinerin und Universalgelehrte Hildegard von Bingen (1098 - 1179). Inzwischen ist wissenschaftlich belegt, dass sich speziell Hunde positiv auf die Psyche des Menschen auswirken können. Diesen Effekt macht sich der gemeinnützige Verein „Hund&Besuch“ aus Greifenberg zunutze, den die Mathematik- und Musiklehrerin Theresia Busen (Rhabanus-Maurus-Gymnasium St. Ottilien) vor drei Jahren gründete. Als Vorsitzende organisiert sie zusammen mit ihrer Stellvertreterin Freifrau Manuela von Perfall die Aktivitäten von inzwischen 21 Mensch-Hunde-Teams.

Die Teams besuchen ehrenamtlich rund um den Ammersee und Landkreis übergreifend Seniorenheime, Krankenhäuser, Behinderteneinrichtungen, Kinderheime und Schulen, aber auch Einzelpersonen. Von Greifenberg (Theresienbad) und Landsberg (AWO) über Herrsching (Johanniter-Haus) bis nach Grafrath (Altenwerk Marthashofen) werden die Begegnungen mit den Hunden stets sehnsüchtig erwartet. Denn die Tiere bringen Abwechslung in den einsamen Alltag von Senioren, Demenzkranken, Behinderten oder psychisch Kranken, wie in den Wohnheimen der Lebenshilfe Landsberg. Für traumatisierte oder verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche sind die Besuche der vierpfotigen Therapeuten absolute Highlights.

Allein Berührung und Streicheln vermittelt den Besuchten Lebensfreude, Wärme, Wohlbehagen und Glück. Die Seelentröster selbst haben ein großes Bedürfnis an Zuwendung, genießen die körperliche Nähe und bauen schnell eine enge Bindung und soziale Partnerschaft zu den Menschen auf. Alte und kranke Menschen fassen Vertrauen, öffnen sich und manchmal weckt das verloren geglaubte Erinnerungen. Psychisch kranke Patienten überwinden nach wiederholten Besuchen sogar Sprechblockaden.

Hunde reagieren besonders rücksichtsvoll auf alte Menschen sowie auf Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung. Die Tiere haben keine Vorurteile oder Berührungsängste und verhalten sich geduldig und einfühlsam. Oft verbessert sich durch den intensiven Kontakt mit dem Hund die Motorik der Behinderten sowie die Motivation zur eigenen Bewegung.

Familienhunde

Bei den Besuchen wird streng darauf geachtet, dass Einrichtung, Hund und Mensch zusammen passen. Ruhige Hunde seien mehr für Senioren geeignet, kleine und agile Hunde besser für Kinder. „Unsere Besuchshunde zeichnen sich durch beste Sozialverträglichkeit, Gehorsam und das Fehlen jeglicher Aggressivität aus“, betont Theresia Busen. Die eingesetzten Hunde aller Rassen hätten in Zusammenarbeit mit dem Hundesportverein Windach eine Eignungsprüfung absolviert. Und bei den ersten Besuchen eines neuen Mensch-Hunde-Teams seien erfahrene Vereinsmitglieder dabei. Die Vorsitzende weist ausdrücklich darauf hin, dass die Hunde keine ausgebildeten Therapie- oder Begleithunde, sondern ganz normale gut erzogene, umgängliche und menschenfreundliche Familienhunde sind.

Theresia Busen als Lehrerin ist besonders angetan von der individuellen Interaktion beim „Lesen mit dem Hund“. Kinder mit Leseschwäche lesen hier in privater Atmosphäre ihrem Besuchshund laut vor, schöpfen aus dieser Übung Selbstvertrauen und lösen so oftmals Sprachblockaden. „Hier sind erstaunliche Fortschritte festzustellen“, freut sich die Pädagogin. „Ein Hund korrigiert oder schimpft das leseschwache Kind nicht, sondern sitzt oder liegt ruhig und entspannt dabei.“ In der Montessori-Schule Inning sowie in den Grundschulen Schondorf und Utting sind acht Mensch-Hunde-Teams regelmäßig im Einsatz und freuen sich über die Fortschritte der Kinder.

Verstärkung gesucht

Die Nachfrage nach dem Mensch-Hunde-Besuchsdienst wächst, so dass der Verein gerne neue Teams aufnehmen würde. Frauchen/Herrchen müssten sich etwa alle zwei Wochen ein paar Stunden Zeit nehmen, um andere glücklicher zu machen. Bedingungen seitens der Hunde sind Wesensstärke, unaggressives Verhalten und Gehorsam. Rasse, Alter oder Größe spielen keine Rolle. Über die Webseite des Vereins können sich Interessenten informieren und einen Termin bei Theresia Busen vereinbaren. Ihre zwei schwarzen Schnauzer Paula und Irmie freuen sich gewiss über jeden Neuzugang.

„Hund&Besuch“ wurde übrigens bei der aktuellen Jahreshauptversammlung des Vereins „Gemeinsam“ von dessen Vorsitzendem Peter Raithel – neuer Träger der Ehrennadel der Gemeinde Schondorf – als Leuchtturmprojekt vorgestellt und gelobt. Eine Geldspitze von 500 Euro gab es für die Mensch-Hunde-Teams als materielle Hilfe obendrein.

Dieter Roettig

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