Wenn ein Konzertraum fehlt

Die vorerst letzte Sommer-Soirée im Landsberger Säulenhof

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Alexandra Steiner und Axel Wolf gestalteten die vorerst letzte Sommer-Soirée im Landsberger Säulenhof.

Landsberg – Musik am lauen Sommerabend, im ligurischen Landhaus, in Venedigs Palast oder am englischen Königshof: eine Sängerin, ein Lautist und Melodien über die Liebe. Was Sopranistin Alexandra Steiner und Lautist Axel Wolf bei der fünften Sommer-­Soirée am Donnerstagabend im Säulenhof des Heilig-Geist-Spitals hören lassen, führt die rund 100 Zuhörer ins Barock und Elisabethanische – mit einem kurzen Ausreißer in die Moderne. Ein intimer Abend voll großer Musik.

Schon die ersten Takte von Henry Purcell beweisen die perfekte Akustik des Säulenhofs. Steiners Sopran fühlt sich auch in der tieferen Alt-Stimmlage von „Sweeter than Roses“ wohl. Das von Purcell mit 16 Jahren komponierte Stück trägt Anklänge an Koloratur, französische Leichtigkeit. Ganz im Gegensatz zu den gesetzten Melodien John Dowlands. Die englischen Komponisten bilden den Rahmen des Konzerts, in seiner Mitte liegen vier Juwelen: Die Arie „An die Einsamkeit“ von Johann Philipp Krieger aus der Oper „Procris“ wirkt dabei ernster als das „Che si può fare“ der italienischen Barock-Komponistin Barbara Strozzi: spielerische Dramatik, mit der Stein im Sopran brillieren kann. Eine Komposition, die gegen Monteverdis bekannteste Madrigale „Si dolce è `l tormento“, „So süß ist die Qual“, Stand hält. Alle drei Lieder schwelgen in Melancholie – die Benjamin Britten mit dem irischen Volkslied „Bonny at morn“ in karger Weise kontrastiert.

„Fünfmal hat es mit der Musik im Säulenhof funktioniert“, freut sich Organisator der Musikreihe „Kammermusik im Bibliothekssaal“ Franz Lichtenstern. Manchmal war es frostig, aber nur einmal musste verschoben werden. Die Soirée am Donnerstag war die letzte – soweit die Planung. Gerne würde Lichten­stern im Oktober mit den Konzerten in der Alten Bibliothek starten. Pläne dafür hat er, „aber mir fehlt der Raum“. Denn in die Bibliothek dürften momentan nur 18 Personen – inclusive Musiker. Er werde jetzt „mit dem Meterstab durch diverse Hallen laufen“, verspricht Lichtenstern. Eventuell sei noch ein Konzert im Freien möglich. „Aber Termine gibt es noch keine.“

Passend dazu die letzte Zugabe der Musiker: Steiner und Wolf spielen „Galápagos“, eine „Komposition eines Freundes, die er am Anfang des Lockdowns geschrieben hat“, erzählt die Sopranistin. Dante Yenque, erster Hornist im National Symphony Orchestra of Columbia, schrieb die Melodie ohne Worte mit der Aufforderung, das Lied weltweit zu spielen – als Zeichen der Hoffnung.
Susanne Greiner

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