Vorläufig geschlossen!

Am neuen Nutzungskonzept für das Herkomermuseum (links) und den Mutterturm feilt derzeit Museumsleiterin Sonia Fischer. Bis dahin bleibt das Ensemble geschlossen. Foto: Bauch

Diese Nachricht der Museumsleiterin lässt aufhorchen: „Herkomermuseum und Mutterturm bleiben vorläufig geschlossen“. Warum genau und wie lange das „Vorläufig“ gilt, das lässt Sonia Fischer in ihrer Presseerklärung offen. Immerhin: Das Gebäudeensemble am Lechufer bedürfe einer Sanierung. Was meint der Leiter des Hochbaureferates dazu? Bauliche Gründe stünden keineswegs hinter der Schließung, so Peter Huber, eher „Unzufriedenheit“ der Museumsleiterin mit dem Ensemble. Fischer erarbeitet derzeit ein neues Nutzungskonzept für Herkomermuseum und Mutterturm; im Juni möchte sie es dem Stadtrat präsentieren.

„Der bauliche Zustand hat gewiss keine hohe Qualität“, erklärt Huber im Gespräch mit dem KREISBOTEN. Aber: Es sei keine Gefahr in Verzug, um das Ensemble zu schließen. Ohnehin würde Huber eher von einer Modernisierung statt von einer Sanierung sprechen, es ginge um eine „vernünftigere Vermarktung und Anpassung an heutige Anforderungen“. Allerdings: Vor einiger Zeit mussten im der Keller des Mutterturmes provisorisch Stützen eingezogen werden – aus statischen Gründen. „Bei Hoch­zeiten“, berichtet Huber, „war das Erdgeschoss einfach zu voll und damit zu stark belastet.“ Man habe daher den Keller mit einer Stahlkonstruktion unterfangen, um auch bei größerer Belastung Sicherheit zu gewährleisten. Das habe mit dem Herkomermuseum nichts zu tun. Zwar sei die Bausubstanz veraltet, doch derzeit hätten die Gebäude keine Schäden. „Lieber tun wir heute was als morgen“, so Huber, doch zwingend notwendig sei eine Sanierung derzeit nicht. Falls aber die viel diskutierte neue Lechbrücke gebaut werden soll, dann müsse „unbedingt etwas geschehen“. Eben darauf haben die Initiatoren des Bürgerbegehrens gegen die Brücke zwischen Insel- bad und Mutterturm im vergangenen Jahr immer wieder hingewiesen. Zwischen Trauunungszimmer und Lech müsse für die dort auftreffende Brücke massiv in den Uferbereich eingegriffen werden, unter anderem mit Bohrpfählen für Funda­- ment und Widerlager. Nach Ansicht von UBV-Chef Wolfgang Neumeier ein höchst riskantes Unterfangen. Der Mutterturm befinde sich in einem „krottenschlechten Zustand“. Mit „ein bisschen Aufhübschen“ sei es gewiss nicht getan. Schäden in den Deckenbereichen habe er im vergangenen Jahr bei einer Besichtigung ausgemacht und die provisorische Abstützung im Keller spräche Bände. Auch der Museumsbeirat des Stadtrates hat sich jüngst mit dem Thema befasst. Darin kam man überein, dies im Juni erneut zu tun. Tenor: Erst wolle man der langjährigen Mieterin im Obergeschoss des Herkomermuseums kündigen, bevor es an die Sanierung und das neue Nutzungskonzept geht. Das sieht offensichtlich im Erdgeschoss einen Gastronomiebetrieb vor. Prof. Mathias Theodor Vogt sprach im Februar bei der Präsentation seines „Konzepts zur Entwicklung der kulturellen Infra­struktur“ (KEKIS) von einer „Kombination aus Café mit dem besten Kuchen und Ausstellung“. Letztere würde sich fortan im frei werdenden Obergeschoss befinden. Große Probleme bereite im gesamten Ensemble das Raumklima. Feuchtigkeit und die damit einhergehende Schimmel­- bildung haben im Museums­trakt Kunstwerke so stark befallen, dass sie für viel Geld restau­- riert werden müssen. Gebäudesanierung und eine Klimaanlage sollen Abhilfe schaffen. Ähnlich, aber nicht ganz so drastisch, sei die Situation im Mutterturm. Allerdings: In dem 1884 durch Hubert von Herkomer errichteten Turm wird man künftig wohl nur noch in den Sommermonaten heiraten können. Zu starkes Heizen und menschliche Ausdünstungen schaden dem alten Gemäuer allzu sehr. Gruppenführungen und Trauungen seien aktuell weiterhin möglich.

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