Riss im "Dießener Himmel"

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Im Chorbogen gleich über dem Altar hat sich ein Riss „entwickelt“, ist also größer geworden. Die Standsicherheit des 277 Jahre alten Gotteshauses ist nicht gefährdet, aber Teile des Stucks könnten herabfallen.

Dießen – „Der Schrecken wäre groß, wenn plötzlich Stuckteile von der Decke fielen. Panik könnte ausbrechen“, sagt Dießens Pfarrer Josef Kirchensteiner. Bevor dies passiert ist der Chorraum des Marienmünsters seit Weihnachten gesperrt. Die Gottesdienste finden ab sofort in der Winterkirche St. Stephan statt.

Einsturzgefahr bestehe nicht, aber der der Stuck könne bröckeln. „Es hat immer schon Haarrisse gegeben“, sagt Pfarrer Kirchensteiner, der die Pfarrei Maria Himmelfahrt vor etwa eineinhalb Jahren übernommen hat und um das 277 Jahre alte Denkmal weiß. Zuletzt wurde das Gotteshaus in den 80er Jahren saniert, vor sechs Jahren musste die Kirche für mehrere Monate geschlossen werden, um den Holzwurm aus dem Gebälk zu bringen. Natürlich „lebt“ auch ein altes Gemäuer. Pfarrer Kirchensteiner und Kirchenpfleger Peter Keck beobachten die Risse, die es gibt deshalb ganz genau.

Bei einer Routinekontrolle, die zirka alle vier bis sechs Wochen stattfindet, stellte sich heraus, dass sich ein Riss am Chorbogen verändert hat. Die Experten sprechen von „entwickeln“, eine Entwicklung, die auch eine leichte Absenkung des Stucks zur Folge hatte.

Zeitgleich probten 50 Kinder für das Krippenspiel in diesem Bereich. Pfarrer Kirchensteiner und Kirchenpfleger Peter Keck wollten nichts riskieren und bestellten kurzfristig Statiker, Stuckateur und den Projektmanager des Bistums Augsburg, Thomas Vees, ein. Die Standsicherheit, so versicherten die Experten, sei nicht gefährdet. „Aber wenn aus 20 Meter Höhe auch nur ein Stückchen Stuck fällt, wäre der Schrecken groß“, vermutet Kirchensteiner. Und natürlich könne auch eine Person getroffen werden. „Es besteht eine akute Gefährdung für Besucher und Passanten“, so Projektmanager Vees.

Der Chorbogen befindet sich im Übergang vom Kirchenschiff zum Chorraum, in dem auch der Altar steht. Schon die vier Gottesdienste an Weihnachten mussten deshalb improvisiert werden: Pfarrer Kirchensteiner zelebrierte nicht im großen Chorraum unter dem Dießener Himmel, sondern auf einem Podest im Mittelgang. „Das war schwierig, wegen der Sicht“, sagt der Pfarrer. Auch das Krippenspiel habe an einen anderen, sicheren Ort in der Kirche verlegt werden müssen. Ab sofort finden die Gottesdienste in der Winterkirche St. Stephan statt. „Weil das Marienmünster nicht beheizt ist, wäre dies vom 15. Januar an sowieso vorgesehen“, erklärt Kirchensteiner. Die Kirchenkonzerte sind von der Sperrung des Chorraumes nicht betroffen, sie finden uneingeschränkt statt. Die Kirche bleibt auch geöffnet.

Die Ursache für die Weiterentwicklung des Risses über dem Chorbogen ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht bekannt. Die weiteren Untersuchungen im „Dießener Himmel“ sollen darüber Aufschluss geben. Wie und wann saniert wird, ob sogar ein großes Gerüst aufgestellt werden muss, müssen jetzt die Fachleute klären.

Ursula Nagl

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