Klinikum Landsberg: Vorstand Woedl und sein zweiter Job

"Optimierer, Innovator, Unternehmer"

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Derzeit Vorstand Klinikum Landsberg und CEO Cupertino Consulting GmbH: Marco Woedl.

Landsberg – Der Vorstand des Klinikums Landsberg, Marco Woedl, übt seit März 2019 offenbar eine zweite berufliche Tätigkeit aus. Er ist CEO, also Geschäftsführer, der „Cupertino Consulting GmbH“ mit Sitz im 85 Kilometer entfernten Reichertshausen. Die Firma ist eigenen Angaben zufolge Betreiberin des „größten Marktplatzes für Beratungsprojekte im Gesundheitswesen“.

„Vorstand Klinikum & CEO Cupertino Consulting“ – so stellt sich Marco Woedl im Internet vor.

Welche führende Rolle Woedl in diesem Unternehmen spielt, wird aus einer Selbstdarstellung auf der Website der Firma deutlich (www.cupertino-consulting.com/marco-woedl/). Dort präsentiert sich der Mittvierziger als „Optimierer, Innovator und Unternehmer“, der auf „über 20 Jahre erfolgreiche berufliche Tätigkeit im Krankenhausmanagement“ zurückblicken kann. Er sei ein „Vordenker im Bereich der digitalen Unternehmensberatung“. Als Beruf gibt Woedl an: „Vorstand Klinikum Landsberg am Lech & CEO Cupertino Consulting GmbH“.
Woedls Geschäftsmodell besteht in der entgeltlichen Vermittlung von Aufträgen an Berater aus dem Gesundheitsbereich. Dabei bietet die nach dem Silicon-Valley-Ort Cupertino benannte Firma – dort hat Apple seinen Sitz – zwei Geschäftsmodelle an. Handelt es sich um einen selbständig auftretenden Berater, kassiert die Firma eine „Vermittlungsprovision in Höhe von 10 Prozent des Netto-Auftragswertes“.
In einer anderen Variante ist die Cupertino Consulting selbst „der Anbieter und Leistungserbringer gegenüber dem Kunden“. Der jeweilige „Honorar-Berater“ arbeitet dann „unter dem Dach der Cupertino Consulting GmbH“ und erhält „nach dem Abschluss des Beraterprojekts 70 Prozent der Netto-Zahlungseingänge des Kunden“. Berater, die diese Option wählen, seien „über die Betriebs-Haftpflichtversicherung der Cupertino Consulting GmbH abgesichert“.

13 Kategorien

Erlöse steigern, Sachkosten senken, Klinik sanieren, Prozesse optimieren, Führungskräfte trainieren - das sind fünf der insgesamt 13 Projektkategorien, aus denen Interessenten wählen können, die sich für eine Beratung interessieren. Konkret sind bereits eine Reihe von Projekten abgewickelt worden, unter anderem von der Rechtsanwaltskanzlei Keubke Marhold, dem Büro für Kommunikation Schwarzott und dem Krankenhausanalytiker BinDoc. Auch der Pharmakonzern Roche erscheint auf Woedls Website. Danach hat „Roche Healthcare Consulting“ einen Auftrag zur „Prozessverbesserung im Labor“ erhalten.

Woedls Firma wurde am 31. Januar 2019 ins Handelsregister eingetragen. Offizieller Gegenstand ist die „Unternehmensberatung und Vermittlung von Unternehmensberatungsleistungen, sowie Dienstleistungen im Bereich der Informatik, insbesondere Erstellung, Vertrieb und Vermarktung von IT-​Produkten und die Erbringung damit zusammenhängender Dienstleistungen.“ Stammkapital: 25.000 Euro. Woedl ist zum Selbstkontrahieren ermächtigt, darf also Verträge für mehrere Seiten mit sich selbst schließen.

Umsatzträchtig

Aus diesen Fakten folgt, dass die Tätigkeit Woedls als vertretungsberechtigter Geschäftsführer der Cupertino Consulting GmbH viel Zeit kosten muss. Auf der Website - die auch in englisch verfügbar ist - sind keine weiteren Mitarbeiter genannt. Woedl ist auch als einziger Mitarbeiter von Cupertino Consulting bei XING registriert. Bei der Firmenadresse handelt es sich um ein Privathaus am Ortsrand von Reichertshausen. Es liegt nur wenige Kilometer von einem der früheren Arbeitsplätze Woedls entfernt, der Ilmtalklinik in Pfaffenhofen. Woedl hatte seine Tätigkeit dort nach erheblicher Kritik im Jahr 2013 auf eigenen Wunsch beendet.

Woedl war 2017 zum Vorstand des Klinikums Landsberg bestellt worden, das zu 100 Prozent im Eigentum des Landkreises Landsberg steht. Ob Landrat Thomas Eichinger von der unternehmerischen Tätigkeit Woedls weiß, ist ungeklärt. Eine entsprechende Anfrage des KREISBOTEN vom Montagvormittag blieb bis zum Redaktionsschluss am Dienstagnachmittag unbeantwortet. 

Werner Lauff

Nach Redaktionsschluss meldete sich Marco Woedl mit einer Stellungnahme beim KREISBOTEN. Der Landrat habe die Anfrage an ihn weitergeleitet. Seine "Nebentätigkeit" als "geschäftsführender Gesellschafter" der Cupertino Consulting GmbH sei bereits vor seiner Einstellung im Jahr 2017 "mit dem Landrat besprochen" und Woedl "im Anstellungsvertrag schriftlich zugesagt worden". Das Thema sei auch im Verwaltungsrat des Klinikums besprochen worden. Damit bestätigt Woedl die Recherche des KREISBOTEN. Ob es rechtmäßig und vertretbar war, eine solch umfassende Nebentätigkeit zu genehmigen, dazu mehr im KREISBOTEN vom 7. August.            Die Redaktion

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