In der Premiumstation

Klinikum Landsberg bietet demnächst 5-Sterne-Betten an

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Hat noch viel vor: Vorstand Marco Woedel, seit 100 Tagen Vorstand des Landsberger Klinikums.

Landsberg – Seit April ist der neue Vorstand des Klinikums Landsberg im Amt. Jetzt zog Marco Woedl eine Bilanz seiner ersten 100 Tage an der Spitze des 221-Betten-Hauses – und die fällt positiv aus. Mit Hilfe eines Masterplans will der Betriebswirt das Drei-Millionen-Euo-Defizit des Klinikums in eine schwarze Null verwandeln. Dazu sollen unter anderem die Bereiche Kindermedizin und Kardiologie ausgebaut, die Notaufnahme optimiert und eine Premiumstation mit Luxusausstattung eingerichtet werden.

Das Defizit soll innerhalb von drei Jahren abgebaut sein, und zwar ohne Qualitätseinbußen, wie Woedl verspricht. Das Klinikum soll sich weiterentwickeln und effizienter arbeiten. Im Bereich der Notaufnahme heißt das: Es wird ein Facharzt als Ärztlicher Leiter berufen, der „schnelle, kompetente Entscheidungen“ darüber treffen kann, ob ein Patient ambulant oder stationär versorgt wird. Unklare Fälle verbringen die erste Nacht zur Beobachtung in einem von vier „Aufnahmebetten“, die an die Intensivstation angegliedert sind. Auf diese Weise wird die arbeitsaufwändige Aufnahme auf Station zunächst vermieden, die sich vielleicht am nächsten Morgen als überflüssig herausstellt.

Ab Oktober ist ein Belegungsmanager in der Notaufnahme für die Koordination und optimale Steuerung der neu eintref­fenden Patienten zuständig. „Bisher kommen die Patienten mit einer Überweisung vom Hausarzt ungeplant in die Not­aufnahme“, so Woedl. Als Kontaktperson für niedergelassene Ärzte soll der Belegungsmanager künftig dafür sorgen, dass Patienten kontinuierlich eintreffen und damit Wartezeiten vermieden werden. Die Arztpraxis kann telefonisch den aktuell besten Aufnahmezeitpunkt erfragen und den Patienten entsprechend informieren.

Die Intensivstation wird von neun auf 15 Betten vergrößert. „Das ist eine echte Verbesserung für die Bevölkerung“, betont der neue Vorstand. Denn die Zahl der Notfälle nimmt aufgrund des demografischen Wandels zu. In der Vergangenheit war die Station gelegentlich wegen Vollbelegung nicht mehr aufnahmefähig – das soll in Zukunft vermieden werden. Die neuen Intensivbetten entstehen in den Räumen der geschlossenen Dialyse-Station.

Woedl strebt außerdem eine Verbesserung des Bereichs Kardiologie an. „Wir wollen fast alle Themen im Bereich Herz abdecken“, so der 43-Jährige. „Hier sind wir bisher nicht so optimal aufgestellt.“ Künftig sollen in Landsberg auch Herzschrittmacher implantiert werden können. Eingriffe wie Herzkatheteruntersuchungen und die Implantation von Stents sollen in Zusammenarbeit mit einem Kooperationspartner erfolgen. Der Patient wird für den Eingriff in das Partner-Krankenhaus gebracht und kommt direkt im Anschluss nach Landsberg zurück.

Eine Spezialität des Klinikums, die der Vorstand ausbauen will, ist die Kindermedizin. Bisher wird dieser Bereich von zwei niedergelassenen Ärzten betreut, von denen einer laut Woedl im kommenden Jahr in den Ruhestand geht. „Die Kindermedizin muss komplett neu aufgestellt werden“, so sein Ziel. Dazu soll das Klinikum eigene Kinder­ärzte anstellen, möglichst solche, die Spezialisierungen vorweisen können. Dadurch ist auch der Fortbestand der Geburtshilfeabteilung langfristig sichergestellt. Häuser, die ihre Geburtshilfe aufgrund von Unrentabilität schließen, verfügen meist nicht über Kinderärzte.

Wie im Hotelzimmer

Um zahlungskräftigen Patienten den Klinikaufenthalt möglichst angenehm zu gestalten, ist eine Premiumstation geplant. 30 Einzelzimmer mit Flachbildfernseher, W-Lan, Kühlschrank und Minibar sollen die Patienten vergessen lassen, dass sie im Krankenhaus sind. Das Angebot richtet sich an Privatpatienten, Kassenpatienten mit Zusatzversicherung und Selbstzahler, die 150 Euro pro Tag für das Wohlfühl-Ambiente hinlegen.

Bei einem durchschnittlichen Aufenthalt von fünf Tagen sieht Woedl das durchaus im Bereich des Zahlbaren für eine große Bevölkerungsgruppe, und die Nachfrage – das weiß er von früheren Posten – ist vorhanden. 15 Prozent der Patienten sind seiner Erfahrung nach an Premiumangeboten interessiert. Die neue Station soll in bestehenden Gebäuden eingerichtet werden und in einem Jahr fertig sein.

Die Verwaltungskosten machen nur zehn Prozent der Gesamtkosten des Klinikums aus, doch auch hier will Woedl Kosten senken und die Effizienz steigern. Konkret bedeutet das die Einführung von digitaler, sprich papierloser Rechnungsverarbeitung.

Das Thema Krankenhaus-Verbund ist mit Woedls Antritt zunächst in den Hintergrund gerückt. „Wir müssen hier im Klinikum unsere Hausaufgaben machen, dann kann man mit und ohne Verbund bestehen“, ist er überzeugt. „Am Ende ist der Verbund eine politische Entscheidung.“ Die geplanten Maßnahmen sollen zum 1. Oktober umgesetzt werden. Den größten Teil der fehlenden drei Millionen Euro will Woedl zusätzlich erwirtschaften. „Ich möchte nichts reduzieren.“ Die meisten der 800 Mitarbeiter hat er dabei auf seiner Seite. „Sehr viele ziehen mit. Es wird gesehen, dass sich etwas ändern muss.“

Persönlich fühlt sich der neue Chef in Landsberg „ausgesprochen wohl“ – trotz des Bergs an Arbeit und des täglichen Pendelns aus München. „Es macht mir einen Riesenspaß. Ich freue mich, dass ich hier bin“, sagt Macro Woedl.

Ulrike Osman

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